Rechtspopulisten: Kirche liegt „mit dem Zeitgeist im Bett“

AfD-Politiker um Höcke: Evangelische Kirche einseitig politisiert

Kurz vor dem Evangelischen Kirchentag in Dortmund hat eine Gruppe mehrerer AfD-Landtagsfraktionen ein Papier vorgelegt, das die Spitze der evangelischen Kirche harsch kritisiert. Das Kirchentagspräsidium hatte vor Monaten beschlossen, dass keine Vertreter der rechtspopulistischen Partei auf Podien dieses Kirchentags in mitdiskutieren dürfen.

Der christliche Glaube werde einseitig politisch instrumentalisiert, sagte der Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke bei der Vorstellung der rund 50-seitigen Broschüre. Er warf der evangelischen Kirche vor, „sich mit dem Zeitgeist ins Bett“ zu legen und forderte sie auf, in ihren Positionen „pluralistischer“ zu werden.

Kein offizielles Papier der Bundespartei

Das Papier kritisiert unter anderem Positionen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur Geschlechtergerechtigkeit, in der Flüchtlingspolitik, beim Klimaschutz – und zur AfD. Führenden Köpfen wie der mitteldeutschen Bischöfin Ilse Junkermann warf Höcke vor, die AfD zu diskreditieren.

Die Unterstützer des Papiers, das nach Höckes Worten kein offizielles Papier der Bundespartei ist, forderten die evangelische Kirche auf, „Politisierung“ zu beenden. Zugleich räumten die Politiker ein, es sei auch gewinnbringend und richtig, wenn sich die Kirche in die Politik einmische.

Was berechtigte Kritik an der AfD wäre, blieb vage

Wo die Grenze zwischen nach Ansicht der AfD berechtigter und nicht berechtigter Kritik verläuft, blieb bei der Vorstellung vage. Es sei eine Grenze, eine Partei zu diskreditieren, sagte Höcke.

Das Verhältnis zwischen AfD und den beiden großen christlichen Kirchen ist vor allem aufgrund der Positionen in der Asylpolitik angespannt. Offizielle Gespräche wie mit anderen Parteien gibt es mit der AfD nicht. Das beklagen die Autoren des Papiers. Sie würden sich Dialog wünschen, allerdings nur auf Augenhöhe, sagte Höcke.

Kritik auch an katholischer Kirche

Die Politiker kritisieren auch die Entscheidung, AfD-Vertreter nicht auf Podien des Evangelischen Kirchentags vom 19. bis 23. Juni in Dortmund einzuladen. Beim Kirchentag 2017 in Berlin und beim Katholikentag 2018 in Münster war anders entschieden worden.

Auch an der katholischen Kirche übten AfD-Politiker Kritik. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, äußere sich politisch ebenfalls einseitig und diskriminiere Anhänger der AfD.

Ein Katholik unter den Vorstellenden

Vorgestellt wurde das Papier von Höcke und den Vorsitzenden der AfD-Landtagsfraktionen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Keiner der Vorstellenden ist nach eigenem Bekunden Mitglied der evangelischen Kirche. Höcke und sein Kollege aus Mecklenburg-Vorpommern, Nikolaus Kramer, sind nach eigenen Worten aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Der NRW-Fraktionschef Markus Wagner gehört demnach der katholischen Kirche an.