VEREHRUNG

Jesuit und NS-Widerstandskämpfer Alfred Delp soll seliggesprochen werden

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Der Münchner Kardinal Reinhard Marx wird das Verfahren eröffnen. Wie es dann weitergeht und warum die Kirche Delp für verehrungswürdig hält.

Es fehlten nur wenige Wochen bis zum Zusammenbruch des nationalsozialistischen Terrorregimes, doch der Volksgerichtshof machte mit Alfred Delp kurzen Prozess: Dass sich der Jesuit an der Widerstandsgruppe "Kreisauer Kreis" beteiligt hatte, die für einen deutschen Neuanfang nach Hitler plante, machte den 37-Jährigen für die Nationalsozialisten zum Hochverräter. Am 2. Februar 1945 wurde Delp in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

In Vergessenheit geraten ist Delp nie. Seine Texte wirken weiter. In Gottesdiensten und Debatten wird an den mutigen und charismatischen Jesuitenpater erinnert. 

Für christliche Überzeugung ermordet

Nun strebt die katholische Kirche eine besondere Auszeichnung Delps an. Er könnte seliggesprochen werden und damit offiziell als verehrungswürdiges Vorbild im Glauben und als Fürsprecher bei Gott anerkannt werden. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx wird das voraussichtlich mehrjährige Verfahren am 2. Februar in München, dem Sitz der Jesuiten in Zentraleuropa, eröffnen. 

Die Nationalsozialisten hätten Delp wegen seiner christlichen Überzeugung von Freiheit und Menschenwürde als Bedrohung für ihre Ideologie ermordet, sagte Marx am Mittwoch. Das Seligsprechungsverfahren starte daher im Bewusstsein, dass "auch heute die Stimmen wieder lauter werden, die in der Unterdrückung anderer Menschen ein Zeichen von Stärke sehen". Dem stellten sich die Christen entgegen, sagte der Kardinal. "Nicht Gewalt, Hass und Nationalismus machen eine Gesellschaft stark, sondern Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Freiheit."

In dem Festgottesdienst im Münchner Liebfrauendom wird nun ein Leiter des Seligsprechungsverfahrens benannt. Katholiken sind aufgerufen, Informationen zu Delp oder persönliche Erfahrungen nach einem Gebet zu Delp einzusenden. Ein eigener "Gerichtshof" im Erzbistum München wird eine umfassende Seligsprechungs-Akte zusammentragen. Die letztliche Entscheidung über die Auszeichnung Delps liegt dann im Vatikan.

Eintritt in Jesuitengemeinschaft

Delp wurde als Sohn eines protestantischen Vaters und einer katholischen Mutter 1907 in Mannheim geboren. Im südhessischen Lampertheim, wo die Familie ab 1914 wohnte, engagierte er sich in der katholischen Jugendarbeit. Sein Gemeindepfarrer förderte die intellektuelle Begabung des Jugendlichen. Direkt nach dem Abitur trat Delp entgegen den Wünschen seiner Eltern in die Jesuitenordensgemeinschaft ein. Es folgten Studien im In- und Ausland, für einige Zeit war er in der Schwarzwald-Jesuitenschule in Sankt Blasien tätig.

Nachdem ihm die Nationalsozialisten ein Promotionsstudium an der Universität München verweigerten, kam Delp zur NS-kritischen Jesuitenzeitschrift "Stimmen der Zeit". Gleichzeitig stellte er in seinen Predigten der nationalsozialistischen Ideologie seine Vision eines solidarischen Christentums und einer humanen Gesellschaft gegenüber. Delp war zugleich ein scharfer Kritiker einer selbstzufriedenen, verbürgerlichten Kirche. 

Kontakt zum “Kreisauer Kreis”

Vermittelt durch den Münchner Jesuitenleiter Augustin Rösch kam Delp in Kontakt mit dem Kreisauer Kreis. Wie groß sein Einfluss dort war und wie oft er an Treffen teilnahm, bleibt unter Historikern umstritten. Sicher ist, dass Delp kein realpolitisches Programm für die Zeit nach Hitler entwarf, sondern eher Gedanken für die sozialphilosophischen Fundamente eines neuen Deutschlands beisteuerte. Delp hoffte auf einen "Humanismus im Namen Gottes", auf ein Erwachen des Menschen zu seinen Werten.

Nach der Verhaftung Moltkes und vor allem nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 geriet auch Delp ins Visier der NS-Geheimpolizei Gestapo. Weil sich in Stauffenbergs Notizbuch Delps Name fand, wurde er verdächtigt, an der Verschwörung beteiligt gewesen zu sein. Was aktuellen Forschungen zufolge indes nicht der Fall war. 

Am 9. Januar 1945 machte ihm der oberste NS-Richter Roland Freisler wegen Hoch- und Landesverrats den Prozess. Am 11. Januar 1945 verkündete Freisler Delps Todesurteil.

Geistliches Testament

Mit gefesselten Händen verfasste der Pater in den ihm verbleibenden Wochen zwischen Verhaftung und Hinrichtung Briefe, Meditationen und Abhandlungen. Sein geistliches Testament. Sein Glaube und sein tiefes Gottvertrauen blieben bis zuletzt ungebrochen. Als er am 2. Februar 1945 zum Galgen geführt wurde, soll er dem Gefängnisseelsorger zugeflüstert haben: "In einer halben Stunde weiß ich mehr als Sie."

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