Darstellung aus dem 13. Jahrhundert

Antijüdisches Relief in Münsters Dom wird nun erläutert

Ein neue theologische und kunstgeschichtliche Interpretation klärt über ein Marienrelief im Dom in Münster auf. In dem Relief aus dem 13. Jahrhundert ist zu sehen, wie Juden und Heiden symbolisch unterdrückt werden.

Im Eingangsbereich des St.-Paulus-Doms in Münster, dem genannten Paradies, ist die thronende Gottesmutter Maria dargestellt, die das Christuskind auf dem Schoß trägt. Unter ihren Füßen sind zwei kleine Gestalten zu sehen, die Judentum und Heidentum symbolisieren. In der Darstellung werden sie niedergedrückt, ja unterworfen.

„Nicht nur, dass in dieser Darstellung der gottesfürchtige Jude mit dem nichtglaubenden Heiden auf eine Stufe gestellt wird“, sagte der münstersche Dompropst Kurt Schulte am Donnerstag vor Journalisten. „Nein, es kann so gedeutet oder verstanden werden, dass es erlaubt ist, das Judentum und jeden Nichtglaubenden zu verachten oder zu unterdrücken.“

Fundamental gegen christliche Überzeugung

Diese theologische Auffassung sei falsch und widerspreche „fundamental der christlichen Grundüberzeugung“, sagte Schulte. Zusammen mit dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Münster, Sharon Fehr, dem Vorsitzenden der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster, Ferdinand Schumacher, und Domkustos Udo Grote nahm Schulte eine kunsthistorische und theologische Deutung des Kunstwerks aus dem 13. Jahrhundert vor.

„Eine solche Darstellung in unserem Dom darf nicht unkommentiert bleiben. Es gilt, jedem Missverständnis vorzubeugen“, sagte Schulte. Aus diesem Grund habe das Domkapitel auf Anregung der Jüdischen Gemeinde und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit eine vierseitige Interpretation des Kunstwerks vorgenommen, um auch das heutige Verhältnis der Kirche zum Judentum darzulegen.

Lob für Aufarbeitung

In der theologischen Erklärung verweist Schumacher auf die mittelalterliche Vorstellung der Kirche, dass Juden als Knechte anzusehen seien. In der Zeit der Entstehung des Reliefs im 13. Jahrhundert seien „Juden nur als Bürger zweiter Klasse geduldet worden“. Es habe daher Verdächtigungen, Hetzjagden und Vertreibungen gegeben. Erst im Zweiten Vatikanischen Konzil habe die Kirche ihr schwieriges Verhältnis zu den Juden revidiert.

Die Aufarbeitung des kirchlichen Antijudaimus begrüßte Sharon Fehr ausdrücklich: „Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Geschichte ist notwendig, weil sich dadurch Haltungen ändern.“ Das Domkapitel habe in angemessener Form auf die schwierige Darstellung hingewiesen und mit der Interpretation zur Aufklärung beigetragen.

Nach Auskunft von Domkustos Grote wird im St.-Paulus-Dom ein QR-Code angebracht, mit der Nutzer eines Smartphones eine Erklärung des Marienreliefs erhalten.