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Pater Christian Brüning über den Blick der Sehnsucht

Auslegung der Lesungen vom 1. Adventssonntag / Lesejahr A

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Mit dem ersten Advent beginnt die Zeit der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest. Dabei geht es um weit mehr als darum, alles für die große Feier zu organisieren, wie Pater Christian Brüning OSB von der Abtei Gerleve in seiner Auslegung der Lesungstexte dieses Sonntags zeigt.

Das Tagesgebet des heutigen Ersten Adventssonntags nennt als Aufgabe dieser besonderen Zeit im Jahreskreis, dass „wir auf dem Weg der Gerechtigkeit Christus entgegengehen und uns durch Taten der Liebe auf seine Ankunft vorbereiten.“ In der lateinischen Originalfassung dieses Gebetes ist jedoch nicht einfachhin davon die Rede, dass wir „Christus entgegengehen“.

Es heißt vielmehr, dass wir „deinem kommenden Christus“ (Christo tuo venienti) entgegengehen. Wir machen uns nicht auf den Weg in eine ferne, nebulöse Zukunft, sondern bereiten uns für die Begegnung mit ihm, der uns entgegenkommt.

Seid wachsam!

Die Lesungen vom 1. Adventssonntag (Lesejahr A) zum Hören finden Sie hier.

Auf diesem Entgegenkommen Chris­ti liegt der Akzent. In der ersten Lesung ist von der Völkerwallfahrt die Rede, dass sich alle Völker und Nationen auf den Weg zum Zionsberg machen, denn sie haben gehört, dass Seine Weisung von hier aus ergeht. Seiner Kunde, seiner Tora laufen sie entgegen. Die zweite Lesung spricht von dem „nahe gekommenen Heil“: „Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe.“ Deshalb können und sollen wir „Jesus Christus den Herrn anziehen“.

Im Evangelium wird gemahnt: „Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.“ Und „der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.“ 
Von dem Kommen des Herrn ist hier etwas düster, mahnend, in apokalyptischem Vokabular die Rede. In der ersten Lesung und in der adventlichen Liturgie des Stundenbuches ist jedoch voller Sehnsucht davon die Rede. Um das Sehnen nach Gottes Kommen zu verstehen, können zwei Aspekte hilfreich sein. 

"Ich habe Sehnsucht nach dir!"

Da ist zunächst eine Ergänzung zum Vaterunser aus dem jüdischen Schrifttum zu nennen: Dort wird von einem Vater erzählt, der zwei Söhne hatte. Der ältere ließ sich sein Erbteil auszahlen und ging seiner Wege. Nach geraumer Zeit bekam der Vater Sehnsucht nach seinem älteren Sohn, und er schickte den jüngeren aus, seinen Bruder zu suchen. Er solle dem Bruder sagen: „Kehr um zu deinem Vater, ich habe Sehnsucht nach dir!”

Nach langer Suche fand der Jüngere seinen Bruder. Er war völlig heruntergekommen und am Ende seiner Kräfte. Er sagte ihm die Botschaft des Vaters: „Kehr doch um zu mir, ich habe Sehnsucht nach dir!” Aber der Ältere konnte nur sagen: „Sag dem Vater: Ich kann nicht mehr! Ich habe nicht mehr die Kraft umzukehren.”

Nur ein einziger Schritt

Der Autor
Christian Brüning OSB
Pater Christian Brüning OSB ist Mönch der Benediktinerabtei Gerleve. | Foto: Abtei Gerleve

Mit dieser Botschaft kam der Jüngere wieder bei dem Vater an. Er sagte: „Ich habe meinen Bruder gefunden, ich habe ihm deine Botschaft gesagt: ‚Kehr doch um zu mir, ich habe Sehnsucht nach dir!‘ Aber er hat mir entgegnet: ‚Sag dem Vater: Ich kann nicht mehr! Ich habe nicht mehr die Kraft umzukehren.‘” Darauf sagte der Vater zu seinem jüngeren Sohn: „Du Tor! Geh noch einmal los, such deinen Bruder und sag ihm: „Kehr doch um zu mir, ich habe Sehnsucht nach dir! Und wenn du nur einen einzigen Schritt tun kannst! – Den Rest werde ich dir entgegengehen!” (vgl. Pesikta Rabbati 44)

Der zweite Aspekt: Am Ende der Adventszeit, ab dem 17. Dezember, im Endspurt auf Weihnachten zu, wird im Stundengebet der Vesper in den Antiphonen zum Magnifikat jeweils ein Hoheitstitel des kommenden Christus meditiert. Weisheit aus des Höchsten Mund wird er genannt, Adonai, Wurzel Jesse, Schlüssel Davids, der „befreien kann aus ewger Haft“, Aufgang, Sonne der Gerechtigkeit, König und schließlich Immanuel. Das Besondere: Die Anfangsbuchstaben der lateinischen Hoheitstitel ergeben rückwärts gelesen die Worte: Ero cras. „Morgen bin ich da!“

Die Geschichte des Adventskalenders

Jedes Jahr feiern wir den Advent, das Entgegenkommen Gottes, um die Hoffnung in uns lebendig zu halten, zu der wir berufen sind. Gehen wir mit offenen Augen und bereitem Herz dem kommenden Christus entgegen. Aber stellen wir uns auch darauf ein, dass wir sein Kommen vielleicht erst im Rückblick erkennen können.

Die Geschichte des Adventskalenders beginnt im Jahr 1838. Johann Heinrich Wichern, Leiter des evangelischen Kinderheims „Rauhes Haus“ bei Hamburg, hatte wahrscheinlich genug von der Frage, wann endlich Weihnachten sei. So entwickelte er eine Idee zur Darstellung der verbleibenden Tage. Die Formen des Adventskalenders sind sehr unterschiedlich. Bemerkenswert ist jedoch der Adventskalender, der jeden Tag ein Fens­ter öffnet. Es kann uns ein Fenster sein, um Ausschau zu halten nach dem kommenden Christus.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 1. Adventssonntag (Lesejahr A) finden Sie hier.

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