Jan-Christoph Horn über eine Sommerschule mit Jesus

Auslegung der Lesungen vom 15. Sonntag im Jahreskreis (B)

„Jesus geht mit uns heute in eine ‚Summerschool‘“, sagt Pastoralreferent Jan-Christoph Horn. Denn er unterweise seine Jünger – und in deren Nachfolge uns – darin, was sie zu tun haben. „Lassen wir uns davon ansprechen.“

Die Sommerferienzeit bringt Ruhe in den öffentlichen Alltag. Sie wird deswegen gern genutzt, um Werkwochen und Studienkurse anzubieten. Jesus geht mit uns heute auch in eine „Summerschool“. Denn er unterweist seinen Zwölferkreis – und in deren Nachfolge uns – darin, was sie zu tun haben. Lassen wir uns davon ansprechen.

„Jesus rief zu sich“

– das allein hat es schon in sich. Er ruft. Nicht wir wählen uns oder einander aus. Wann haben Sie den Ruf Jesu zuletzt gehört? Denken Sie nicht, er ruft Sie nicht. Sabine Naegeli hat es treffend formuliert: „Du lockst mich unablässig, bis ich es wage, mich dir zu lassen.“

„Jeweils zwei zusammen“


Das Evangelium vom 15. Sonntag im Jahreskreis (B) zum Hören und Sehen auf unserem Youtube-Kanal.

– Jesus gibt uns ein Verständnis von Zusammenarbeit mit auf den Weg: Was nicht einer alleine machen muss, tue man immer zu zweit. Wenn wir uns in geteilter Leitung einüben und in größeren Teams zusammenarbeiten, ist diese Anweisung maßgeblich.

Natürlich gibt es Momente, wo es eine Einzelverantwortung braucht, in seelsorgerischen Situationen wie bei Rechtsgeschäften. Aber grundsätzlich sollten wir in Treue zu Jesus verlernen, dass nur ich allein es machen und richten kann.

„Er gab Vollmacht“

– die Zusage, dass wir im Namen Jesu, mit seiner Kraft, mit seiner Macht unterwegs sind, stärkt. Aber wir sind nicht tolle Macher, sondern transparente Träger, weil Jesus in unserem Tun durchscheinen muss, wir auf ihn hin „durchreichen“.

„Die unreinen Geister austreiben“

– mit Geisteraustreibung müssen wir heute nicht kommen. Gleichzeitig beschränkt sich die Nachfolge Jesu nicht auf biographische Lebensbegleitung und Krisenhilfe. Es sind die seelischen Zwischenräume, die ungeklärten Anhänglichkeiten, die durcheinanderbringenden Lebensverhältnisse, die gesellschaftlichen Tabuzonen, die der Präsenz, des Segens, der Heilung bedürfen. Wir pflegen leider viel zu sehr unsere Lieblingszeremonien und gefallen uns in unseren gewohnten Abläufen, während da draußen die Kämpfe des Lebens durchgestanden werden. Dorthin sendet Jesus uns.

„Er gebot ihnen nichts mitzunehmen“

– Ich vermute, Jesus hat nichts gegen Ressourcen. Aber er spricht sich für „leichtes Gepäck“ aus, für eine Freiheit, die sich nicht an Dinge klammert, und für eine Abhängigkeit von anderen, weil wir von ihnen die Grundnahrungsmittel erhalten. Was für eine „Kundenorientierung“ in der Pastoral! Umgekehrt ist wahr, dass unser Kulturkreis Sesshaftigkeit kennt. Häufiger Wechsel im Pastoralteam lässt uns keine Bindung aufbauen, und es ist eben doch nicht ganz egal, in welche Kirche man geht.

Der Autor
Jan Christoph Horn ist Pastoralreferent in der Pastoralberatung beim Bischöflichen Generalvikariat Münster.
Jan Christoph Horn ist Pastoralreferent in der Pastoralberatung beim Bischöflichen Generalvikariat Münster. | Foto: privat

Aufschlussreich ist dann, dass Jesus vom Wanderstab spricht als dem einzigen, was die Jünger mitnehmen sollen. Wozu dient der Wanderstab? Er stützt, begleitet, macht einen auch vor anderen kenntlich. Ein hilfreiches Bild in der Diskussion um Kirchenschließungen und Personalwechsel.

Leitendes Kriterium vor solchen Entscheidungen ist demnach die Hilfe auf dem Weg der Jünger, nicht die unveränderliche Ausstattung mit allem Möglichen. Hier liegt geistliche Orientierung für solche Entscheidungsprozesse bereit.

„Bleibt, dann verlasst den Ort“

– Der Wechsel zwischen Bleiben und Gehen, Präsenz und Loslassen gehört zu den Charakteristika der Sendung Jesu: Es gibt einen klaren Auftrag und wenn der erfüllt ist, macht woanders weiter. Wir müssen das, wie gesagt, nicht missverstehen und nur noch im Campingwagen leben.

Der Impuls liegt in etwas anderem: Wo der Auftrag klar definiert ist, wird er auch irgendwann erfüllt sein. Es geht um eine Verständigung darüber, wo wir was tun und woran wir feststellen, dass es getan ist. Um dann frei und offen zu anderen Orten, Zeiten und Personen zu gehen.

„Wenn man euch nicht aufnimmt, geht weiter“

– Wo kämen wir hin, wenn wir uns eingestehen, dass es bleibende Wüstenzonen in unseren Pfarreien gibt und Milieus, denen wir mit unserer Sprache, unseren Riten, unserer Sinndeutung fremd sind? Nun, wir kämen weiter. Denn keine Angst: Wer nicht auf uns gewartet hat, kann auch nicht enttäuscht sein, wenn wir gehen. Wir müssen uns selber entblenden von der Vorstellung, überall fruchtbaren Boden vorzufinden, sondern gezielter danach schauen, wo und wie der Same aufgeht kann, und es dort probieren. Wir brauchen mehr mutige Anfänge in unserer Kirche, weniger Angst vor dem Ende.

So geschult sendet uns Jesus. Die heutigen Verse aus dem Epheserbrief sind ein gutes Lied für den Weg. Möge uns die ruhigere Zeit der nächsten Woche ausrichten auf das, was Jesus von uns möchte. Es ist ja vor allem nicht unsere Kirche, sondern seine.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 15. Sonntag im Jahreskreis (B) finden Sie hier.