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Niederländer aus Raesfeld-Erle setzt Talente in der Gemeinde ein

Arthur Vinken: Lektor, Regisseur und Schiedsrichter

Seit 40 Jahren ist Arthur Vinken in vielfältiger Weise in der St.-Silvester-Gemeinde in Raesfeld-Erle aktiv. Der gebürtige Niederländer weiß mit seinen Talenten umzugehen und seine Stimme auch bei den Lesungen einzusetzen.

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Nur ein wenig übertrieben gesagt: Mit seiner Stimme könnte er ohne Megafon ein Fußballfeld beherrschen, wobei ihm auch seine überragende und kräftige Figur mit 1,92 Metern Höhe helfen würde. Seine unübersehbare körperliche Präsenz war ihm  von Nutzen, musste er sich doch in seinen vielen Ehrenämtern durchsetzen. Dazu gehörten unter anderem 34 Jahre lang der Schiedsrichter-Job auf dem überschaubaren Fußballfeld des Vereins Eintracht Erle und eine über 20-jährige Tätigkeit als Regisseur und Schauspieler in der  plattdeutschen Theatergruppe.

Die Rede ist von Arthur Vinken, 65 Jahre alt, Niederländer von Geburt und mit Pass, seit 45 Jahren durch seine Frau Maria ein Deutscher durch und durch.

 

Leiter im Ferienlager

 

In der Erler Kirchengemeinde engagierte er sich jahrelang als Jugendleiter und war stets treibende Kraft beim Aufbau der Jugendarbeit. Regelmäßig fuhr er mit den Jugendlichen ins sauerländische Ferienlager Thülen bei Warstein – er als Lagerleiter und seine Frau als Köchin. Rund 60 Jugendliche hatte er da unter Aufsicht und musste ihnen in deren schwierigem Alter auch was bieten. Das gelang ihm. Mit 30 Jahren legte er dieses Amt nieder, wie er trocken kommentiert: „Mit Dreißig ist man für Jugendliche schon ziemlich alt.“

2006 wurde er mit 55 Jahren in seiner Gemeinde St. Silvester Lektor und Kommunionhelfer. Und wie kam er dazu? Er braucht nicht zu überlegen. „Meine Frau hat mich dazu gebracht“, sagt er und schmunzelt.

 

Wehrdienst bei der Nato

 

Arthur Vinken kam 1971 durch das Militär nach Erle. In der Nato-Raketenstation, die während des Kalten Krieges mit damals noch geheimen Abschussbasen Richtung Osten ausgestattet war, machte Vinken als Wehrpflichtiger Dienst. Da lernte er auch seine Frau Maria aus Erle kennen, die er 1973 heiratete. Wenig später wurde der erste Sohn geboren. Seither ist der ehemalige Soldat ein echter Erler.

Geboren wurde er als neuntes von zehn Kindern in der „katholischen Ecke“ der Niederlande. „Da ich Limburger bin, war ich auch katholisch.“ Seine Familie war kirchlich engagiert, sang im Kirchenchor, und Arthur und seine Geschwister gehörten der Jugendgruppe Don Bosco in Limburg an. Er erlernte nach der Schule das Schlosserhandwerk und leistete seine Wehrpflicht ab. „Von Limburg aus“, erinnert er sich, „war Erle als Militärstandort die nächstgelegene Station.“

 

Zwei Söhne und vier Enkelkinder

 

Daher meldete er sich zur Luftabwehrraketenstation Erle, die damals unter niederländischem Kommando stand. Die Heimfahrten zur Familie nach Limburg wurden weniger, als er seine spätere Frau kennen lernte.

1972 wurde Arthur Vinken beim Militär entlassen. Er arbeitete im Rohrleitungsbau bei Mannesmann, dann wechselte er in die Versicherungsbranche. Die Vinkens haben zwei Söhne und vier Enkelkinder.

 

Integration durch Fußball und Theater

 

Ein Niederländer fasste Fuß in einem kleinen Dorf. Wie gelang ihm das so gut? „Es gab nie Probleme“, sagt er. „Es sind viele Niederländer hier, die als Soldaten kamen, hierbleiben und sich engagieren. Sie sind von der Bevölkerung voll akzeptiert.“ Bei Arthur Vinken halfen noch seine freundliche und zugängliche Art, sein Engagement für die Gemeinde und für die Theatergruppe des Heimatvereins – und vor allem aber der Fußball. „All das machte es mir leicht. Ich war gleich einer von denen.“

Trotz allen Engagements genießt Arthur Vinken sein Rentnerdasein. Die vier Enkelkinder machen ihm Spaß, und regelmäßig geht er mit seinem Hund „Doro“ kilometerweit spazieren. „Das hält uns beide fit.“

 

Samtags lieber Sportschau als Lektorendienst

 

Einmal im Monat spielen er und seine Frau mit Nachbarn Karten. „Man muss Prioritäten setzen“, sagt er. Das habe ihm der Beauftragte des Bischofs für Lektoren und Kommunionhelfer gesagt, als Arthur Vinken es ablehnte, an Samstagen eingeteilt zu werden. Der Beauftragte fragte ihn, warum samstags nicht? Vinken: „Da gucke ich die Sportschau.“

Als Lektor und Kommunionhelfer ist er seit 2006 in der St.-Silvester-Kirche regelmäßig im Dienst. Mit seiner Stimme erfüllt er spielend den Kirchenraum. „Um die Messen als lebendige Gemeinschaft zu feiern, ist das Engagement der Laien wichtig“, sagt er. Dazu gehörten Lektoren und Kommunionhelfer, aber auch Liturgiekreise, Kirchenmusiker und Chöre.

Was  ist nach so vielen Jahren der ehrenamtlichen Mitarbeit in der Gemeinde sein Fazit? „Fröhlichkeit ist immer dabei. Sich freuen ist wichtig und immer gut, auch im Glauben und in der Kirche.“ Sagt es – und lacht.

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