Anzeige
Sich vom Geiste Gottes bewegen zu lassen, ist Anliegen des Festes „Darstellung des Herrn“. Wie es gehen kann, erklärt Pater Laurentius Schlieker OSB.
„Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben; das kann nur Licht. Hass kann Hass nicht vertreiben; das kann nur die Liebe.“ Das Wort von Martin Luther King ist wie ein Kurzkommentar zum Fest der Darstellung des Herrn. Die brennenden Kerzen, die wir in die Kirche tragen, stehen für Jesus Christus, das geoffenbarte Licht für alle Völker. Dieses Licht bietet sich an, um auf uns überzugehen: für ein Denken in Bewegungsfreiheit, für ein Handeln aus Freude, für den Einsatz zum Frieden für alle Menschen, für einen Glauben im Herzen, der die spürbare Nähe Gottes sucht.
Das heutige Herrenfest wurde früher als Marienfest gefeiert: von der „Reinigung der Jungfrau Maria“ nach dem jüdischen Gesetz. Das ist uns fremd: als ob eine Mutter durch die Geburt unrein würde! Wer versteht zudem das Gebot, das erstgeborene Kind Gott zu weihen?
Die Dimension von Reinigung und Begegnung
Hinter dem Ritual Israels steht die Vorstellung, dass das Kind und dass alles Glück, das mit ihm verbunden ist, direkt vom Schöpfergott kommt und seinen Liebesbund für die kommende Generation weiterträgt. Das „Opfer“ ist eine Gegengabe aus Dankbarkeit für das große Geschenk neuen Lebens. Wer dem guten Gott zurückschenkt, was diesem ohnehin gehört, will sich von dem großen Liebenden, der alle Sehnsucht erfüllt, ergreifen lassen.
Die „Darstellung des Herrn“ hat die Dimension von Reinigung und Begegnung. Der innere Mensch braucht den reinigenden Strom, damit wir Christus verkörpern. Leben bedeutet immer, an der jeweils nächsten Schwelle zu stehen, die es zu überschreiten gilt. Christlich leben bedeutet, uns auf einen Prozess einzulassen, der auf dem Leben Jesu und seiner Botschaft basiert und sein Ziel findet in der Offenbarung des Messias im eigenen Leben. Er lebt mit uns, betet in uns, schenkt uns in seinem Lebensatem die Freundschaft in Gott.
Mit der Ankunft Jesu setzt Krise ein
Die Lesungen vom Fest Darstellung des Herrn / Lesejahr C zum Hören finden Sie hier.
Auch wenn die Liturgie aus biblischen Rückblenden besteht, leitet sie nicht zur bloßen Rückschau an. Sie holt uns hier und jetzt in die Gegenwart Gottes. Wir befinden uns nicht nach Christus, sondern im Jahr 2025 mit Christus. Des Weiteren geht der Blick offen ins Unermessliche, in die ausstehende Vollendung des Reiches Gottes. Das Fest heißt in den Kirchen des Orients „Fest der Begegnung“. Lukas beschreibt, wie Jesus von Maria und Josef in den Tempel getragen wird und dem Gottesvolk, vertreten durch Simeon und Hanna, begegnet. Auf diese Weise erfüllt sich die Prophezeiung des Maleachi: Gott hat seinen Boten, Johannes den Täufer, gesandt, der Christus den Weg bereiten soll. Plötzlich kommt der Herr selbst zu seinem Tempel, im Säugling von kaum sechs Wochen. Der Prophet hat das Kommen Gottes als reinigendes, läuterndes Feuer erwartet, wenn auch als barmherzige Zuwendung.
Auch die im Evangelium beschriebene Begegnung ist im Tiefsten Konfrontation, denn mit der Ankunft Jesu setzt eine Krise ein, die zur Wende der Geschichte der gesamten Menschheit führt. Wer wäre nicht froh um die Wende im eigenen Leben, in einer Zeit und Welt voller Verwirrung und Dunkelheit und ohne Aussichten auf Besserung – oder um einen neuen Anfang für eine Kirche, die von Krisen geschüttelt ist, und für die vielen enttäuschten, verwundeten und verängstigen Menschen?
Vom Geist Gottes bewegen lassen