Christliche Initiativen und Verbände unter den Demonstranten

AfD-Treffen in Münster trifft auf tausendfachen Protest

Mehrere tausend Menschen sind in Münster zu einer Demonstration gegen das AfD-Neujahrstreffen im Rathaus von Münster zusammengekommen. Auch christliche Initiativen und Verbände hatten sich der Veranstaltung des Bündnisses „Keinen Meter den Nazis in Münster“ angeschlossen und ihre Mitglieder zur Teilnahme aufgefordert. Auf dem Prinzipalmarkt forderten Vertreter des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Münster die Jugendlichen in den Mitgliederverbänden auf, dem Populismus und der Aggressivität der AfD kritisch und lautstark entgegenzutreten.

Demonstration gegen AfD in Münster
Mehrere tausend Demonstranten waren auf den Prinzipalmarkt in Münster gekommen. | Foto: Michael Bönte

„Kinder und Jugendliche wollen in einer Gesellschaft aufwachsen, in der alle friedlich miteinander leben“, sagte Susanne Deusch in ihrem Statement auf der Bühne vor dem Rathaus. Die katholischen Jugendverbände wollten keine Welt, in der es „wieder nationaler werde“, so die Geistliche Leiterin des BDKJ im Bistum. „Wir setzen uns für die Zukunft Europas und dessen Grundsätze ein: Freiheit, Demokratie und Gleichheit.“

„AfD ist gefährlich“

Die katholischen Jugendverbände legten viel Wert auf Demokratie und Mitbestimmung, sagte Deutsch. „Jeder kann sich einbringen – egal welcher Herkunft, welchen Alters oder welcher Religion.“ Im christlichen Glauben sei jeder Mensch gleich viel wert – unabhängig etwa von Geburtsort und Hautfarbe. Deshalb sei es logisch, dass der BDKJ an dieser Stelle laut werden müsse. Denn die AfD breche mit ihrem Populismus und ihrer Aggressivität Tabus, schließe Minderheiten aus und leugne den Holocaust. „Wir finden das Verhalten nicht nur zweifelhaft, sondern gefährlich.“

Susanne Deusch ud Marcel Schlüter
Susanne Deusch und Marcel Schlüter vom BDKJ positionierten sich auf einer Bühne vor dem Rathaus gegen die Politik der AfD. | Foto: Michael Bönte

Bereits vor der Demonstration hatten das katholische Stadtdekanat, die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) und der evangelische Kirchenkreis zu einem Friedensgebet in die Stadt- und Marktkirche St. Lamberti eingeladen. Stadtdechant Jörg Hagemannn erinnerte dabei an den Jahrestag der Hinrichtung der Geschwister Scholl vor genau 76 Jahren, am 22. Februar 1943. „Leistet Widerstand“, wiederholte er Worte aus den Flugblättern der Widerstandsgruppe im Nationalsozialismus.

Friedensbotschaft

Die Demonstration unweit der Kirche zeige, dass viele Bürger heute einem solchen Aufruf folgten und damit ein wichtiges Zeichen setzten, sagte Hagemann: „Für ein friedliches Miteinander und eine vielfältige und bunte Welt.“ Er rief dazu auf, die „unfassbar große Botschaft des Friedens“ in die Welt hineinzurufen. „In eine Welt, in der Politiker das Denkmal für die ermordeten Juden Europas als Denkmal der Schande bezeichnen“ und „in eine politische Wirklichkeit, in der Hitler und die Nazis als ein Vogelschiss in der 1000-jährigen Geschichte Deutschlands beschrieben wurden“.

Stadtdechant Jörg Hagemann
Stadtdechant Jörg Hagemannn beim Friedensgebet in der Stadt- und Marktkirche St. Lamberti. | Foto: Michael Bönte

Denn an diesen Beispielen werde deutlich, dass die fundamentalen Werte von Frieden, Gerechtigkeit und Menschenwürde gefährdet seien, sagte Hagemann. Für Christen sah Hagemann darin den Auftrag, sich wieder deutlicher für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Auch das Bekenntnis zu einem einenden Europa gehöre dazu. Die Europafahnen, die an der St.-Lamberti-Kirche und vielen Häusern des Prinzipalmarkts wehten, seien wichtige Zeichen dafür.

Bereits 2017 hatten 10.000 Menschen auf dem Prinzipalmarkt in Münster gegen das damalige Neujahrstreffen der AfD demonstriert. Redner auf der diesjährigen Veranstaltung im Rathaus ist neben anderen der AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen.