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Weihbischof Wilfried Theising: Keiner kann immer nur geben

Auslegung der Lesungen vom 16. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr B

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Sogar Jesus scheint Erschöpfung zu kennen. Wie passend für diese Ferienzeit. Er zieht sich zurück, will Ruhe haben. Doch dann kommen doch Menschen ... Weihbischof Wilfried Theising, Offizial für den Offizialatsbezirk Oldenburg, legt die Lesungen dieses Sonntags aus.

Das Evangelium dieses Sonntags wird gerne ausgesucht für Gottesdienste zu Urlaubs- oder Ferienbeginn, auf Campingplätzen und überhaupt dort, wo es um Erholung und Freizeit geht. Wenn man die Bibel unter den Aspekten von Urlaub und Erholung liest, findet man nicht viel. Manche Texte wirken dann gelegentlich weit hergeholt. Offensichtlich spielt das Thema im Leben Jesu keine große Rolle. Aber immerhin finden wir etwas an dieser Stelle.

Wie war das wohl damals, als die Apostel von ihrer Expedition zurückkamen? Was konnten sie berichten? Erfolge oder Scheitern? Zuspruch oder Ablehnung? Zumindest gab es viel zu erzählen. Sicher wollten die Apostel ihre Erlebnisse berichten und Jesus war sehr daran interessiert zu erfahren, wie es ihnen ergangen war.

Die Vielfalt kirchlichen Lebens

Die Lesungen vom 16. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B) zum Hören finden Sie hier.

Wer in einem Seelsorgeteam oder in ehrenamtlichen Gruppen einer Pfarrei arbeitet, weiß, wie viel es stets zu berichten gibt. Da sind Erfahrungen aus der Katechese, Besuche in den Schulen, Begegnungen mit Kranken und Sterbenden, die Jugendarbeit, Vereine und Verbände und nicht zuletzt die vielen Gottesdienste und Feiern der Gemeinde, die die Menschen in lebendiger Beziehung zu Gott und zueinander halten.

Es gibt so viel zu erzählen, auszutauschen, zu reflektieren und immer wieder miteinander zu verbinden. Es schafft Freude und Motivation, die Vielfalt kirchlichen Lebens wahrzunehmen. Das war zur Zeit Jesu so und gilt bis heute. Bei allen Problemen, die sich aktuell in der Kirche zeigen, ist es bedeutsam, das Wachstum in der Kirche zu sehen und die vielfältigen Früchte des Heiligen Geistes zu erkennen.

Jesus schenkt seine ganze Zuwendung

Damals wie heute suchen Menschen Hilfe, Begleitung und Solidarität. Jesus und die Apostel sind bereit, für die Menschen da zu sein. Sie wissen aber auch, dass es Zeiten der Ruhe, des Gebetes und der Stille braucht. Keiner kann immer nur geben. Das Evangelium spricht von Erschöpfung und Bedürftigkeit. Menschen in der Seelsorge brauchen regelmäßig Zeiten des Abstands, um nicht leer zu werden.

Jesus und die Apostel ziehen sich in eine einsame Gegend zurück. Doch aus der Ruhe in der Zurückgezogenheit wird nichts. Noch bevor sie das Ziel erreichen, sind die ersten da. Läs­tig, könnte man denken, aber weit gefehlt. Jesus hat Mitleid. Er schenkt den Menschen, die ihn erwarten, nicht nur einen Blick, ein kurzes Wort, sondern seine ganze Zuwendung. Das Evangelium berichtet uns ausdrücklich, dass er die Menschen lange lehrte. Es ist keine flüchtige, genervte Begegnung, sondern echte Beziehung.

Hirt mit Stallgeruch

Der Autor
Weihbischof Wilfried Theising
Weihbischof Wilfried Theising ist Offizial im Offizialatsbezirk Oldenburg. | Foto: pd

Sein Handeln ist ganz von der Liebe zu den Menschen geprägt. Da gibt es kein Bedauern über verlorene Freizeit und die Anstrengung, die die neuerliche Begegnung kostet.

Das Bild vom Hirten gibt uns hier im Evangelium, wie auch in der Lesung aus dem Buch Jeremia den Schlüssel. Der Hirte teilt sein Leben ganz mit den Schafen. Er hat den Stallgeruch, wie Papst Franziskus formuliert. Der Hirte schaut nicht sporadisch nach der Herde, sondern gibt sich ganz hinein. Und so weiß er, wie es dem einzelnen Tier geht. Er hat den Blick für alle und ist immer bereit zu helfen. Der Hirte schont sich nicht, er schont eher die Schafe, damit es ihnen gut geht und ihr Leben sich entfalten kann.

Abstand vom Alltag, Nähe zu Gott

Schauen wir an dieser Stelle noch einmal auf die Apostel. Sie kamen nach der Aussendung zurück und berichteten Jesus alles, was sie getan und erlebt hatten. Damit war ihre Mission aber noch nicht erfüllt. Immer wieder gingen sie hinaus, um Menschen für Christus und seine Frohe Botschaft zu gewinnen. Dabei haben sie alle Widrigkeiten des Lebens auf sich genommen. Rein menschliche Kraft hat dafür sicher nicht ausgereicht.

Die Kraft des Geistes ist diese innere Kraft. Daraus erwächst Nähe. Die Menschen suchen die Nähe Jesu und er schenkt ihnen diese Nähe, von der Paulus im Epheserbrief schreibt.

Zurzeit haben viele Menschen in unserem Land Urlaub oder Ferien. Wir suchen dann oft Abstand vom Alltag und allem, was uns belastet. Viele suchen dann aber auch intensiv die Nähe zu Gott.
Zahlreiche Urlaubsorte bieten deshalb besondere Angebote für Gottsucher. Ich ermutige alle, sich als Gott­sucher auf den Weg zu machen und bin überzeugt, er lässt sich finden. Wir treffen ihn und er trifft uns. Ein Wort des heiligen Augustinus kann dabei helfen: „Mit deinem Wort hast du mein Herz getroffen und ich liebe dich. Du bist für mich die Liebe meines Lebens.“

Sämtliche Texte der Lesungen vom 16. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B) finden Sie hier.

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