Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Volksverhetzung

AfD-Sympathisanten drohen Bambergs Erzbischof mit Mord

Die Morddrohungen von AfD-Sympathisanten gegen Erzbischof Ludwig Schick erfüllen nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Bamberg den Tatbestand der Volksverhetzung. Ein Behördensprecher sagte am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur, man habe ein Verfahren wegen Volksverhetzung und Beleidigung eingeleitet. Der Erzbischof erfährt derweil breite Solidarität – unter anderem von der Stadt Bamberg sowie vom münsterschen CDU-Politiker Ruprecht Polenz.

Schick hatte Ende Oktober gesagt, zwar sehe er „derzeit keine gesellschaftliche Mehrheit“ dafür, einen Muslim zum Bundespräsidenten zu wählen. Wenn aber die Bundesversammlung einen Menschen islamischen Glaubens mit Mehrheit wählen würde, würden ihn „natürlich“ auch die Kirchen akzeptieren.

Hasswelle im Internet

Erzbischof Ludwig Schick | Foto: Michael Bönte
Erzbischof Ludwig Schick | Foto: Michael Bönte

„Kirche: Muslimischer Bundespräsident denkbar“, hatte daraufhin die AfD bei Facebook gepostet – mit einem Bild von Schick. In den Internet-Kommentaren brach eine Hasswelle los. Von „Pfaffengesindel“ war die Rede, das liquidiert werden solle. Es gab Mordaufrufe.

Schick erfuhr im Internet – außerhalb rechtspopulistischer Seiten – aber auch Solidarität. Der münstersche CDU-Politiker Ruprecht Polenz sprach von „infamer AfD-Propaganda“.

Bürgermeister sieht „freiheitlich-demokratische Grundordnung angegriffen“

Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und weitere Vertreter der Stadt erklärten, durch die Hasstiraden der AfD und ihrer Sympathisanten werde nicht nur der Erzbischof, „sondern auch die freiheitlich-demokratische Grundordnung angegriffen“. Eine solche Erklärung einer Stadtverwaltung ist bundesweit einmalig.

Auf die Frage, ob ein Christ guten Gewissens AfD wählen könnte, hatte zuletzt die westfälische evangelische Präses Annette Kurschus im Interview mit der Neuen Westfälischen geantwortet: „Ich könnte es nicht.“