Stadtkomitee der Katholiken in Recklinghausen erinnert an Luise Löwenfels

Aus dem Kloster nach Auschwitz deportiert

Die Erinnerung an die Opfer der Nazi-Diktatur in Recklinghausen ist eingebunden in eine Gebetsbrücke mit dem Karmel in Berlin-Plötzensee und dem Karmel Ikskile in Riga. „Der Gedenktag an die ermordeten Menschen verbindet uns mit Gemeinschaften, die an zwei Leidensorten der Opfer gedenken“, sagt Georg Möllers vom Stadtkomitee der Katholiken.

Seit vielen Jahren forscht Möllers über die Opfer der Nazi-Diktatur und das Schicksal der jüdischen Familien in Recklinghausen. Der 27. Januar als bundesweiter Gedenktag der Opfer der nationalsozialistischen Diktatur wird entsprechend in Recklinghausen besonders gestaltet.

Gedenken an Erich Klausener

„Wir gedenken der Ermordung von Erich Klausener, an dessen Namen in der Region, in der er als sozialer Landrat gewirkt hatte, Straßen, Brücken und Gebäude erinnern“, sagt Möllers. Ein Beispiel sei das Erich-Klausener-Haus, wie das Katholische Zentrum in der Stadt genannt wird.

Am 30. Juni 1934 wurde Klausener von einem SS-Kommando als „gefährlicher Katholikenführer“ (Hermann Göring) erschossen. Der überzeugte Christ hatte sich in Gesellschaft, Kirche und Staat eingesetzt. Zur Vertuschung des Mordes wurde die Leiche umgehend verbrannt. Heute ist die Asche in der Krypta der Gedenkkirche Regina Maria Martyrum in Berlin beigesetzt. Die Gedächtniskirche der deutschen Katholiken zu „Ehren der Blutzeugen für Glaubens- und Gewissensfreiheit in den Jahren 1933 bis 1945“ liegt unweit der Gedenkstätte Plötzensee.

Tägliche Gebete für Nazi-Opfer

Das Stadtkomitee gedenkt weiterhin der Ermordung der jüdischen Mitbürger, die am 24. Januar 1942 aus Recklinghausen deportiert und in das Ghetto Riga verschleppt wurden. „Die meisten verhungerten, wurden in den Wäldern um Riga erschossen oder weiter zur Ermordung nach Auschwitz gebracht“, erklärt Möllers.

Sowohl in Berlin wie in Ikskile bei Riga haben Karmelitinnen in der Nähe der Leidensorte Klöster gegründet. Das Gemeinschaftsleben der Ordensfrauen und ihre täglichen Gebete gelten dem solidarischen Gedenken an die Opfer der Nazi-Diktatur und der Menschen, die heute weltweit Opfer religiöser, politischer oder ethnischer Verfolgungen sind.

Gottesdienst erinnert an Luise Löwenfels

„Die Gebets- und Gedenkbrücke unserer Kirchengemeinden mit den Karmelitinnen in Berlin und Ikskile für die vielen Opfer von Diskriminierung, Terror und Massenmord wird symbolisch durch eine alljährliche Kerzenspende zum Ausdruck gebracht, die im Gottesdienst in Recklinghausen gesegnet wird“, berichtet Möllers.

Der diesjährige Gedenk-Gottesdienst mit Pfarrer David Formella ist am Sonntag, 27. Januar, um 11.30 Uhr in der Kirche St. Paulus. Im Gottesdienst wird besonders an Luise Löwenfels erinnert, die 1935 als Kinderbetreuerin bei der jüdischen Familie Aron an der benachbarten Paulusstraße lebte. Von dort aus führte sie mit Unterstützung einer Familie der Gemeinde der Weg zum Kloster der Armen Dienstmägde Jesu Christi (Dernbacher Schwestern) nach Mönchengladbach und nach der Taufe und der Flucht in die Niederlande, wo sie ins Kloster Geleen eintrat.

Proteste der katholischen Bischöfe

Wegen der Proteste der katholischen Bischöfe gegen die Deportation der Juden durch die deutsche Besatzung wurde sie als Schwester Aloysia am selben Tag wie Edith Stein aus dem Kloster deportiert und mit ihr und anderen „nichtarischen“ Katholiken am 9. August 1942 in Auschwitz ermordet.

Bei der Großrazzia gegen die jüdische Bevölkerung in den Niederlanden am 2. August 1942 wurden insgesamt 244 katholisch Getaufte verhaftet und deportiert.

Seligsprechung geplant

Ordensschwester Christiane Humpert aus dem Mutterhaus in Dernbach ist der Einladung des Stadtkomitees gefolgt, über das Schicksal der lange vergessenen Schwester Aloysia/Luise Löwenfels zu predigen. Sie wird über das Leben der Jüdin und Ordensschwester berichten und über das eingeleitete und vom Bistum Limburg unterstützte Verfahren zur Seligsprechung informieren.

Nach dem Gottesdienst steht sie zum Gespräch zur Verfügung. An der Paulus-Kirche wird auch eine Gedenktafel zur Erinnerung an Luise Löwenfels angebracht.