Unternehmertreffen des Bistums in Münster

„Alternative Fakten“: Wird Wahrheit im Internet zur Handelsware?

Regeln für den sich wandelnden Umgang mit Inhalten im Internet haben die Medienfachleute Gabor Steingart und Benedikt Hüffer am Mittwochabend beim Unternehmertreffen des Bistums Münster in der Akademie Franz-Hitze-Haus in Münster gefordert. Thema der Diskussion war „Alternative Fakten? Wahrheit und Reputation im Internetzeitalter“. Den Begriff „Alternative Fakten“ prägte Kellyanne Conway, Beraterin von US-Präsident Donald Trump.

Der Journalist Gabor Steingart, Herausgeber der Zeitung „Handelsblatt“, warnte, Wahrheit sei dabei, „zur Handelsware zu verkommen“. Im Internet werde sie als Rohstoff betrachtet, der gestaltbar sei und „von Anfang an Interessen zu dienen“ habe.

Mediale Parallelgesellschaft

Im Netz habe sich eine mediale Parallelgesellschaft etabliert, in der „auf Teufel komm raus“ diffamiert, gehetzt, gelobt und geworben werde. Steingart kritisierte, mit Falschmeldungen werde ein großes Geschäft gemacht: „Facebook, eine Haupt-Anlaufstelle für Falschmeldungen, macht damit 10 Milliarden US-Dollar Gewinn im Jahr.“

Der Wirtschaftsjournalist warnte, die mediale Parallelwelt könne auch „eine politische Parallelwelt“ schaffen. Regeln für die digitale Zeit wären nötig, meinte er: „Wir müssen aufwachen, umdenken und unser unternehmerisches Handeln verändern, denn es bedarf eines Willens zur Wahrhaftigkeit.“ Man dürfe nicht mit Kinderaugen auf die digitale Zeit schauen – aber sie ebenso wenig verdammen.

Köster: Gerüchten mit Fakten begegnen

Auch Benedikt Hüffer, geschäftsführender Gesellschafter der Mediengruppe Aschendorff in Münster und Präsident der Industrie- und Handelskammer Nordwestfalen, mahnte „Bewusstseinsbildung“ an. Es brauche Mut, auch bei Politikern, sich des Themas anzunehmen. Hüffer forderte rechtliche Regeln „gegen die Ausbeutung von Internet-Inhalten durch Mega-Unternehmen wie Google“.

Generalvikar Norbert Köster betonte, Gerüchten und Hasskampagnen müsse man möglichst schnell mit Fakten begegnen. Das Bistum Münster versuche, verstärkt medial zu verdeutlichen, was katholische Kirche sei und wo sie aktiv werde. Bei aller Kritik: In den Sozialen Medien sah Köster aber auch eine „Chance zur Gemeinschaftsbildung und Identitätsstiftung mit der Kirche“.