An Gott zu glauben, ist mühsam, meint Ludger Bornemann aus Münster

Auslegung der Lesungen vom 2. Fastensonntag (C)

Es ist ein steiniger, manchmal auch steiler Weg durch die Fastenzeit bis Ostern. Eine Gipfel-Geschichte berichtet das Evangelium dieses Sonntags. Ludger Bornemann, Priester in Münster, erläutert, was es mit Höhepunkten und Tiefenerlebnissen der Bibel auf sich hat.

Mit dem Taxi ist man schnell oben auf dem Berg Tabor – wobei manch einer bei der Fahrt mehr betet als bei der ganzen Pilgerreise im Heiligen Land. Herausfordernder ist der Wanderweg, den man auch benutzen kann, der recht steil bergan führt. Man muss achtgeben, um auf den sandigen, steinigen Pfad nicht auszurutschen. Ein schweißtreibendes Unternehmen, bei dem man oft auf den Boden schauen muss, um nicht zu stolpern und die Markierungen der Vorgänger nicht aus dem Blick zu verlieren. Nach etwa einer Stunde sind die 300 Höhenmeter geschafft, und man ist oben. Erst da kann man die Aussicht genießen.

Die Lesungen des 2. Fastensonntags (Lesejahr C) zum Hören finden Sie hier.

Der Aufstieg auf den Berg – in der alten monastischen Tradition ist das ein Bild für das Gebet gewesen, verstanden als Läuterungsweg, der zur Sammlung führt und innerlich frei macht für tiefere Empfindungen, auch für das Göttliche. Mose und Elija könnten davon erzählen, von ihren Anstrengungen am Berg Sinai, am Gottesberg Horeb. Davon, wie mühsam dieser Weg des Glaubens, des Gebetes ist – dass er durchs Dunkel führt und erst dann zum Licht.

Ein merkwürdiges Ritual

Am Anfang steht Abraham. Von ihm als Urgestalt des Glaubens wird erzählt, dass er für seine Zukunft auf Gott vertraut. In diesem Vertrauen auf Gott hat er das Vertraute verlassen und ist aufgebrochen. Auch dieser Weg ist steinig und führt erst durchs Dunkel zum Licht und zur Freiheit.

In der Ersten Lesung ist Abraham schon aufgebrochen – die Erzählung beginnt bei Tageslicht. Abraham redet mit Gott und bereitet ein damals schon uraltes Ritual vor: Er nimmt dreijährige Tiere, zerteilt sie und bildet eine Gasse dazwischen. Nach altem Brauch müssen zwei Parteien, die einen Bund miteinander schließen, durch diese Gasse gehen und damit zeigen: So soll es mich zerreißen, wenn ich den Bund breche.

Und dann wurde es dunkel um Abraham

Abraham soll also im Glauben an Gott auf Gegenseitigkeit bauen. Im Text ist dieses Bundesritual von Anfang an bedroht: Raubvögel stoßen auf die Szene nieder. Es wird Abraham nicht leicht gemacht, mit Gott einen Bund einzugehen. Auch wenn es ihm gelingt, die Vögel zu verscheuchen, überkommt Abraham Angst und Schrecken. Es wird dunkel, und Abraham fällt in einen schweren Traum. Da durchleidet er die ganze Ungewissheit des Menschen, der nicht weiß, wer er ist, ob ihm Zukunft gegeben ist, ob er Lebensraum finden wird.

Ludger BornemannLudger Bornemann ist Rektor im Canisiushaus Münster und Geistlicher Leiter im Deutschen Verein vom Heiligen Land. | Foto: Michael Bönte

In diesem Traum sieht Abraham: Das alte Ritual für den Vertrag zwischen zwei Menschen wird von Gott einseitig erfüllt. Abraham sieht Gott im Bild der Feuerfackel. Von ihr wird gesagt: „Sie zog zwischen diesen Stücken hindurch.” Mitten im Angsttraum des Menschen gibt Gott seine Zusage und sein Versprechen: Dir wird Zukunft gegeben und Raum zum Leben.

Abraham stand am Anfang, Mose wird zum Höhepunkt im Alten Testament. Aus dem Bund Gottes mit dem Einen wird der Bund Gottes mit dem ganzen Volk. Gott, der Israel aus der Sklaverei geführt hat, schließt durch Mose einen Bund mit seinem Volk. Sie sollen nicht mehr dem Pharao und anderen Herren untertan sein, sondern ganz Gott gehören.

Treue hat mit Vertrautheit zu tun

Das Evangelium zeigt uns Jesus im Gespräch mit Mose und Elija. Beide stehen als Propheten für den Bund Gottes mit Israel. Alles, was mit Jesus zu tun hat, steht im Zusammenhang mit diesem Bund. Der Treue Gottes zu trauen – dazu will uns Jesus ermutigen. Christlich glauben verweist immer auf die Geschichte Israels.

Auf dem Berg wird sich Jesus seines himmlischen Vaters sicher. Das liegt nicht nur am Gespräch mit Mose und Elija. Vielmehr beginnt das ganze heutige Evangelium damit, dass Jesus auf den Berg geht und dort betet. Im Gebet teilt sich die Herrlichkeit Gottes Jesus mit; die Jünger aber schlafen. Er ist allein im stillen Gebet. Treue hat also mit Vertrautheit zu tun. Im Gebet wird Jesus mit seinem himmlischen Vater vertraut – und nimmt seine Jünger mit auf den Berg, um sie hinein zu nehmen in diese vertraute Nähe zu Gott. Auch wenn die Apostel im Augenblick noch verschlafen sind und Petrus noch „nicht wusste, was er sagte“, so hat sie Jesus doch mitgenommen, wie sie später verstehen werden.

Petrus versteht gar nichts

Petrus versucht, eine Erfahrung festzuhalten, die er vorne und hinten nicht versteht. Wenige Abschnitte im Evangelium sind so deutlich symbolisch zu lesen wie das Evangelium von der Verklärung Jesu auf dem Berg.

Erst der Auferstandene wird den Jüngern unterwegs nach Emmaus darlegen, „ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht“. Festzuhalten bleibt das nicht – aber es kann unterwegs aufleuchten im brennenden Herzen.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 2. Fastensonntag (Lesejahr C) finden Sie hier.