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Altabt Laurentius Schlieker schreibt über die Brot- und Fisch-Vermehrung

Auslegung der Lesungen vom 17. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr B

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Die Lesungen dieses Sonntags sind eine einzige Einladung, Gott zu vertrauen, der immer schon dort ist, wo wir uns einfinden, der uns Lebensmut und Geisteskraft schenkt. Laurentius Schlieker OSB, Altabt der Benediktinerabtei Gerleve, legt die Lesungen dieses Sonntags aus.

In der ersten Lesung begegnet uns der Prophet Elischa, der mit Gott unterwegs ist und sich darauf verlässt, dass Gott unsere Leere ausfüllt. Wir verfügen in allen Bereichen unseres Lebens nur über begrenzte Ressourcen an dem, was Menschen brauchen. Hier gibt es nur zwanzig Brotrationen für hundert Menschen. Gott kommt seinem vertrauensvollen Diener entgegen und besorgt den fehlenden Rest. Er macht aus Elischa einen Schutzpatron der Vorratskammern.

Jesus beim Teilen von Broten und Fischen

Die Lesungen vom 17. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B) zum Hören finden Sie hier.

Das Evangelium erzählt, wie Jesus sein wahres Wesen beim Teilen von fünf Broten und zwei Fischen für die Fünftausend offenbart. Seine Gemeinde hat dieses Geschehen als ein Zeichen für das Eins-sein Jesu mit seinem himmlischen Vater und für seine Sendung als Brot für die Welt verstanden. Sein Ruf als Wundertäter führte zu einer sich anschließenden langen Diskussion Jesu mit den Lehrern seines jüdischen Glaubens.

Das sechste Kapitel bei Johannes ist das längste und dichteste aller Evangelien. Die darin enthaltene „Brotrede“ Jesu wird in Abschnitten an den kommenden vier Sonntagen gelesen. Im Johannesevangelium haben die Wunder Jesu die Bedeutung von „Zeichen“: Die Wandlung von Wasser in Wein und die Vermehrung von Brot und Fisch sind Aktionen, die zum Glauben verhelfen sollen. Diese Zeichen wollen einen Prozess in Gang setzen, an dessen Ende die Entscheidung zur Taufe steht.

Jesus zieht sich zurück

Wir können uns in der Perikope als Eucharistie feiernde Gemeinde wiedererkennen, geradezu in einem liturgischen Rahmen. Jesus als Vorsitzender nimmt seinen Platz ein, seine Jünger sollen die Gemeinschaft um ihn „zentrieren.“ Wie eine Nebenbemerkung, aber bedeutsam ist der Hinweis auf das bevorstehende Pessachfest. Wie die Menschen, die von seinen „Zeichen“ gehört haben, bewegen wir uns auf Jesus zu, begeben uns auf die Spur des Glaubens, der eine Suchbewegung ist.

Damals meinten die Leute, die satt geworden waren, zu wissen, wer Jesus ist: der verheißene und erwartete Messias. Am Ende der wunderbaren Speisung wollten die Menschen Jesus in der Hand haben. Er aber hatte sie eingeladen, sich so von ihrem Glauben nähren zu lassen, wie sie von Brot und Fisch satt geworden sind. Jesus öffnet keinen Schlagbaum zum Schlaraffenland. Daher zieht er sich zurück und lässt sich nur „auf dem Berg“ finden, im Geheimnis seiner innigen Verbundenheit mit Gott – von denen, die bereit sind, in eine Schicksalsgemeinschaft mit ihm zu treten.

Jünger geraten in einen Sturm

Der Autor
Altabt Laurentius Schlieker OSB
Laurentius Schlieker OSB ist Altabt der Benediktinerabtei Gerleve. | Foto: Michael Bönte

Leider bricht der Lesungstext an dieser Stelle ab; denn unmittelbar schließt sich die wichtige Begebenheit an, wie es mit der kleinen Gruppe der Jünger weitergeht, die sich in den Glauben hineinwagt (6,16-21). Nach der Regieanweisung des Johannesevangeliums wird es dunkel, die Lichter gehen aus. Die Jünger geraten beim Überqueren des Sees mit ihrem Boot in einen lebensgefährlichen Sturm. Da kommt Jesus über das Wasser zu ihnen und spricht das eucharistische Wort: „Ich bin es.“ Ich bin es leibhaftig! Damit wird der liturgische Rahmen für diesen Evangelienabschnitt deutlich. Für uns ist der herausragende Ort der Begegnung mit dem Herrn die sakramentale Feier seines Todes und seiner Auferstehung, die Kommunion mit ihm, der in seiner Person die Einladung Gottes ist, uns ihm anzuvertrauen. Jesus zieht uns an sein Herz, ohne damit unseren Glauben zu erzwingen. Und er kommt immer auf menschlichen Wegen zu uns.

In der Eucharistie nehmen wir Jesus buchstäblich in unsere Hände, in unser Leben hinein. Wir werden zu Zeugen Jesu, wenn wir wie die Jünger in unsere Boote steigen und auf dem Meer des Lebens versuchen, den Glauben zu leben, zu dem Jesus uns einlädt. Auch wir rudern in den dunklen und stürmischen Stunden und arbeiten uns ab. Glauben bedeutet, uns ständig in das Bild Jesu verwandeln, unseren inneren Kern berühren zu lassen, damit Gottes Geisteskraft unsere Emotionen, Worte und Taten imprägnieren kann. Trotz unserer Zerbrechlichkeit und Macken reflektieren wir die Herrlichkeit Jesu. Auf’s Neue in Demut, Wahrheitsliebe, Friedfertigkeit und Geduld das Band des Friedens zu stärken (2. Lesung) bleibt uns aufgegeben. Damit werden wir nie fertig. Es kommt aber immer auf ihn an, der an Ostern auf die Seinen zugeht und sie anspricht: Friede mit euch!

Sämtliche Texte der Lesungen vom 17. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B) finden Sie hier.

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