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Gedanken von Pater Ralph Greis OSB: Wie hätten Sie Gott denn gern?

Auslegung der Lesungen vom 14. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A)

"Mit dem Wunsch nach besseren Zeiten wächst auch die Sehnsucht nach einer starken Führungspersönlichkeit": Was Pater Ralph Greis über die Lesungen des Sonntags schreibt, gilt offensichtlich nicht nur für die Zeit des Propheten Sacharja.

"Mit dem Wunsch nach besseren Zeiten wächst auch die Sehnsucht nach einer starken Führungspersönlichkeit": Was Pater Ralf Greis OSB aus der Abtei Gerleve über die Lesungen des Sonntags schreibt, gilt offensichtlich nicht nur für die Zeit des Propheten Sacharja.

Tochter Zion, freue dich!” – Da wird mancher an adventlichen Kerzenschein und Spritzgebäck denken. Doch der Prophet Sacharja richtet seine Worte an ein Jerusalem, das von Behaglichkeit und Vorfreude weit entfernt ist, in dem es gut 400 Jahre vor Christi Geburt alles andere als rund läuft.

Nach der Verbannung in Babylon dürfen die Menschen zwar in die Heimat zurückkehren, aber ihre Stadt liegt in Trümmern – der Tempel verbrannt, die Stadtmauern eingerissen, die Wasserversorgung prekär. Dazu missliebige Nachbarn rundherum und jede Menge Knatsch in den eigenen Reihen. Mit dem Wunsch nach besseren Zeiten wächst auch die Sehnsucht nach einer starken Führungspersönlichkeit.

Unser Prophet hat der „Tochter Zion“ aber jemand anderen anzukündigen: Ja, dein König kommt, jedoch nicht in einem großen Wagen, sondern auf einem Esel reitend. Und dann werden nicht die bösen Nachbarn in die Schranken gewiesen, sondern zuerst die eigenen Waffen aus dem Verkehr gezogen. Den versprochenen Frieden gibt es auch nicht nur für Jerusalem und gegen die anderen, sondern: „Er verkündet den Völkern den Frieden – bis an die Enden der Erde.”

Erträumte Vergangenheit für die Zukunft

Die Lesungen vom 14. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A) zum Hören finden Sie hier.

Ein solch universaler Horizont statt kleinkariertem Protektionismus klingt doch gut. Mancher aber, dem es vielleicht nicht so gut geht, hat andere Erwartungen. Wenn sich Gleichgesinnte zusammenfinden, wird oft erst eine goldene Vergangenheit erträumt und diese dann auf die Zukunft pro­jiziert. Die soll eine messianische Heilsgestalt schließlich herbeiführen. Die meisten Menschen zur Zeit des Sacharja haben wohl kaum von einer alternativen Gestalt auf einem Esel geträumt.

Wenn später am ersten Palmsonntag der Kirchengeschichte Jesus auf einem Esel nach Jerusalem hineinreitet, rufen zwar eine Menge Leute „Hosanna!” Aber dieser Mann jagt nicht die römische Besatzungsmacht aus dem Land, er beendet nicht die griechisch-hellenistische Überfremdung der eigenen Leitkultur. Er ist nicht der, der es „macht”. Zumindest nicht so, wie sie es gern hätten.

Messiasgestalten und Sündenböcke

Der Autor
Ralph Greis OSB
Ralph Greis OSB ist Mönch der Benediktinerabtei Gerleve bei Billerbeck. | Foto: privat

Kein Messias wäre etwas ohne jene, die sich entweder auf der Straße an ihn gehängt oder ihn vielleicht sogar demokratisch gewählt haben. Sie sind viel gefährlicher als einzelne Kranke, Böse und Verrückte, die in gestörtem Sendungsbewusstsein die Welt mit sich beglücken oder nur gern etwas Besseres sein möchten. Es braucht die Vielen, die ihre eigenen Wünsche auf ihren Helden projizieren. Wenn das scheitert, werden aber nicht etwa die eigenen Erwartungen korrigiert – wer gibt schon gern eigene Fehler zu –, sondern dem ehemaligen Messias wird jetzt das Scheitern als seine Schuld aufgeladen und dann mit ihm in die Wüste geschickt. Die Welt braucht offensichtlich Messiasgestalten und Sündenböcke. Oft sind das nur zwei Seiten ein und derselben Medaille.

Jesus kommt als der Friedenskönig auf dem Esel zu uns. Zuerst wird er mit „Hosanna” willkommen geheißen, dann wird er mit „Kreuzige ihn!” entsorgt. Die Prophetie des Sacharja ist eine Anfrage an uns: Wie hätten wir Gott denn gern und was soll er als Ers­tes machen? Können wir ihn von unseren eigenen Fantasien unterscheiden oder uns gar den Spiegel vorhalten lassen?

Auch die Jünger Jesu müssen erst langsam lernen, wer ihr Meister wirklich ist. Das Gebet Jesu im heutigen Evangelium werden sie wohl erst sehr viel später verstanden und dabei auch ein anderes Verhältnis zur eigenen Weisheit und Klugheit gewonnen haben, ist ihnen doch vieles bis in den Ostersonntag hinein verborgen geblieben.

Lassen Sie sich einspannen?

Einer der „Unmündigen”, der vielleicht mehr verstanden oder erspürt, es aber trotzdem nicht in den Heiligenkalender geschafft hat, ist der Esel. Er hat die Prophetie des Sacharja erst in Erfüllung gehen lassen. – Sind wir bereit, uns vom Herrn einspannen zu lassen? Ihn selber zu den Menschen zu tragen? Manchmal werden die Leute ihre Kleider vor uns ausbreiten und „Hosanna” rufen, aber die Kehrseite des Engagements kennen wir auch. Das ist heute nicht anders als in Jerusalem vor 2000 Jahren. Da sind wir Menschen erstaunlich beständig.

Trauen wir es dennoch dem Herrn zu, dass sein Joch nicht drückt, dass vielmehr die Freude seiner Gegenwart die Last leicht macht und unsere Seelen wirklich zur Ruhe kommen lässt? Dort, in uns selbst, mag der Friede für die Welt, den Sacharja verheißt und Jesus bringt, seinen Anfang nehmen

Sämtliche Texte der Lesungen vom 14. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A) finden Sie hier.

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