Martyrium von Christen Thema beim Friedenstreffen

Als Priester in Albanien zum Tode verurteilt

Albanien und Armenien, Ägypten und Äthiopien, das KZ Buchenwald und Russland: Vielfältig sind die Beispiele für das Martyrium von Christen in der Geschichte und Gegenwart. Darum ging es beim Weltfriedenstreffen in Münster in einer Veranstaltung, die Nuntius Nikola Eterovic moderierte.

Ernest Simoni war 1963 schon zum Tode verurteilt worden, er sollte am Galgen erhängt werden. Doch der albanische Priester musste stattdessen Zwangsarbeit leisten, 18 Jahre lang. Anschließend durfte er lediglich als Kanalarbeiter tätig sein. Heute ist Simoni Kardinal in Albanien. Er trat als Zeitzeuge in der Münsteraner Petrikirche auf und berichtete beim Weltfriedenstreffen in einem Podium, in dem es um das Martyrium von Christen ging.

Verurteilt wurde er wegen der angeblichen Unterstützung von US-Präsident John F. Kennedy. Für ihn hatte der Priester gebetet. Seine Haft verbrachte er in einer dreckigen Zelle mit Wanzen. „Ich habe meine Feinde geliebt, wie Jesus es uns gelehrt hat“, blickte der heutige Kardinal zurück. Heimlich nahm er in Haft die Beichte ab, heimlich feierte er Gottesdienst. Arbeiten musste er wie hunderte andere Häftlinge in Bergwerken, 500 Meter unter dem Meeresspiegel. „Gott hat mich gerettet“ stellte Simoni fest. Nachdem der 87-Jährige seine Lebensgeschichte beendet hatte, brandete lang anhaltender Beifall auf.

„Wo Märtyrerblut vergossen wurde, ist die Kirche lebendig“

Nuntius Erzbischof Nikola Eterovic hatte zu Beginn der Veranstaltung erklärt, eine Kirche ohne Märtyrer sei eine Kirche ohne Christus. „Wo Märtyrerblut vergossen wurde, ist die Kirche lebendig“, sagte Eterovic. Es sei ein hoher Anspruch, der an das Leben der Christen gestellt werde, wenn sie den Geschmack des Evangeliums bewahren wollten.

Auf das Schicksal ermordeter Christen in Äthiopien während des italienischen Faschismus wies Ian Campbell von der Universität Addis Abeba hin. Es habe Massaker an der Zivilbevölkerung gegeben, zum Teil sei Haut bei lebendigem Leib abgezogen worden. Männer, Frauen und Kinder seien ermordet worden. Dabei seien die Besatzer katholisch gewesen. Als Lehre stellte Campbell heraus, dass zu verurteilen sei, wenn der Glaube zu politischen Zwecken verwendet werde.

„Martyrium braucht wahren Glauben“

Über die Verfolgung der koptischen Christen sprach der orthodoxe Bischof Anba Epiphanios. Er erinnerte an die Tötung von 21 Kopten in Libyen im Februar 2015, „nur weil sie Christen waren“ und erwähnte auch die Anschläge auf Kirchen in den ägyptischen Orten Tanta und Alexandria. „Martyrium im Namen Christi braucht wahren Glauben, nicht viele theologische Kenntnisse“, sagte der Bischof.

Gennadij, orthodoxer Bischof in Russland, erinnerte an die Verfolgung von Christen während des militanten Atheismus der Sowjetherrschaft im 20. Jahrhundert. Ihr Heldentum sei vor den Blicken von Menschen versteckt geblieben, aber von Gott anerkannt worden.

Der Prediger von Buchenwald wurde 1939 umgebracht

Die Vernichtung von Christen im Nahen Osten thematisierte der armenisch-orthodoxe Bischof Hovakim Manukyan, Primas von Großbritannien. „Christliche Märtyrer sind sicher, dass Gott sie nie alleine lassen würde“, sagte er. Zu verurteilen sei jedwede Manipulation der Religion durch die Politik.

Karl-Adolf Schneider brachte das Schicksal seines Vaters Paul in Erinnerung, eines evangelischen Pfarrers, der auch „der Prediger von Buchenwald“ genannt wird. Er wurde am 18. Juli 1939 im KZ Buchenwald vom Lagerarzt mit einer Spritze ermordet, weil er sich nicht dem Unrecht und der Gewalt des NS-Staates beugen wollte. 200 Pfarrer hätten im Talar an der Beerdigung in einem Hunsrück-Dorf teilgenommen, sagte Schneider, der sich sicher war, dass sein Vater angesichts der heutigen Situation gegen die Lagerung von Atomsprengköpfen in Deutschland demonstriert hätte.