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Geheimtipp Rom: Die Rundgrabstätte war Tier-Arena und Konzertsaal

Augustus - der "Weihnachts"-Kaiser und sein neu eröffnetes Mausoleum

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Wer glaubt, mit dem Petersdom und den großen Kirchen, dem Forum Romanum und dem Künstlerviertel Trastevere alles in Rom gesehen zu haben, der irrt. Kerstin Thiel-Lunghini, Kunsthistorikerin und Stadtführerin, gibt in unserer lockeren exklusiven Serie Einblicke in weniger bekannten Seiten der Ewigen Stadt. Diesmal: Das Mausoleum von Kaiser Augustus. Seit dem 1. März ist es zwar wiedereröffnet worden, doch erst jetzt hat Rom die Lockdown-Bestimmungen so gelockert, dass auch Museen wieder besucht werden können.

Neues aus Rom! Jetzt am 1. März ist das Mausoleum des Augustus nach vielen Jahren wiedereröffnet worden. „Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl gab…“ - wie vertraut ist uns doch der Name dieses Mannes aus der Weihnachtsgeschichte.

Oktavian Augustus, der Adoptivsohn und Erbe Julius Caesars, der nach Jahren des Krieges gegen seine Widersacher den augusteischen Frieden ausrief und der stolz darauf war, während seiner Regierungszeit mehrmals die Tore des Janustempels geschlossen zu haben, was bedeutete, dass nirgendwo im römischen Weltreich Krieg herrschte. Er ist derjenige, der sich zwar als Fürst der Republik bezeichnete, aber tatsächlich in seiner Regierungszeit die Staatsform zum Kaisertum umformte: Augustus war der erste Kaiser Roms.

Größer als die Engelsburg

Er ließ sich vom römischen Senat mit einem Friedensaltar, der Ara Pacis Augustae, feiern und befahl den Bau eines gigantischen runden Grabbaus für sich und seine Dynastie, die nachfolgenden julisch-claudischen Kaiser. Mit fast 90 Metern Durchmesser und ehemals 45 Metern Höhe handelt es sich um den größten Tumulus der römischen Antike. Beeindruckend ist, dass dieses Mausoleum nachfolgend als Maßstab respektiert wurde und Kaiser Hadrian entsprechend sein eigenes Mausoleum (heute die Engelsburg) kleiner als das Augustus-Mausoleum dimensionierte.

Nach der Antike erfuhr das Augustus-Mausoleum vielerlei unterschiedliche Nutzungen: erst Burganlage, dann geheimer Garten bis hin zum offenen Amphitheater für Tierhetzen und Spektakel aller Art. Anfang des 20. Jahrhunderts war das Augustus-Mausoleum mit einer Kuppel überwölbt und diente als Konzertsaal.

Mussolini und Richard Meier

Kerstin Thiel-Lunghini lebt seit langer Zeit mit ihrer Familie in Rom, wo sie als Kunst- und Kultur-Expertin Besuchern etwa unseres Partners Emmaus-Reisen die Ewige Stadt zeigt. | Foto: privat
Kerstin Thiel-Lunghini lebt seit langer Zeit mit ihrer Familie in Rom, wo sie als Kunst- und Kultur-Expertin Besuchern etwa unseres Partners Emmaus-Reisen die Ewige Stadt zeigt. | Foto: privat

Mussolini, in dessen Regierungszeit der 2000-jährige Geburtstag des Augustus fiel, nahm die damit verbundenen Feierlichkeiten im Jahr 1938 zum Anlass das Mausoleum von allen modernen Umbauten zu befreien. Der Konzertsaal wurde abgerissen und das Mausoleum mit moderner Architektur umgeben, der heutigen Piazza Augusto Imperatore.

Mussolini ließ auch den Friedensaltar des Augustus aus dem Erdreich bergen und neben dem Mausoleum aufstellen. Der damalige Pavillion um die Ara Pacis ist inzwischen ersetzt worden durch den spektakulären Museumsbau des amerikanischen Stararchitekten Richard Meier, durch den man am Friedensaltar vorbei sogar bis zum Mausoleum des Augustus durchschauen kann.

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