Barbara Kockmann über Burnout, Brot und die Stärkung durch Gott

Auslegung der Lesungen vom 19. Sonntag im Jahreskreis (B)

Er kann nicht mehr. Das passiert auch Elija, dem großen Propheten. Aber Gott hilft ihm. Er stärkt auch uns mit einem besonderen Brot. Gedanken zu den Lesungen des Sonntags von Pastoralreferentin Barbara Kockmann.

Der Begriff Burnout begegnet mir ständig in Print- wie auch TV- und Internetmedien. Bekannte, die sich krankschreiben lassen, weil sie einfach nicht mehr können, weil sie eine innerliche Leere spüren, weil sie antriebslos sind, weil sie von ihrem „toten Punkt“ nicht wegkommen.

Laut DAK-Gesundheitsreport von 2018 sind über 15 Prozent der Krankheitstage von Arbeitnehmern auf psychische Störungen zurückzuführen. Außerdem steigt die Zahl derer, die wegen einer psychischen Erkrankung vorzeitig in Rente gehen müssen. Unwillkürlich musste ich beim Text über Elija daran denken.

Elija ist am Ende

Elija, der wortgewaltige und großartige Prophet Gottes, kann nicht mehr, ist am Ende, weiß nicht mehr ein noch aus und will nicht mehr leben.

Elija ging eine Tagesreise weit in die Wüste hinein. Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: „Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter.“ Er legte sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein. Doch dann erscheint in dieser Sackgasse, in dieser Trostlosigkeit ein Ausweg.

Das Evangelium vom 19. Sonntag im Jahreskreis (B) zum Hören und Sehen auf unserem Youtube-Kanal.Das Evangelium vom 19. Sonntag im Jahreskreis (B) zum Hören und Sehen auf unserem Youtube-Kanal.

Vom Himmel her reicht ihm ein Engel Speise und Trank. Elija stärkt sich damit und macht sich wieder auf den Weg. Er hat seinen toten Punkt überwunden. Durch diese himmlische Speise hat er wieder Kraft, Lebensmut und Lebenswillen bekommen. Er setzt seinen Weg zum Gottesberg Horeb unbeirrt fort.

Brot, um das wir uns nicht kümmern müssen

Genauso sollen wir mit Hilfe der himmlischen Speise, mit der Gott uns jeden Tag aufs Neue Kraft gibt, unseren Lebensweg gehen. Gott schenkt uns unser tägliches Brot, um das wir uns nicht selbst zu kümmern brauchen, in Person von Jesus Christus.

Ich habe ähnliche Situationen wie Elija selbst schon erlebt. Genauso wie Gott Elija nicht seinem Schicksal überlässt, dürfen auch wir darauf vertrauen, dass Gott uns nicht im Stich lässt, sondern uns immer unerschütterlich zur Seite steht. Gehören wir doch zu seinen geliebten Kindern (Eph 5,1).

Die Bibel und das Essen

In der Bibel kommt das Wort Essen 416-mal vor, von Brot ist 376-mal die Rede, von Wein sogar 543-mal. Bezogen auf ein Jahr ist das öfter als einmal pro Tag. Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen. Und wer selber einmal ausgehungert war oder großen Durst auszuhalten hatte, der kann bestätigen, dass ein Mangel an Nahrung und Wasser persönlichkeits- und wesensverändernde Wirkung auslöst.

Jesus bezeichnet sich im Evangelium als das „Brot des Lebens“ und als das „lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist“. In der großen „Brotrede“ im sechsten Kapitel des Johannes-Evangeliums haben diese Aussagen einen zentralen und übergeordneten Stellenwert.

Wovon leben wir?

Um sie herum ist alles andere, was Jesus in dieser Rede von sich sagt, angeordnet. Sie wird dreimal wiederholt, so am vergangenen wie am kommenden Sonntag, und beweist damit um so mehr ihre hohe Bedeutung.

Die Autorin
Barbara Kockmann ist Pastoralreferentin in Heilig Kreuz Dülmen und Geistliche Leiterin der KJG. | Foto: privatBarbara Kockmann ist Pastoralreferentin in Heilig Kreuz Dülmen und Geistliche Leiterin der KJG. | Foto: privat

Jeden von uns plagen letztendlich die gleichen existentiellen Fragen: Wovon leben wir? Was sind der Sinn und die Ziele unseres Lebens? Genau da setzt Jesus an. Wir brauchen nicht nur Nahrung für unseren Körper, sondern auch geistige Nahrung für unsere Seele.

Die Rolle der Eucharistie

Wie und wann ist Jesus das „Brot unseres Lebens“ und spendet uns geistige Nahrung? Er ist es, wenn wir sein Wort hören, wenn wir zu ihm beten und uns mit seinen Reden wie mit seinen Taten konfrontieren.

In ganz besonderer Weise ist Jesus aber das „Brot des Lebens“, wenn wir das Geheimnis seines Todes und seiner Auferstehung feiern. In der heiligen Eucharistie ist Jesus im buchstäblichen Sinne als Brot gegenwärtig und schenkt sich uns. Wir begegnen ihm darin, wie er leibt und lebt.

Völlige Hingabe

Das ist seine Verheißung und Zusage: „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, das gebe ich hin für das Leben der Welt.“ Er will, dass wir nicht nur ihn, sondern seine Wesenszüge annehmen und ihn verinnerlichen.

Wir sollen ihn uns „einverleiben“ und seinen Charakter, seine Persönlichkeit und seine Nächstenliebe übernehmen, in uns aufnehmen und weitertragen. Er schenkt uns Orientierung und zeigt uns den Weg zum ewigen Leben, indem er uns zuruft: „Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.“

Selbst Brot sein für andere

Der Hunger nach Glück wird gestillt, wenn wir Jesus als unsere Lebensgrundlage in unseren Alltag hineinlassen mit seiner Liebe, seinem Frieden, seiner Freundschaft, seiner Geduld. All das ist das lebendige Brot, das was wir zum Leben brauchen.

Mir macht diese Bibelstelle Mut, für andere zum Brot des Lebens zu werden. Meinen Mitmenschen zu helfen, ihren toten Punkt zu überwinden und ihren Lebensweg gestärkt fortzusetzen.