Reformbewegung hat eine Frau im Sprecher-Team

Astrid Brückner ist neue Sprecherin des Freckenhorster Kreises

Achtsamer Umgang mit Sprache ist Astrid Brückner wichtig. „Umsonst heißt es nicht Wortschatz“, erklärt sie. Anfang Oktober ist die in Herne lebende 53-Jährige zur neuen Sprecherin des Freckenhorster Kreises (FK) berufen worden. Als Dritte im Bund mit den beiden langjährigen Bevollmächtigten: den Pfarrern Ludger Erns­ting und Ludger Funke. Nach vielen Jahren ist damit wieder eine Frau und Nicht-Theologin im Sprecherteam der Reforminitiative, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feierte.

32 Jahre lang hat die Beamtin bei einer Sozialbehörde gearbeitet: „Dabei habe ich gesehen, wie sehr Arbeitslosigkeit, Geldmangel und Wohnungsnot Menschen bedrücken.“ Für Brückner muss auch wegen dieser Erfahrungen „Christsein in den Alltag übertragen werden“. Das heißt für sie, „auf Menschen zuzugehen, die am Rand leben und vielleicht einen höheren Bedarf an Zuwendung haben“.

Sie ist „freiwillig katholisch"

Diese Spiritualität finde sie in der Gastkirche Recklinghausen, in der sie im Gesprächsdienst mitarbeitet und deren Gottesdienste sie ab und zu mit dem Klavier begleitet. „Meine Eltern haben mich getauft. Hier bin ich freiwillig katholisch.“

Durch die Gastkirche und ihren Leiter Ludger Ernsting ist Brückner auch an den FK gekommen. Seit fünf Jahren engagiert sie sich in der Reform­initiative.

Astrid Brückner möchte kämpfen, statt austreten

„Ich brauche meinen Glauben, er tut mir gut. Ich kann mir vorstellen, dass er auch anderen gut tut. Doch die Kirche hat durch Distanz zu den Menschen und ihren Nöten zwei Generationen verloren“, sagt sie. „Viele haben sich für den Austritt entschieden. Ich möchte dafür kämpfen, dass sich etwas ändert.“ Deswegen sei sie im Freckenhorster Kreis.

Allein sei das schwierig. „In der Gruppe kann man es gemeinschaftlich versuchen und bekommt noch Anregungen“, wirbt  sie für die Initiative.  Ein Problem der Kirche sei auch, „dass die Theologen unter sich bleiben und es ihnen nicht gelingt, ihr Fach-Chinesisch für Normalbürger herunterzubrechen. Wenn Kirche in der heutigen Zeit einen Sinn haben will, braucht sie dafür aber Menschen  und nicht nur Theologen. Amtsträger haben in ihr keinen Selbstzweck“, betont sie.

Astrid Brückner will als Nicht-Theologin ein Gegengewicht bilden

Deswegen sei für sie zu Anfang auch ihre neue Funktion als FK-Sprecherin „befremdlich“ gewesen. „Weil ich damit schon auf dem Weg bin, selbst Amtsträgerin zu werden.“ Dann sei ihr klar geworden, „dass es Moderatoren und Moderatorinnen geben muss, die die Meinungen des Teilnehmerkreises zusammenführen“.

Dass sie nicht Theologie studiert hat und von der Basis her kommt, sieht sie „als gutes Gegengewicht“ – auch im Freckenhorster Kreis. Der hatte sich vor 50 Jahren zunächst aus Klerikern und Ordensleuten zusammengesetzt und erst später für sogenannte Laien geöffnet. Ihr Faible für die Sprache wendet sie auch im Umgang mit den Theologen im Kreis an: „Erklären Sie mir doch einmal den Fachbegriff Liturgie“, bittet sie etwa und „dann kommt erst einmal nichts mehr.“

Was bedeutet Amen?

Dass die Kirchensprache oft nicht verstanden wird, hat sie neulich im Gottesdienst erlebt. Da hatte der Pfarrer das Wörtchen „Amen“ im schönsten Ruhrgebiets-Deutsch übersetzt: „Jau, so is es!“, erinnert sie sich. Eine 80-Jährige Frau neben ihr zeigte sich perplex. „Sie hatte bis heute nicht gewusst, was Amen bedeutet.“

Auch der FK leide – wie  die Gesamtkirche – unter einem Mangel an jungen Mitgliedern. „Da geht es uns nicht anders als der Katholischen Frauengemeinschaft oder den Sportvereinen“, gibt sie zu bedenken.  Fragen müssten sich die Engagierten: „Bin ich nur im eigenen Zirkel unterwegs? Oder spreche ich Leute an?“

Neugierige junge Christen

Als Christin sehe sie sich im Wechselspiel mit Gesellschaft und Demokratie. „Wenn Leben Wandel ist, dann unterliegt auch der Glauben dem Wandel.“ Junge Menschen ließen sich jedoch nicht leicht binden, „weil sie durch Studium und Beruf keine Zeit haben“.

Sie habe aber bei den Jubiläumsfeiern zum 50-jährigen Bestehen des FK erlebt, wie neugierig junge Christen auf die Arbeit der Reform-Initiative reagierten. „Wenn Menschen sich über die Kirche aufregen, tun sie das, weil sie ihnen wichtig ist“, sagt sie.