Benediktinerpater spricht vor 1.000 Zuhörern in Löningen

Anselm Grün: Gier macht den Menschen kaputt

Raffgier, Profitgier, sexuelle Gier und Kommunikationsgier: Anselm Grün, Pater der unterfränkischen Benediktinerabtei Münsterschwarzach, sind alle Formen begegnet: „Gier bestimmt viel zu sehr unser Leben“, sagte der 71-Jährige vor fast 1.000 Menschen in der St.-Vitus-Kirche am Freitagabend (04.11.2016). Eingeladen zu dem Vortrag hatte das Löninger Sozialforum. Das teilte die Pressestelle des Bischöflich Münsterschen Offizialats Oldenburg am Samstag (05.11.2016) mit.

Das Wissen um negative Auswirkungen der Gier sei nicht neu, so Grün. Schon im Alten und Neuen Testament werde vor der Gier gewarnt, im Buddhismus gelte Gier als die Wurzel allen Übels. Und auch die alten Griechen hätten gewusst, dass Gier die Gemeinschaft zerstöre.

Der Gierige spürt sich nicht

Der gierige Mensch sei unfähig zu genießen und habe keine Beziehung zu seinem Körper, sagten Psychologen. Der Gierige verliert die Beziehung zu sich selber, warnte Grün. Gierige Menschen meinten, nur durch noch mehr Haben lebendig zu werden. „Doch das Haben verstellt das eigene Sein und so spürt der Gierige sich selber nicht und kann das Leben nicht genießen“, warnte der Benediktinerpater, der bundesweit als Lebensberater und Managertrainer unterwegs ist. Macht könne etwas positives sein, doch Machtgier sei negativ. Der Gierige spüre sich selber nicht. Doch nur, wer mitfühlen könne, fühlt sich eins. Gierige Menschen kämen nie Ruhe, sie fänden nicht ihre Mitte und „gehen über Leichen, weil sie kein Gespür für andere Menschen haben“, berichtete der Buchautor.

Das Löninger Sozialforum: Dahinter stehen die Ortsverbände des Kolpingwerkes, der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) und der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands. Im Rahmen der Bewegung „Wandelherz“ versuchen sie und andere katholische Verbände im Oldenburger Land, die Herzen der Menschen zu wandeln: Weg von Geiz, Habsucht und Rücksichtslosigkeit hin zu Gerechtigkeit, Maß und Rücksichtnahme.

Um der Gier begegnen zu können, müsse man sie sich erst einmal eingestehen und dann verwandeln in Dankbarkeit, beispielsweise für ein gutes Gespräch, für die Gesundheit oder die Natur. Man könne sie auch verwandeln in Lebensfreude, in Gelassenheit, Solidarität und Mitgefühl mit anderen Menschen. Gierige müssten sich fragen, ob es sie wirklich glücklich mache, wenn sie alles hätten, was sie haben wollten. Gierige sollten sich fragen, wo das Leben fließe. Das erlebe man nicht durch einen großen Besitz, sondern durch das Menschsein, betonte Grün.

Nicht aus allem einen Vorteil ziehen

Dabei sei es gut und wichtig, zur Ruhe zu kommen. Nicht jede Situation müsse „etwas bringen“, man müsse nicht aus jeder Situation einen Vorteil ziehen wollen, erst recht nicht gegenüber Freunden. Er kenne Menschen, die gierig seien, damit sie ihren Kindern viel vererben können, sagte Grün. Doch etwas mit kalten Händen zu geben, etwa als Erbe, schaffe oft Zwietracht unter den Erben. Besser, man gebe etwas mit warmen Händen. Das schaffe Beziehung.