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Pater Elmar Salmann aus der Abtei Gerleve über Geheimnisse und teure Entdeckungen

Auslegung der Lesungen vom 17. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A)

Der Schatz im Acker: Das Sonntags-Evangelium gehört zu den vertrauteren Gleichnissen über das Reich Gottes. Wie sich - nicht auf Anhieb - offenbart, was am eigenen Leben wertvoll ist, sagt Pater Elmar Salmann aus der Abtei Gerleve in seiner Auslegung.

Der Schatz im Acker: Das Sonntags-Evangelium gehört zu den vertrauteren Gleichnissen über das Reich Gottes. Wie sich - nicht auf Anhieb - offenbart, was am eigenen Leben wertvoll ist, sagt Pater Elmar Salmann aus der Abtei Gerleve in seiner Auslegung

Wir seltsamen Erdenwesen unterliegen gern dem Wahn unendlicher Steigerung, folgen der Logik des ‚…und mehr‘: höher, tiefer, weiter, billiger, schneller soll alles gehen, bis dann ermattet nach Entschleunigung gerufen wird, die man auf den Malediven oder in der Karibik sucht. Dieser sich unendlich drehende Kreisel ist durch die Coronakrise jäh gestoppt worden, eine ganze Gesellschaft wurde zwangsweis stillgestellt. Immer noch taumelt sie unsicher in eine halbe Normalität, gehemmt von Sorge und vielen Maßnahmen des Schutzes, des Abstandes, des Vorenthalts.

Da mag es gut sein, von fernher Rat einzuholen, sich an der biblischen Weisheit zu orientieren. Und seltsam: dort wird Endlichkeit, Begrenzung, Umhegung keineswegs als nicht gesollte und gewollte Beschränkung angesehen, sondern als Segen, der manchmal schwer anzunehmen ist, aber im Ganzen doch als dem Leben angemessen, ja als wohltätig erfahren wird. Wir müssen uns nicht, dürfen uns aber ‚übernehmen‘, uns sogar entgegennehmen und schließlich bewähren in dem Rahmen, der uns gesteckt ist.

Jedes Leben ist ein Resonanzkörper

Die Lesungen vom 17. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A) zum Hören finden Sie hier.

In den Lesungen begegnen wir verschiedenen Weisen dieses Zuspruchs Gottes. Der Leser stößt auf eine orientalische Prunkgestalt, einen scheinbar allmächtigen Potentaten und König, den berühmten Salomo. Und was erfahren wir von ihm? Das erste ist nicht seine Einsetzung, gar ein Akt seiner Willkür, sondern die Frage und Aufforderung Gottes an ihn, sich etwas zu wünschen und zu erbitten. Er wird angegangen, auf die Probe gestellt, muss sich stellen. Wir belauschen sein Gebet, in welchem er seine schier unendliche Begrenztheit anerkennt, sich keinen Rat weiß und um Einsicht bittet, damit er dem endlichen Leben in seinen unabsehbaren Facetten gerecht werden möge. Er, der Recht spricht, von dessen Machtspruch Tausende abhängen, erbittet sich ein hörendes Herz. Darüber wäre lange nachzudenken, auch im Blick auf unsere Machthaber heute – und uns selbst.

Tiefer lotet der Römerbrief das Geheimnis des Endlichen aus. Dies wird nicht als Minderung oder Beeinträchtigung, sondern geradezu als Bestimmung des Menschen verstanden. Sein kleines Leben ist Ort und Vollzug seiner Berufung, dessen, was ihm gewährt, ermöglicht und darin eben möglich ist. Jeder Mensch ist sich zugesprochen, zugetraut, auferlegt – und dem zu entsprechen, sich selbst auf die Spur zu kommen, dazu braucht es die langen Jahrzehnte seiner irdischen Existenz. Man könnte auch sagen: Jedes Leben ist ein Resonanzkörper des göttlichen Anspruchs, des Wortes Gottes, das an ihn gerichtet ist. Das ganze Leben ist der tastende Versuch einer Antwort darauf.

Der Lebensweg - eine Schatzsuche

Der Autor
Elmar Salmann OSB
Pater Elmar Salmann war lange Jahre Theologieprofessor in Rom. Er lebt als Mönch in der Benediktinerabtei Gerleve. | Foto: P. Bartholomäus Denz.

Mit dem Evangelium kann man den Lebensgang auch als Schatzsuche verstehen, bei der man unverhofft auf das leuchtende Geheimnis des eigenen Selbst trifft, die Gegenwart Gottes im Herzen. Solch eine Entdeckung kommt einen immer teuer zu stehen, man muss dafür etwas riskieren, aufgeben, darauf wetten, sich aus- und einsetzen; das gilt von der Liebe, der Nähe zu Menschen, von jedem Beruf, der einen in Beschlag nimmt, jedem Lebenswagnis. Oft zahlt man scheinbar mehr, als man obenhin gesehen erhält, sehr oft wächst einem Leben aber dadurch seine Innenkraft und Innenlandschaft, seine Freiheit und Gestalt zu.

Das vermag der Mensch wohl erst im Tode, im Rückblick auf sein Leben zu erkennen. Davon sprechen die letzten Bilder des Textes, die dem heutigen Leser eher fremd erscheinen mögen. Am Ende, das Anfang ist, wird der Mensch des Reichtums und des Fehls seines Lebens inne, er wird konfrontiert mit der Zuwendung und Liebe Gottes und erkennt in diesem Licht die eigene Liebesfähigkeit und -bedürftigkeit, muss sich seinem Gott und vor allem sich selbst stellen. Altes und Neues wird da hervorgeholt und sichtbar, eine ungeheure Chance, Klarheit über sich und das Webmuster der eigenen Existenz zu gewinnen. Vielleicht geht ihm auch der geheime Glanz der eigenen, unverwechselbaren Einmaligkeit auf, die Herrlichkeit, das Leuchten des Auges, eben jener Schatz, den Eltern im Kind und Liebende aneinander ahnend erblicken, jenes Geheimnis, das jeder Mensch von Anfang an war und nun auf ewig aufgehoben ist im Raum Gottes.
 

Sämtliche Texte der Lesungen vom 17. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A) finden Sie hier.

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