Der neue Pfarrer Guido Wachtel

Aus dem Münsterland in die Diaspora in Delmenhorst

Ende Juli ist er umgezogen, mitten in brütender Sommerhitze.  Abends stand ein Begrüßungskomitee seiner neuen Gemeinde vor der Tür. Guido Wachtel lächelt: „Mit gekühlten Getränken.“

Eine Geste, die ihm zeigte: Die Delmenhorster freuen sich auf ihn. Ein Zeichen wie das bunte Plakat neben dem Kirchenportal mit der Ankündigung des Pfarrfestes und seiner Einführung als neuer Pfarrer von Delmenhorst.

„Ich spüre eine große Vertrautheit untereinander"

Er selbst freut sich auch. Darauf, zu erleben, wie Menschen in der Diaspora Gemeinde sind. „Er sind hier ja nicht die Zahlen wie im Münsterland. Aber dafür spüre ich eine große Vertrautheit untereinander.“

Wachtel hat das gerade in Bookholzberg erlebt, einer der fünf Filialkirchen seiner neuen Pfarrei St. Marien, beim 50-jährigen Weihejubiläum der St.-Bernhard-Kirche. „Da haben Menschen aus allen anderen Gemeindeteilen mitgefeiert.“

In Vreden lautete ein Auftrag: Gemeinden zusammenführen

Der großgewachsene Seelsorger mit Lockenkopf sitzt im karierten Hemd in seinem Arbeitszimmer. Die Wände wirken noch etwas kahl. „Das wird schon noch“, sagt er.

In Delmenhorst muss er nicht von vorne anfangen wie vor 13 Jahre in Vreden. Sein Auftrag damals: sieben Gemeinden zu einer Pfarrei zusammenzuführen. „Es sollte ein geistlicher Prozess werden.“ Und einer, der darauf achtete, dass die Gemeinden vor Ort lebendig bleiben können und sich nicht vereinnahmt fühlen.

Er konnte guten Gewissens wechseln

Die Bedingungen dafür seien optimal gewesen. Ehrenamtliche, die das Unvermeidbare  sahen und annahmen, bis hin zur Schließung einer Kirche. Menschen, die sagten: „Wir gestalten jetzt unsere Gemeinde für die Zukunft.“

Das Ganze sei mittlerweile so weit gediehen, so der 49-Jährige, dass er guten Gewissens gehen konnte. Nicht, weil er wollte, sondern, weil irgendwann mal eine Versetzung anstand und der Bischof ihm St. Marien Delmenhorst anvertrauen wollte.

Die Herkunft aus dem Ruhrgebiet hat ihn geprägt

Auch jetzt kommt er mit einem Auftrag: das Dekanat noch enger zusammenzuführen. Die drei Gemeinden, die noch selbständig sind, sollen in absehbarer Zeit als Seelsorgeeinheiten zu Delmenhorst kommen, erklärt Wachtel. „Weil meine Mitbrüder in Hude, Lemwerder und Stuhr-Moordeich in den nächsten Jahren die Altersgrenze erreichen.“

Der neue Pfarrer ist in Recklinghausen aufgewachsen. „Im Ruhrgebiet, wo die Menschen direkt ihre Meinung sagen. Das prägt!“, sagt er. Bei seiner Einführung an diesem Sonntag wird er über seinen Primizspruch predigen: „Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen.“

„Man ist nur ein Werkszeug"

Er lächelt: „Salopp gesagt bedeutet das für mich: Jeder hat einen Sprung in der Schüssel, aber Gott legt seinen Schatz trotzdem rein, setzt trotzdem auf uns. Wir müssen nicht perfekt sein, damit etwas Tolles herauskommt.“

Woran er Erfolg in der Seelsorge misst? Guido Wachtel zögert einen Moment. „Vielleicht, wenn von guten Dingen mehr spürbar wird. Mehr an Liebe, mehr an Zuwendung, mehr an Leben, an Trost an Glaubensfreude.“ Das meiste habe man dabei aber nicht selbst in der Hand. „Natürlich ist es schön, wenn jemand eine Predigt lobt“, sagt Wachtel. „Aber auch dabei ist man ja nur ein Werkzeug.“

Sein Schwerpunkt: Geistliche Begleitung

Der neue Pfarrer hat fünf Jahre in Rom studiert, hat einen Universitätsabschluss in Fundamentaltheologie, hätte weitergehen können in Richtung Wissenschaft. Er hat darüber auch nachgedacht. „Weil ich es liebe, Dinge zu durchdenken“, erklärt er. „Weil Glaube mit Hirn und Herz zu tun hat.“ Am Ende entschied er sich dann aber für die Gemeindeseelsorge und einen anderen Schwerpunkt: für geistliche Begleitung. Als Kaplan hat er dazu eine Zusatzausbildung absolviert.

Bleibt einem als leitendem Pfarrer denn überhaupt noch genug Zeit für Seelsorge, für Begleitung und Gespräche? „Doch!“, sagt er mit fester Stimme und verweist auf neue Berufe in Pfarreien im Bistum, die den Pfarrer entlasten sollen. Das Berufsbild des Verwaltungsreferenten zum Beispiel oder bei Kindergärten die so genannte Verbundleitung. In Vreden habe sich das bewährt: „Wenn nichts Besonderes anliegt, machen damit die eigentlichen Leitungsaufgaben noch 25 bis 30 Prozent meiner Zeit aus. Und das passt.“

Er will neue Freundschaften aufbauen und pflegen

Wachtel hat den Neustart hat den Umzug in den Norden zum Ausmisten genutzt, seine Bücher sortiert und die Modelle, die er als Jugendlicher mal gebastelt hat und die in Kisten lagerten, verkauft.

Eine neue Stadt, eine neue Gemeinde, neue Herausforderungen. Was als Wunsch gleich bleibt: freundschaftliche Beziehungen zu Menschen in der Gemeinde. „Die haben sich in jeder Stelle entwickelt, und die möchte und werde ich auch hier in Delmenhorst entwickeln und pflegen.“ Und manche beginnen eben mit einem kühlen Getränk an einem heißen Sommertag.