Auf hinduistische Trauerfeier folgt am Freitag ökumenischer Gedenk-Gottesdienst

Ahaus nimmt Abschied von getöteter Flüchtlingshelferin

Ahaus nimmt Abschied von Soopika P.. Dort, wo die 22-Jährige am frühen Samstagmorgen niedergestochen wurde, werden noch immer Blumen und Kerzen niedergelegt. Am Dienstagabend kamen 200 Menschen auf den Ahauser Rathausplatz, um gemeinsam an die Verstorbene zu denken. Bei der hinduistischen Trauerfeier auf dem Friedhof am Mittwochnachmittag waren es noch wesentlich mehr. Mehrere hundert Ahauser, Freunde und Verwandte waren gekommen, um sich von der Verstorbenen zu verabschieden.

Die 22-jährige Soopika P. war ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe der Caritas tätig. Unter Tatverdacht steht laut Staatsanwaltschaft Münster ein nigerianischer Asylbewerber. Auf Initiative der Caritas wird es am Freitag einen ökumenischen Gedenk-Gottesdienst geben. „Uns ist es wichtig, in dieser Situation Räume zu schaffen zum Schweigen, Klagen und u m Solidarität zu zeigen“, sagt Schwester Martina Küting, die den Gottesdienst mit organisiert.

Nigerianer leitet Gedenk-Gottesdienst

Sie leiten am Freitag den Gedenk-Gottesdienst in Ahaus: (von links) Schwester Martina Küting, Kaplan Thaddeus Eze und Pfarrer Olaf Goos.Sie leiten am Freitag den Gedenk-Gottesdienst in Ahaus: (von links) Schwester Martina Küting, Kaplan Thaddeus Eze und Pfarrer Olaf Goos. | Foto: Martin Schmitz

Von der evangelischen Gemeinde gestaltet Pfarrer Olaf Goos den Gedenk-Gottesdienst mit. Auch im Team ist der Kaplan der Pfarrei St. Mariä Himmelfahrt, Thaddeus Eze. Eze ist gebürtiger Nigerianer. Genau wie der Tatverdächtige.

„Für mich stand die Verantwortung von Kaplan Eze für den Gedenkgottesdienst außer Frage“, sagt der leitende Pfarrer von St. Mariä Himmelfahrt, Heinrich Plaßmann, auf Anfrage von „Kirche-und-Leben.de“. Eze sei aus dem Seelsorgeteam der Verantwortliche für die Flüchtlingsarbeit. „Er kennt viele Menschen; engagierte Mitbürger wie auch Flüchtlinge.“

„Gewalt hat keine Hautfarbe“

Kaplan Eze antwortet auf die Frage, ob er Bedenken habe, dass ausgerechnet er den Gottesdienst leite: „Gewalt hat keine Herkunft und keine Hautfarbe.“ Es sei falsch, sich jetzt zurückzuziehen, nur weil der vermutete Täter zufällig auch Nigerianer sei.

Gleichzeitig haben sowohl Schwester Martina als auch Thaddeus Eze in Gesprächen mit Flüchtlingen  erfahren, dass diese große Angst hätten, nun unter Generalverdacht gestellt zu werden. „Bei vielen kommen jetzt die eigenen schrecklichen Erlebnisse wieder hoch“, berichtet die Ordensschwester.

Kaplan: Afrikaner sind verunsichert

Kaplan Eze hat in den letzten Tagen viel mit Afrikanern aus der Umgebung gesprochen. Auch mit denen, die schon länger in Deutschland wohnen. „Viele sind sehr verunsichert“, beschreibt der Kaplan. Spontan habe er deshalb ein Treffen organisiert, „um ihrem Frust Raum zu geben“.

Schwester Martina zeigt sich bewegt von der großen Anteilnahme, die sie in den vergangen Tagen in Ahaus über alle Nationalitäten, sozialen Schichten und Altersgruppen hinweg erlebt habe. Der Grund dafür liegt für sie auf der Hand: „Mit der Liebe ist es wie mit der Gewalt. Sie kann nicht an einer Gruppe festgemacht werden. Sie spricht alle Sprachen.“

Beisetzung im Familienkreis

Die Beisetzung von Soopika P. wird in den nächsten Tagen im Kreis der Familie stattfinden, berichtet die „Münsterlandzeitung“. Inzwischen sei auch klar, dass der Verdächtige, der am Dienstag in Basel festgenommen wurde, zur zuständigen Staatsanwaltschaft nach Münster ausgeliefert werden kann.

Gedenk-Gottesdienst
Der ökumenische Gedenk-Gottesdienst findet am Freitag um 18.15 Uhr in der St.-Mariä-Himmelfahrt-Kirche statt. Mit Liedern, im Schweigen und im Gebet soll der Verstorbenen gedacht werden. Eingeladen sind alle, die sich Soopika P. verbunden fühlen.