Lukas Hermes über Entscheidungskraft und Stehvermögen

Auslegung der Lesungen vom 13. Sonntag im Jahreskreis (B)

Wie soll ich mich entscheiden? Und was ist, wenn die Idee die falsche ist? Nicht so wichtig, findet Kaplan Lukas Hermes aus Bocholt. Hauptsache, man entscheidet - und steht nach Fehlern wieder auf.

In unserer heutigen Zeit geht es häufig darum, richtige Entscheidungen zu treffen. Das fängt natürlich schon in meinem Alltag an. Zum Beispiel im ganz Kleinen mit der Frage nach den Produkten, die ich einkaufe. Aber auch wenn ich von anderen Menschen angefragt werde, muss ich mich für eine Seite oder Meinung entscheiden. Oft muss ich dann abwägen, was richtig und was falsch ist. Es ist häufig nicht leicht, eine gute Entscheidung zu fällen. Zum Glück wissen wir seit Kindertagen, dass man aus Fehlern klug werden kann.

Was im ersten Augenblick vielleicht wie eine Binsenweisheit klingt, finde ich geradezu befreiend. Denn eine Furcht vor falschen Entscheidungen kann einen immer nur lähmen. Keine Entscheidungen zu treffen ist noch schlechter als die, die man getroffen hat. Deswegen Mut zu Entscheidungen! Mut zum Ausprobieren!

Starke Nerven gefragt

Sicherlich haben Sie in Ihren Gemeinden schon an einem Pastoralplan gewerkelt und sich überlegen müssen, wo in der Zukunft Leicht- und Schwerpunkte in Ihrer Gemeinde liegen können. Auch da war Mut gefordert um für die Zukunft fit zu sein. Gerade, wenn es um kirchliche Immobilien geht, kann es oft zu Verletzungen oder Enttäuschungen kommen. Da braucht man starke Nerven, um eine gute Entscheidung zu treffen.

Aber die Zukunft kommt. Sie liegt vor uns und jetzt gilt es, mit ihr aktiv umzugehen. Wenn wir es nicht tun, wird sie sicherlich uns gestalten, und was die Zukunft dann mit uns anstellt, wissen wir nicht. Eigentlich möchte ich kein solches Risiko eingehen. Vielmehr ist Mut zum Entscheiden wirklich angesagt.

Jesus als Entscheidungshilfe

Wir haben eine wichtige Entscheidungshilfe: Jesus Christus. Um ihn geht es. Mein Mentor aus dem Diakonatsjahr pflegte immer zu sagen: „Ich glaube Jesus seinen Gott.“ Gott ist wirklich so, wie Jesus Christus von ihm gesprochen hat. Und die Verkündigung seiner Botschaft ist so wichtig für uns, dass sie zur Entscheidungshilfe beitragen kann.

Lukas Hermes ist Kaplan in Liebfrauen in Bocholt.Lukas Hermes ist Kaplan in Liebfrauen in Bocholt. | Foto: privat

Was brauchen wir wirklich, um diese frohe Botschaft den Menschen zu verkünden? Der Apostel Paulus nennt in der Lesung aus dem zweiten Korintherbrief ein schönes Beispiel. Er ist mit dem Problem der Gerechtigkeit in seiner Gemeinde konfrontiert, da es gewaltige Unterschiede zwischen Arme und Reiche in Korinth gibt. Er fordert die Gemeinde zu einem Ausgleich aus, damit sich die christliche Nächstenliebe wiederspiegeln kann. Sicherlich ist diese Entscheidung von Paulus nicht bei allen auf Gegenliebe gestoßen.

Und wenn man auf die Nase fällt?

Aber was, wenn es mal die falsche Entscheidung getroffen hat und auf die Nase fällt? Auch in diesem Fall hat Jesus einen Rat für uns parat: „Talita kum“ – „Steh auf“. Man darf sich nicht so leicht aus der Bahn werfen lassen. Öfters wird man sich wohl wieder aufrappeln müssen, wenn man Entscheidungen trifft. Auf Anhieb klappt nicht alles. Also an den Fragen dranbleiben und sich nicht unterkriegen lassen.

Jesus sagt diesen auffordernden Satz im Evangelium zu der Tochter des Jaïrus, die angeblich gestorben sei. Ich finde diese Textstelle im Markusevangelium unglaublich ergreifend, da sich Jesus in einem Moment tiefster Trauer und Not den Eltern annimmt und sich ihnen zuwendet. Da schwingt für mich Verständnis, Sorge und Mitgefühl mit. Mitgefühl für die Eltern und natürlich für das zwölfjährige Mädchen, das Jesus ins Leben zurückholt. Das Kind steht aber für mich noch für viel mehr. Kinder, und das erlebe ich oft bei Tauffeiern, wenn Eltern über ihr Neugeborenes reden, haben immer etwas mit Hoffnung zu tun. Sie sind eigentlich das Symbol für Hoffnung und Zukunft schlichtweg.

Gott beschützt uns

Und nun liegt für Jaïrus und seine Frau mit dem Tod des Mädchens alle Hoffnung und Zukunft im wahrsten Sinne des Wortes am Boden. Jesus holt die Hoffnung zurück. Er wandelt Verzweiflung in pure Lebensfreude. Und ich meine nicht nur in der damaligen Zeit. Er ist auch für uns die Hoffnung im heutigen Leben und natürlich erst recht für die Zukunft.

Richtig wohltuend unterstreicht das die heutige Lesung aus dem Buch der Weisheit und ihre positive Sicht auf das Leben: Gott hat uns erschaffen. Er beschützt uns, denn er ist ein Gott des Lebens, wie auch wir zum Leben berufen sind. Nicht das Verderben ist das Thema dieses Textes, sondern dass Gott uns retten will.

Also nur Mut, Entscheidungen in diesem Leben anzugehen. Die Zukunft gilt es zu gestalten. Und wenn wir hinfallen: „Talita kum“ – „Steh auf“. Winston Churchill bringt es einmal sehr schön auf den Punkt. Er sagt: „Erfolg haben heißt: einmal mehr aufstehen, als man hingefallen ist.“ Also nur Mut zur Entscheidung!