Florian Schulz aus Ostbevern über To-Do-Listen und Glaube

Auslegung der Lesungen vom 19. Sonntag im Jahreskreis (C)

Kann ich nach Checkliste glauben? Florian Schulz, Pastoralreferent aus Ostbevern, legt die Lesungen dieses Sonntags aus.

Die Couch steht, die Kisten sind ausgepackt, Schränke, Schubladen und alle weiteren Organisationshelfer sind aufgestellt und angebracht; der Umzug ist gemeistert. Wir sind eingerichtet. Viele von uns kennen das, sind schon einmal umgezogen und wissen, wie wichtig es für die Gemütlichkeit ist, dass die Couch im Wohnzimmer steht, und dass es für die Ordnung wichtig ist, dass Schränke und Regale stehen. Dann ist man so gut wie eingerichtet, ist man fast schon angekommen, und es gewinnt an Heimeligkeit.

Bitte nichts Unerwartetes!

Die Lesungen vom 19. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) zum Hören.

Nicht nur unsere Wohnungen sollen gut strukturiert, gemütlich und anheimelnd eingerichtet sein, auch in unserem Leben wollen wir uns gut einrichten und es gut strukturieren. So führen wir „To-Do-Listen“, strukturieren unsere Tage und versuchen, nichts dem Zufall zu überlassen. Wir führen streng Terminkalender und lassen uns auf digitalem Weg über bevorstehende Termine informieren. So sind wir nicht mehr allzu wachsam. Unerwartetes würde nur stören.

Mit unserem Glaubensleben verfahren wir manchmal ganz ähnlich. Auch der landet auf einer „To-Do-Liste“ und wird dann abgehakt. Sonntags, Kirchgang? Check! Aber erwarte ich da noch etwas vom Glauben? Lass ich mich noch von seiner Botschaft stören oder habe ich meine Religion und mein Leben gut eingerichtet, sodass es gut für mich passt? Erwarte ich das Kommen Christi?

Jesu Kommen würde stören

Ganz ehrlich, es würde mich stören in meinem bequemen Leben. Da reißt mich an diesem Sonntag Jesus plötzlich aus der Gemütlichkeit und redet mir ins Gewissen. Mit Mahnungen, Gleichnissen, Weisungen und Sprüchen will er mich ermutigen, auffordern und drängen.

Jesus fordert mich auf, meine Bequemlichkeit und meine Angst vor dem Ungewissen abzulegen. Ich darf zuversichtlich und hoffnungsvoll sein, da Gottvater beschlossen hat, uns sein Reich zu geben.

Das klingt sehr fromm, bedeutet aber, dass ich nicht immer nur auf das Hier und Jetzt schauen und für mich Vorsorge treffen muss, ich darf auf Gott vertrauen. Auf sein Wirken und darauf, dass er mich nicht fallen lässt. Wenn ich auf Gott vertraue, mit ihm in Beziehung trete und mein Leben nach ihm ausrichte, dann kann ich auch eine Haltung der Großzügigkeit, eine Haltung des Gebens entwickeln. Dann kann ich teilen, sowohl Besitz als auch Zeit.

Es ist meine Verantwortung

Wachsam soll ich sein. Erwartungsvoll. Nach Gott, nach Jesus Ausschau halten. Denn ich weiß nicht, wann und wie er kommt. Da gibt es keine vorherige Erinnerung durch mein Smartphone. Vielleicht verpasse ich Jesus im Hier und Jetzt, weil ich nicht aufmerksam genug bin und ihn nicht in der leisen Anfrage meiner Mitmenschen erkenne, in der er mir begegnen will.

Der Autor
Florian Schulz
Florian Schulz ist Pastoralreferent der Pfarrei St. Ambrosius Ostbevern | Foto: Klaus Brandes (Pfarrei St. Ambrosius Ostbevern)

Er fordert mich auf, Verantwortung anzunehmen und zu übernehmen. Gott überträgt mir Verantwortung alleine dadurch, dass er mir mein Leben schenkt als Aufgabe und Gabe. Dann ist da die Verantwortung meinen Mitmenschen gegenüber, die mich brauchen in Wort und in Tat. Die auch meinen Alltag, in dem ich mich so schön eingerichtet habe, stören können, wenn sie mich benötigen. Und die ich dann vielleicht auch lieber ignoriere.

Scheitern inbegriffen

Als Letztes trage ich Verantwortung mir selbst gegenüber, dass ich auf mich und meine Begabungen aufpasse und sie nicht verkümmern lasse. Dass ich schaue, welche Potenziale in mir noch schlummern, die sonst in meinem perfekt geplanten Alltag so nicht zur Geltung kommen können.

Das ist eine „To-Do-Liste“, die es in sich hat, an der man auch immer wieder scheitern wird. Aber sie ist nicht nur Herausforderung, sondern auch Einladung, den Glauben und das Leben aus ihm heraus ernst zu nehmen und immer wieder zu versuchen, dem Glauben an und dem Leben aus Jesus Christus Gestalt, Hand und Fuß zu geben, sodass aus einem „Sonntags, Kirchgang? Check!“ ein „Jeden Tag, wie ein Christ leben? Check!“ werden kann.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 19. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C).