Gemeinsame Erklärung der Religionen in Marl

Anschlag von Halle: Christen, Juden und Muslime halten zusammen

Nach dem versuchten Anschlag auf eine Synagoge in Halle an der Saale am Mittwoch rufen Christen, Juden und Muslime am Nordrand des Ruhrgebiets dazu auf, Hass zu überwinden. In einer gemeinsamen Erklärung verweisen sie auf die Arbeit der Christlich-Islamischen Arbeitsgemeinschaft Marl seit 1984 und auf das jährliche „Abrahamsfest“ der dortigen Juden, Christen und Muslime seit 2001.

„Wir bemühen uns um Besinnung, gute Nachbarschaft, Respekt und Zusammenarbeit, mit vielen besonnenen Menschen“, heißt es in der Erklärung. „Daran halten wir fest.“

Religionsvertreter: Hass in Deutschland erfüllt sogar Parlamente

Zugleich zeigen sich die Sprecher der drei Religionen erschüttert von dem Anschlag. Mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Tendenzen schreiben sie: „Längst sind die hasserfüllten Worte auch hierzulande unerträglich. Sie erfüllen sogar Parlamente. Worte führen zu Taten. Das sollte uns alle erschrecken und warnen – erst recht vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte.“

In Halle waren am Mittwoch während eines Gottesdienstes zum jüdischen Feiertag Jom Kippur nahe einer Synagoge zwei Menschen erschossen worden. Der mutmaßliche Täter soll versucht haben, in die Synagoge einzudringen, was ihm misslang. Er wurde inzwischen festgenommen. Nach Erkenntnissen der Polizei handelte er aus antisemitischen und rechtsextremen Motiven.

Erschreckende „Botschaften“

„Jom Kippur ist ein Tag des Fastens, der Besinnung und Versöhnung“, erinnern die Marler Religionsvertreter in der Erklärung. Angesichts eines Bekennervideos des mutmaßlichen Täters im Internet heißt es weiter, seine „Botschaften“ unter anderem gegen Juden würden zutiefst erschrecken.