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Nach dem „Christopher Street Day“ fuhr ein Auto in eine Menschenmenge. Wie Bischöfe und katholische Stimmen reagieren.
Kirchenvertreter trauern um die Opfer des mutmaßlichen Anschlags im Umfeld des „Christopher Street Days“ (CSD) am späten Samstagabend, 25. Juli, in Berlin. Dabei wurde eine Frau getötet, mindestens 29 weitere teils schwer verletzt.
Erzbischof Heiner Koch reagierte entsetzt. „Wie schrecklich, ein so frohes und bewegendes Fest brutal zu zerstören“, erklärt Koch. In den Sonntagsgottesdiensten werde Fürbitte gehalten für die Betroffenen und ein friedliches Miteinander in der Gesellschaft, kündigt Koch an: „Der Hass darf nicht gewinnen.“
Bischof: Queere bekommen unseren Schutz
Der evangelische Bischof Christian Stäblein erklärt: „Aus einem Tag voller Vielfalt und Liebe wurde eine Nacht voller Entsetzen.“ Gedanken und Gebete seien bei den Angehörigen der Opfer, bei „ihren Familien und bei allen, die vor Ort Angst, Schrecken und Gewalt miterleben mussten“, so der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg.
Am Freitag im Gottesdienst vor dem CSD habe man noch erklärt: „Liebe braucht den Schutz der Gemeinschaft, queer leben und lieben braucht und bekommt den Schutz der Gemeinschaft.“ Stäblein dankte zudem den Einsatzkräften.
Homosexuelle: Jeder Mensch ist Gottes Ebenbild
Die Ökumenische Arbeitsgruppe „Homosexuelle und Kirche“ reagiert „fassungslos“. Als „christliche und queere Organisation stehen wir an der Seite aller Menschen, die sich für Vielfalt, Menschenwürde und ein friedliches Miteinander einsetzen“. Ein Angriff auf den CSD sei „ein Angriff auf das Recht, sichtbar zu sein, frei zu leben und ohne Angst zusammenzukommen“.
Der christliche Glaube erinnere daran, „dass jeder Mensch nach Gottes Ebenbild geschaffen ist und unveräußerliche Würde besitzt. Diese Würde kann niemand durch Hass oder Gewalt nehmen“, heißt es in einer Mitteilung.
#OutInChurch: Lasst uns füreinander einstehen
Steffen Schille, Vorstand der Gruppe, betont: „Wir beten für Heilung, Trost und Kraft. Unsere Haltung bleibt: Für Liebe statt Hass. Für Vielfalt statt Ausgrenzung. Für Hoffnung statt Angst.“
Die Initiative #OutInChurch erklärt: „Lasst uns gemeinsam dafür einstehen, dass Hass, Gewalt und Menschenverachtung nicht das letzte Wort haben. Lasst uns füreinander einstehen und Haltung zeigen. Denn queere Sichtbarkeit darf niemals dazu führen, um die eigene Sicherheit fürchten müssen.“
BDKJ-Verbände an Parade beteiligt
Auch der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) äußert sich „entsetzt und traurig“. In Sozialen Medien schreibt der Jugend-Dachverband: „Wir zünden eine Kerze an und beten für alle, die von der schrecklichen Tat betroffen sind.“ Über seinen Diözesanverband Berlin und andere Verbände war der BDKJ selbst an der CSD-Parade beteiligt.
Während der Feier im Anschluss fuhr ein Auto in die Menschenmenge am Berliner Park Tiergarten. Es sollen auch Stichwaffen eingesetzt worden sein. Die Polizei geht derzeit von einem Anschlag aus und fahndet öffentlich nach dem Tatverdächtigen Abdul B.
Fahndung nach möglichem Täter
Der 21-Jährige sei polizeibekannt und werde der islamistischen Szene zugerechnet. Ob er das Auto gefahren hat, stand zunächst nicht fest.
Am CSD in Berlin nahmen mehrere hunderttausend Menschen teil, Angehörige der queeren Community und andere. Die Parade ist ein Zeichen für die Sichtbarkeit queerer Menschen und tritt für deren Rechte ein.
Merz, Dobrindt, Wegner reagieren
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nennt die Tat in Sozialen Medien einen „Angriff auf unsere Gesellschaft“: „Hunderttausende Menschen aus aller Welt feierten friedlich beim Christopher Street Day. Sie wollten, dass wir gut und tolerant miteinander umgehen.“
Merz kündigt an, die „abscheuliche Tat“ werde aufgeklärt: „Wir sind offen und freiheitsliebend – und das werden wir auch bewahren und verteidigen.“
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärt: „Diese feige, abscheuliche Attacke auf friedlich feiernde Menschen erschüttert mich zutiefst.“ Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), sprach vor Journalisten von einem „Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft“.
Steinmeier: Angriff auf unsere Art zu leben
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte: „Wir alle sind erschüttert und entsetzt über den mutmaßlichen Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin, bei dem hunderttausende Menschen aus aller Welt friedlich und fröhlich feiern wollten und ein Zeichen setzen für Toleranz und Vielfalt, für ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben.“
Die Tat sei ein Angriff auf „unsere Art zu leben und zusammenzuleben“. Seine Gedanken seien bei den Opfern und ihren Angehörigen. Steinmeier äußerte sich in Hamm beim Großen Tempelfest der Hinduistischen Gemeinde in Deutschland.
Update 12.30 Uhr: Reaktion Arbeitsgruppe "Homosexuelle und Kirche". 13.50 Uhr: Reaktion #OutInChurch, 17 Uhr: Zahl der Verletzten.