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Warum die Initiative queerer Menschen in der katholischen Kirche die Bekundungen nach der Tat von Berlin nicht klar genug findet.
Nach dem mutmaßlich islamistischen Angriff auf den „Christopher Street Day“ (CSD) in Berlin kritisiert die katholische Initiative #OutInChurch die ihrer Ansicht nach unzureichenden Reaktionen aus Kirche und Politik. „Ein Angriff auf einen CSD ist ein Angriff auf queere Menschen, die für ihre Würde, ihre Freiheit und ihre Sichtbarkeit einstehen“, erklärt der Vorstand der Initiative. Es habe aber Reaktionen gegeben, die „die queere Community nicht einmal klar benennen“.
„Mit großer Enttäuschung“ nehmen die queeren Gläubigen wahr, dass „viele Verantwortliche unserer katholischen Kirche, Bischöfe und andere Leitungspersonen, erneut schweigen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, fehlt ein klares Wort der Solidarität mit queeren Menschen.“
„Schweigen ist nicht neutral“
Dieses Schweigen sei „nicht neutral“. Es vermittle „vielen Betroffenen einmal mehr den Eindruck, dass ihre Angst, ihre Würde und ihr Leben nicht die gleiche Aufmerksamkeit verdienen wie die anderer“.
Das Schweigen „manifestiert die kirchliche Ablehnung queeren Lebens und bereitet in der Kombination mit christlich-fundamentalistischen Positionen letztlich auch den Nährboden für Angriffe auf die LGBTIQA+-Community“, erklärt #OutInChurch: „Solidarität darf sich nicht in allgemeinen Floskeln erschöpfen.“
Kritik an Politikern und ihrer Sprache
Auch politische Reaktionen kritisiert der Zusammenschluss queerer Menschen: „Wer als Politiker*in gleichzeitig queeren Projekten die Mittel kürzt bzw. streicht, Schutzstrukturen abbaut oder queere Lebensrealitäten lächerlich macht und beleidigt, sollte sich fragen, welchen Anteil die eigene Sprache und Politik am gesellschaftlichen Klima hat.“ Wer Menschen unsichtbar mache, verletze sie erneut.
„Als queere Katholik*innen erwarten wir mehr von der Politik und von unserer Kirche: den Mut, queere Menschen beim Namen zu nennen, ihre Lebensrealität ernst zu nehmen und sich konsequent gegen Queerfeindlichkeit einzusetzen“, führt die Initiative aus.
Zugleich warnt sie vor der Instrumentalisierung der Tat. Wer sie nutze, um „eigene Feindbilder zu bedienen oder gesellschaftliche Gruppen gegeneinander auszuspielen“, missbrauche das Leid der Betroffenen. Bei ihnen, ihren Angehörigen und allen, die „Angst erleben mussten“, seien die Gedanken von #OutInChurch.
Queerbeauftragter und ZdK reagieren
Nach dem Berliner Anschlag sieht der Queerbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Weihbischof Ludger Schepers, die Vielfalt in der Gesellschaft bis ins Mark erschüttert: „Wo Vielfalt angegriffen wird, ist die Menschenwürde verwundet.“
Die unantastbare Würde des Menschen sei bei dem Attentat bis aufs Äußerste verwundet worden: „Jegliche Gewalt gegen Menschen widerspricht diesem Grundsatz und muss entschieden verurteilt werden“, erklärte Schepers am Montag, 27. Juli. „Jeder Anschlag, der Menschen auseinanderreißen will, erinnert uns daran, diese, unsere Vielfalt umso entschlossener zu bewahren.“
Als Queerbeauftragter der DBK trete er weiter für eine zugewandte Gemeinschaft und ein tolerantes Miteinander unter den Menschen ein. In seinen Gedanken und Gebeten sei er bei den Opfern und verletzten Menschen.
Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, erklärte am Montag: „Dieser abscheuliche Angriff galt gezielt der queeren Community. Queere Menschen müssen weiterhin um ihre Sicherheit fürchten, wenn sie sich offen zu ihrer Liebe und Identität bekennen. Das ist unerträglich.“
Mit Trauer, Erschütterung und tiefer Sorge um das gesellschaftliche Miteinander habe sie die Nachrichten vom Anschlag verfolgt, so Stetter-Karp. „Ich bin in Gedanken und im Gebet bei der Verstorbenen, den Verletzten und bei den Angehörigen.“ | KNA, jjo