Twitter, Kohelet und der heilige Don Bosco

Alles Lüge! Warum Sie pfeifenden Spatzen nicht trauen sollten

Zwitschern heißt auf Englisch „twitter“. Nicht alles, was über den gleichnamigen Online-Nachrichtendienst verbreitet wird, hat mit der Wahrheit zu tun. Ein Jugendseelsorger aus Turin weiß Rat. Sein Name: Don Bosco. Sein Gedenktag: der 31. Januar.

Was für ein Spektakel im Garten! Am hängenden Vogelhäuschen balgen sich Buchfinken, Kohl- und Blaumeisen  um ihre Lieblingskörner, im stehenden Vogelhäuschen nebenan heimsen vornehmlich Amseln, Schwanz- und Sumpfmeisen sowie ab und an ein Buntspecht Leckereien ein, und darunter am Boden picken Rotkehlchen, Spatzen und Tauben nach ihren Spezialitäten. Der Blick aus dem Küchenfenster ist gerade in diesen Wintertagen so spannend, dass mir schon mehrfach die Kaffeekanne übergelaufen ist, als ich sie für die Maschine mit Wasser füllte.

Vor allem der Spatz hat es in diesen Tagen zu erfreulichem Ruhm gebracht, denn bei der jüngsten Wintervogelzählung schubste er gewissermaßen die Kohlmeise von der Dachspitze der heimischen Vogelhäuschen: Der Spatz wurde in nordrhein-westfälischen Gärten am häufigsten gesichtet. Als Grund vermuten die Experten, dass durch das warme und trockene Wetter die Nachwuchs-Spätzchen gut gedeihen konnten. Und wenn wir Menschen etwas dazu beitragen können, dass sie auch gut durch den eiskalten Winter kommen, sollten wir es tun.

Wenn Spatzen den Schnabel nicht halten können

Trotzdem: Nicht alles, was die Spatzen vom Dach pfeifen, ist es wert, beachtet zu werden. Zum einen erklärt die einzige studierte Biologin in der Redaktion, dass Spatzen nicht pfeifen, sondern „tschilpen“. Will sagen: Eine hübsche Melodei zum Nachflöten ist ihre Sache nicht. Sie begnügen sich eher mit einem spatzentypischen Zwitschern. Auf den Punkt: Der Spatz ist ein echter Piepmatz.

Zum anderen besagt die Redensart, dass ein einst gut und sorgsam gehütetes Geheimnis gar keines mehr ist, sondern längst in aller Munde seine Runde macht, weil die Spatzen ihren Schnabel nicht halten konnten.

Was ein Vögelchen geflüstert hat

Doch Vorsicht! Nur weil viele drüber sprechen, muss ein Sachverhalt längst noch nicht richtig sein. Und ob er wichtig ist, das ist noch einmal eine ganz andere Frage. Umso mehr kommt es darauf an, nicht blindlings dem zu trauen, was da lauthals von den Dächern gepfiffen wird oder was einem vermeintlich vertraulich ein noch so hübsches Vögelchen geflüstert hat, sondern sich selber schlau zu machen.

Und umgekehrt tut es not, bei sich selber anzufangen und sich zu fragen: Entspricht eigentlich wirklich der Wahrheit, was ich über andere, ein Ereignis, einen Sachverhalt weitererzähle? „Du sollst nicht lügen“ ist durchaus auch da schon als Maxime angebracht, wo nicht so richtig die ganze Wahrheit im Spiel ist oder das Umfeld nur auf den ersten Blick vertrauenswürdig scheint.

Pfiffiges aus der Bibel

Von dieser Erfahrung spricht denn auch schon das alttestamentliche Buch Kohelet – und dieser Vers dürfte wohl der Ursprung unserer Redensart von den Spatzen auf den Dächern sein: „Nicht einmal in Gedanken schimpf auf den König, nicht einmal im Schlafzimmer schimpf auf einen Reichen; denn die Vögel des Himmels können dein Wort verbreiten, alles, was Flügel hat, könnte die Nachricht weitermelden.“

Einen guten Rat zum Umgang mit all dem Gezwitscher und Getwittere da draußen gibt der Turiner Jugendseelsorger Don Giovanni Bosco (1815-1888), dessen Fest am 31. Januar im katholischen Heiligenkalender steht. Er empfiehlt Christen als Grundhaltung: „Gutes tun, fröhlich sein – und die Spatzen pfeifen lassen.“ Oder alternativ: selber drauf pfeifen.