Über 70.000 Feuer wüten in der „Lunge der Erde“

Amazonas-Waldbrände: Bischöfe appellieren an Weltgemeinschaft

Der Lateinamerikanische Bischofsrat CELAM hat Brasilien und Bolivien sowie die internationale Gemeinschaft angesichts der Amazonas-Waldbrände zum Handeln aufgerufen. „Wir fordern die Regierungen der Amazonas-Länder, insbesondere Brasilien und Bolivien, die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft auf, ernsthafte Maßnahmen zum Schutz der Lunge dieser Erde zu ergreifen“, heißt es in einer Erklärung.

Zudem brachten die Bischöfe ihre Solidarität mit den indigenen Völkern zum Ausdruck, die in den betroffenen Gebieten lebten. Solidarität und schnelle Hilfe der Weltgemeinschaft seien notwendig, um die Zerstörung zu stoppen.

Bolsonaro räumt mögliche Beteiligung von Landwirten ein

In Teilen des Regenwaldes von Brasilien und Bolivien wüten derzeit über 70.000 Brände – die schwersten seit Jahren. Die genauen Ursachen der Feuer sind noch unklar. Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hatte zunächst Umweltschützer dafür verantwortlich gemacht. Inzwischen räumte er laut Medienberichten ein, Landwirte könnten sie illegal gelegt haben. Umweltschützer hatten dies ebenfalls als Mittel zur Rodung für die Viehzucht vermutet.

Der französische Präsident Emmanuel Macron nannte die Brände eine „internationale Krise“, über die er beim G7-Gipfel am Wochenende in Biarritz sprechen wolle. Bolsonaro wies die Äußerungen als „kolonialistisch“ zurück.

„Adveniat“ kritisiert Bolsonaro - und Europa

Das Lateinamerika-Hilfswerk „Adveniat“ nimmt auch Europa in die Pflicht: „Deutschland und die Europäische Union machen sich mit ihrer Unterschrift unter das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten (die Länder Südamerikas, d. Red.) an den verheerenden Waldbränden mitschuldig“,  sagte der Brasilien-Referent von Adveniat, Klemens Paffhausen. „Die versprochenen niedrigeren Zölle auf Importe von Rindfleisch und Soja aus Südamerika führen zu mehr Abholzung und mehr Anbauflächen.“ Paffhausen sieht in einer Stellungsnahme des Hilfswerks grundsätzlich zwei Ursachen für die enorme Zunahme von Waldbränden: „Großgrundbesitzer stecken den Wald gezielt in Brand, und der Regenwald verdorrt seit Jahren.“

Als „reines Ablenkungsmanöver“ bezeichnet  der Experte den Vorwurf Bolsonaros, der weltweite Einsatz für das Amazonasgebiet sei ein neokolonialer Akt. „Ganz im Gegenteil: Bolsonaro und seine Agrarlobby sind gemeinsam mit den internationalen Konzernen die Vertreter des alten kolonialen Denkens, die die Territorien der indigenen Völker reinen Wirtschaftsinteressen opfern“, entgegnet Paffhausen.

(Update 23.08.2019, 11.30 Uhr: Reaktion Adveniat)