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Thomas Möllenbeck legt dar: Glaube kommt vom Hören

Auslegung der Lesungen vom 16. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr C

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„Ich bin die Auferstehung und das Leben“, sagte Jesus gegenüber Marta, der Schwester des gestorbenen Lazarus. Doch was gehört alles zum Glauben, fragt Professor Thomas Möllenbeck und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.

Zwei Schwestern: Marta sorgt für Jesus, Maria sitzt zu seinen Füßen und hört ihm zu. Marta beschwert sich darüber, Jesus antwortet: Maria, die Untätige, hat den besseren Teil erwählt. Nichts zu tun zu haben, ist besser? Will Jesus das sagen? Wohl kaum – viele ohne Arbeit können ein Klagelied davon anstimmen.

Will Jesus sagen, es reicht, wenn eine Schwes­ter sich um das Alltägliche kümmert – dann hat die andere frei und kann Jesus zuhören? Denkbar ist das: Jesus als Vordenker der Arbeitsteilung – beim nächsten Besuch soll Maria kochen und Marta darf zuhören. Denkbar ist das, aber nicht deshalb schon wahr. Was also macht den Platz zu Jesu Füßen und das Horchen auf seine Worte zum „besseren Teil“?

Marta fordert Jesus zum Handeln auf

Die Lesungen vom 16. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) zum Hören finden Sie hier.

Von einem weiteren Besuch Jesu bei den Schwestern erzählt nicht Lukas, sondern Johannes im elften Kapitel seines Evangeliums. Wieder ist es Marta, die Jesus drängt einzuschreiten. Diesmal soll er allerdings nicht Maria an die Arbeit bringen, sondern Gott. Ihr Bruder Lazarus ist nämlich gestorben. Marta ist überzeugt, Jesus hätte das verhindern können, wenn er nur auf ihren Ruf hin schnell gekommen wäre. Jesus aber war nicht herbeigeeilt, um den Freund zu heilen, sondern blieb absichtlich länger fort. Marta hält ihm das vor und drängt ihn zu handeln: „Auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.“

Wieder lässt Jesus sich nicht durch Worte drängen. Stattdessen weist er auf die Auferstehung der Toten hin – Marta glaubt an die Auferstehung am letzten Tag, aber sie will ihren Bruder nicht in ferner Zukunft haben, sondern jetzt. Da antwortet Jesus ihr mit einem rätselhaften Wort, das wir heute, nach Jesu Tod und Auferstehung, leichter verstehen können als Marta damals. Jesus antwortet: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ Wer an Jesus glaubt, der lebt ein Leben, das kein Tod bezwingen kann. Es geht auch um das ewige Leben, aber Glauben und Leben gehören jetzt schon zusammen, nicht erst in ferner Zukunft.

Glaube als Geschenk Gottes

Thomas von Aquin formuliert das so: „Der Glaube ist der Beginn des göttlichen Lebens in uns.“ Unser Glaube ist nicht eine Ansammlung von Sätzen, die wir für wahr halten, sondern göttliches Leben. Deshalb wird der Glaube, der immer Geschenk Gottes ist, eine göttliche Tugend genannt. Aus diesem Grund hat Maria den besseren Teil erwählt: Glaube kommt vom Hören. Maria ist die, die zu Jesu Füßen saß und ihm zuhörte, während Marta „ganz davon in Anspruch genommen war, für ihn zu sorgen.“

Einen Vorgeschmack davon gibt die Geschichte in der ersten Lesung: Abraham wirft sich den drei Männern, die vor seinem Zelt auftauchen, zu Füßen, wie Maria; sie nehmen seine Einladung an und er sorgt für sie, wie Marta.

Rettung für die Gerechten

Der Autor
Thomas Möllenbeck
Thomas Möllenbeck ist Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Münster. | Foto: privat

Dann erhält er die Verheißung von Leben aus dem Tod: Seine kinderlose Frau Sara, die alt war, und in der, wie man damals sagte, das Leben schon erstorben war, soll im nächsten Jahr schon einen Sohn haben. Seine Frau Sara hört und lacht, Abraham hört und glaubt.

Die Geschichte geht weiter, als wir an diesem Sonntag in der Kirche hören: Weil Abraham vertrauenswürdig ist, lässt Gott ihn wissen, er werde Sodom zerstören. Abraham sorgt sich um seinen Neffen Lot mit Familie, die dort leben – er will sie vor dem Tod retten. Wie Marta mit Jesus rechtet: „Kümmert es dich nicht…?“, so rechtet Abraham mit den drei Männern: „Das kannst Du doch nicht zulassen …!“ Leben – Gott kann es in seiner alten Frau Sara erwecken – will Abraham nicht für sich allein. Rettung vor dem Tod, die in Gottes Hand liegt, will er für die Gerechten, die Gott doch nicht zusammen mit den Ungerechten zugrunde gehen lassen kann!

Glaube als Beginn des göttlichen Lebens

Der christliche Glaube ist der Beginn des göttlichen Lebens in uns – aber niemand glaubt allein. Wenn wir in der Taufe mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben (Römerbrief). Wir werden dem Leib Chris­ti eingegliedert und empfangen den Glauben von der Kirche. Im Kolosserbrief sagt Paulus, wie Jesus die Glaubenden an seiner Sendung teilnehmen lässt: Fürbitte reicht ihm nicht, Paulus darf sein neues, sein göttliches Glaubensleben für die anderen leben: „Ich freue mich in den Leiden, die ich für Euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt.“

Sämtliche Texte der Lesungen vom 16. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) finden Sie hier.

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