Pfarrer Karsten Weidisch fragt: „Wie lange bleibt ein Kleid weiß?“

Auslegung der Lesungen vom 2. Ostersonntag (A)

„Weißer Sonntag“ wird der zweite Ostersonntag auch genannt. Warum das so ist, erklärt Pfarrer Karsten Weidisch. Und er verrät, was der Apostel Thomas mit einem DNA-Test zu tun hat.

„Weißer Sonntag“ – so wird der zweite Ostersonntag nach wie vor gern genannt. Mit ihm endet die Osteroktav; zugleich lässt er der fünfzigtägigen Osterzeit weiterhin ihren freudigen Halleluja-Schwung bis zum Pfingstfest. Warum eigentlich dieser Name: „Weißer Sonntag“? Weil in dieser Woche die in der Osternacht und ursprünglich nur zu diesem Zeitpunkt Neugetauften zum „Outing“ ihres frischen Christseins ihre weißen Taufkleider stolz getragen haben.

Die bekannte Tradition, an diesem Sonntag die Erstkommunion zu feiern, ist deutlich jünger. Und nicht nur wegen des traditionellen Sonntagsnamens ist es meines Erachtens sinnvoll, über einheitliche weiße Kleider zum Ausdruck des gemeinsamen Getauftseins bei der Erstkommunion neu nachzudenken und damit den familiären Stress- und Finanzfaktor „Klamottenzauber für das Fest“ herauszukicken.

Warum verdunkeln wir das Osterlicht?

Aber egal in welchem Style, es gilt die Zusage: Einmal getauft, immer getauft! Das bedeutet: Du gehörst dazu; du bist Teil der Gemeinschaft; du bist durch das grandiose Osterereignis von Tod und Auferstehung Jesu Christi aus der Verstrickung in Sünde und Tod radikal befreit. Welch freimachende Botschaft und dauerhafte Liebeszusage Gottes! Welch geniale Berufung!

Das Evangelium zum Hören.

Warum aber tun wir uns oft so schwer, dieses Ostergeschenk der vollen Befreiung und Erlösung anzunehmen? Warum verdunkeln wir das helle Osterlicht nur so oft? Dass wir in unserer Menschlichkeit nicht immer richtig liegen, reden und handeln, ist so klar wie das Amen in der Kirche. Nach einer ganzen Woche in den weißen Taufkleidern damals werden diese auch nicht mehr so strahlend weiß gewesen sein wie beim Anziehen, sondern gräulich und fleckig.

Christsein ist kein Stressfaktor

Doch genau darum weiß Gott. Er will uns als Menschen und ist deshalb diesen Menschenweg selber gegangen in seinem Sohn Jesus Christus. Nein, es heißt nicht, dass wir durch unser Christsein zu Engeln in herkömmlicher Vorstellung geworden sind! Nein, Christsein ist doch nicht als Stressfaktor gemeint! Christsein ist Berufung zum Leben. Fehltritte und auch das Zweifeln an der Großartigkeit Gottes und seiner Erlösung gehören zu einem lebendigen Glaubensweg immer mit dazu.

Der Apostel Thomas, von dem wir immer am zweiten Ostersonntag im Evangelium hören, belegt das. Er zweifelt. Weil er nicht dabei war. Er kann einfach nicht glauben, was die anderen sagen. Er fordert den Beweis. Er sperrt sich innerlich und nachvollziehbar. Wir wissen, dass er das Glück hat, dem Auferstandenen live zu begegnen, macht jedoch vom Angebot des Touch-me-Tests keinen Gebrauch, sondern kriegt die Kurve zum Glauben ohne Beweis. „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20, 28)

Thomas' „DNA-Test-Wunsch“

Das macht ihn so sympathisch für uns, weil wir oft genauso unterwegs sind. „Selig, die nicht sehen und doch glauben.“ (Joh 20, 29) – das ist unsere Situation! Glauben und eben nicht wissen. Aus dem Dilemma kommen wir nicht heraus. „Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern?“ (Mt 6, 27). Also: Lass dich drauf ein; versuche zu glauben; lass dich einfach mal beschenken von Gott!

Der Autor
Karsten Weidisch ist Pastor in St. Joseph in Münster. | Foto: PrivatKarsten Weidisch ist Pastor in St. Joseph in Münster. | Foto: Privat

Für uns gilt: Hoffen, glauben und leben jetzt in diesem eschatologischen Vorbehalt. Und wie? So wie es die ersten Christen damals taten in ihrem Glaubens- und Lebens-Vierschritt: „Die Gläubigen hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten“ (Apg 2,42).

Da erscheint es schon perfekt, dass zu den Aposteln auch Thomas gehört mit seinem inneren „DNA-Test-Wunsch“. Taufkleid-Berufung auch mit Flecken und im Grauschleier! Sie „hielten miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens“ (Apg 2, 46). Lebe Glauben!

Die Texte aller Lesungen und des Evangeliums vom 2. Ostersonntag (A) finden Sie hier.