Von magischen Momenten, die man zum Glück nicht festhalten kann

Auslegung der Lesungen vom 2. Fastensonntag (A)

Basilika der Verklärung auf dem Berg Tabor in Israel.
Basilika der Verklärung auf dem Berg Tabor in Israel.Foto: Michael Bönte

Ein merkwürdiges Wort steht über dem Evangelium dieses Sonntags: »Verklärung«. Es muss ein so großartiges Ereignis gewesen sein, dass sogar Petrus es mit allen Mitteln festhalten wollte. Aber der Glaube geht einen anderen Weg.

Das Evangelium zum Hören.

Wie viel Gottvertrauen braucht man, um keine Hütten zu bauen? Dies soll der Leitspruch zu diesem zweiten Fastensonntag sein. Eine Hütte, ein Haus, ein Dach über dem Kopf, ein Ort zum Bleiben und zum Wiederkommen, Heimat, Schutz und Wohlfühlen. Das wollte Petrus wohl schaffen, indem er anbot, Hütten für Moses, Elija und Jesus zu bauen.
Die Verklärung Jesu geschieht, kurz nachdem er erstmals seinen Tod und seine Auferstehung angekündigt hat. So begibt sich Jesus mit wenigen seiner Jünger auf einen Berg, wo sie Zeugen seiner Verklärung werden. Jesus steht erhellt und sonnengleich in einem strahlend-weißen Gewand vor ihnen und wird von den beiden Propheten Mose und Elija begleitet.

»Das ist mein geliebter Sohn«

Petrus will den Dreien Hütten bauen, doch in diesem Moment spricht aus einer Wolke Gottes Stimme: »Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.« Die Jünger sind verängstigt und werfen sich nieder. Als sie wieder aufblicken, sind Mose und Elija nicht mehr zu sehen. Die Jünger gehen mit Jesus den Berg wieder hinab und er gebietet ihnen, nicht über diesen Vorfall zu sprechen.

Bei der Beschäftigung mit dieser Bibelstelle kam mir natürlich der Begriff der Verklärung in den Sinn. Bei genauerem Nachdenken habe ich mich allerdings gefragt: Verklärung – was ist das eigentlich? Das ist ein so altes und sehr selten genutztes Wort. Was versteht man darunter? Nach einer kurzen Recherche im Internet stellt sich heraus, dass Verklärung laut Duden, »jemanden (oder) etwas ins Überirdische erhöhen und seiner Erscheinung ein inneres Leuchten, Strahlen verleihen« bedeutet.

Wer festhält, der zerstört

Das ist eine perfekt zugeschnittene Übersetzung der biblischen Aussage. Dann wird jedoch klar, warum dieses Wort sonst so selten genutzt wird, es gibt diesen Moment kein zweites Mal. Das war eine einmalige und so unfassbar besondere Situation, dass ich kaum nachvollziehen kann, was die Jünger in diesem Moment empfunden haben müssen.

Die Autorin
Julia HielscherJulia Hielscher ist Masterstudentin der Theologie an der WWU und der Kunst an der Kunstakademie in Münster. | Foto: privat

Als Petrus die beiden Propheten bei Jesus sah, hatte er wohl nur den einen Wunsch, diesen Moment festzuhalten und diesen drei Personen mit den Hütten einen Ort zu geben, wo sie bleiben konnten. Dieser Moment, als Jesus sich vor den Augen der Jünger verwandelt und in strahlend-weißen Gewändern leuchtet wie die Sonne, muss unfassbar gewesen sein. Da kann man verstehen, dass Petrus diesen Moment »einfrieren« wollte, für immer so festhalten wollte. Aber gerade durch diesen Versuch, alles so zu behalten, wie es ist, hat er den Moment zerstört.

Warum nur vergeht die Zeit wie im Flug?

Wie oft wollte ich einen magischen Moment für immer bestehen lassen? Warum vergeht die Zeit wie im Flug, wenn man glücklich ist? Die Zeit bleibt nie stehen, sie läuft immer weiter, und so kann ein kleiner Moment zu einer gefühlten Ewigkeit heranwachsen, aber er wird niemals für ewig bestehen.

Bin ich menschlich und brauche Sicherheit oder kann ich auf Gott vertrauen, den Moment genießen und akzeptieren, wenn er vorbei ist? Würde ich wie Petrus Hütten bauen wollen oder würde ich die Unfassbarkeit dieses Augenblicks realisieren und geschehen lassen? Kann ich in meinem Alltag Dinge einfach geschehen lassen?

Und so frage ich mich: Wie viel Gottvertrauen brauche ich, um auf Gottes Wort zu vertrauen?