Dokument gesteht Mängel im Umgang mit jungen Menschen ein

Arbeitspapier zur Jugendsynode: Kirche äußert Selbstkritik

Das Arbeitsdokument für die im Oktober im Vatikan geplante Bischofssynode über Jugend und Kirche gesteht Mängel im Umgang mit jungen Menschen ein. Ortskirchen hätten oft „Mühe, den Kontext und die Kultur zu lesen, in der die Jugendlichen leben“, heißt es in dem am Dienstag im Vatikan veröffentlichten Dokument. Danach betrachten einige Kirchen Ideen und Lebensformen junger Menschen nicht als vielversprechende Neuheit, sondern als beklagenswerten Sittenverfall.

Die Kirche müsse junge Menschen in ihrer Hinwendung zu Sexualität und Emotionalität verstärkt auf die Bedeutung der Unterschiede zwischen den Geschlechtern aufmerksam machen, heißt es in dem Dokument angesichts der Abwendung auch junger Katholiken von der katholischen Sexualmoral. Dabei müsse die Kirche auch kontroverse Themen wie Homosexualität und Gender-Fragen behandeln. Das Vatikan-Dokument verwendet das Kürzel LGBT für homosexuelle, bi- und transsexuelle Menschen.

Kirche „kein Gesprächspartner“ für Jugendliche

Viele Jugendliche sähen die Kirche nicht mehr als Gesprächspartner an, stellt das Arbeitspapier der vom 3. bis 28. Oktober im Vatikan tagenden Synode fest. Viele Jugendliche wünschten, dass sie die Kirche „in Frieden lasse“. Das gehe oft auf ernstzunehmende Gründe wie Missbrauchs- und Finanzskandale sowie mangelnde Fähigkeiten von Geistlichen zurück, auf Jugendliche sensibel einzugehen.

Ein Thema der Synode soll die Situation von Singles sein. In der Kirche sei es bisher wenig üblich, auf die Lage junger Leute einzugehen, die keine Familie gründen und auch kein Priester- oder Ordensleben beginnen wollen, sagte Kardinal Lorenzo Baldisseri im Vatikan.

Grundlage der Beratungen

Dieses Phänomen nehme zu und sei deshalb in das Dokument eingeflossen. Es gehe darum, „jede Form der Berufung in der Kirche und auf der Welt wertzuschätzen“, so der Generalsekretär der Synode.

Das Papier soll den Bischöfen als Grundlage der Beratungen dienen. Es flossen große Teile aus dem Abschlussdokument eines Treffens von 300 jungen Menschen Ende März in Rom ein. Generell wünschen sich Jugendliche demnach, von der Kirche ernstgenommen und gehört zu werden.

BDKJ: Jugendliche auch tatsächlich beteiligen

An der Synode nehmen vor allem Bischöfe teil. Allerdings sind auch etwa 40 junge Auditoren vorgesehen. Gemäß Synodenstatuten haben diese das Recht, bei der Versammlung zu sprechen, dürfen aber nicht abstimmen.

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) begrüßte das Arbeitspapier. Offen bleibe die Frage, wie Jugendliche an der Synode beteiligt werden sollen. „Wir sind froh, dass die Themen aufgenommen wurden, die junge Menschen bewegen“, sagte der BDKJ-Bundesvorsitzende Thomas Andonie. Dazu zählten etwa die Rolle der Frau in Kirche und Gesellschaft, ein kritischer Blick der Kirche auf sich selbst und das Engagement für benachteiligte junge Menschen.

Mit Blick auf die Beteiligung Jugendlicher sagte BDKJ-Bundespräses Dirk Bingener: „Die Bischöfe sollten sich nicht um die Chance bringen, direkt und auf Augenhöhe mit jungen Menschen zu sprechen.“ Nur im Miteinander von Jüngeren und Synodenvätern könne Neues entstehen.