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Kerstin Stegemann: Das Reich Gottes braucht Hartnäckige

Auslegung der Lesungen vom 20. Sonntag im Jahreskreis (A)

Wer soll zu Jesus gehören, zum "Reich Gottes"? Die Lesungen dieses Sonntags sprechen von einer enorm weiten Gemeinschaft. Für Kerstin Stegemann, Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster, eine "wunderbaren Perspektive".

Um wen geht es Jesus? Wer soll zu ihm gehören und zu dem, was er "Reich Gottes" nennt? Die Lesungen dieses Sonntags sprechen von einer enorm weiten Gemeinschaft. Kerstin Stegemann, Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster, spricht in ihrer Auslegung von einer "wunderbaren Perspektive".

Mir fallen die kleinen Dinge im Alltag immer viel leichter als die großen. Ein Vorsatz oder eine Absicht, die schnell umgesetzt ist, führt oft zu einem schnellen Erfolgs­erlebnis. Kurzfristig fühlt sich das gut an. Aber auf Dauer bringt mich das nicht so richtig weiter. Vor lauter kleinen Schritten droht mir das Große aus dem Blick zu geraten.

Mit den wirklich großen Dingen zu beginnen, ist die eigentliche Herausforderung. Gerade wenn mir etwas fremd erscheint, ich mich in einer Materie unsicher fühle, schiebe ich das gern mal vor. Hier muss ich mich überwinden, meine Prioritäten klar setzen und mich so richtig auf den Weg machen.

Diese Frau lässt sich nicht einschüchtern

Die Lesungen vom 20. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A) zum Hören finden Sie hier.

Daher hat die Frau in dem Abschnitt aus dem Matthäus-Evangelium meinen absoluten Respekt: Sie überwindet sich und tritt mit aller Vehemenz für ihr Anliegen ein. Sie schreit hinter Jesus her, um auf sich und ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Jesus ignoriert sie zunächst. Seinen Jüngern ist es fast schon unangenehm, wie sie ihnen hinterherruft. Die Frau ist sich dessen bewusst.

Hinzu kommt, dass sie einem anderen Volk angehört. Von all dem lässt sie sich aber nicht einschüchtern und fordert eine Reaktion ein. Weil ihr das Anliegen wichtig ist und weil sie fest davon überzeugt ist, dass nur Jesus ihrer Tochter helfen kann.

Mit Hartnäckigkeit und Mut

In diesem Fall zahlen sich der Mut und die Hartnäckigkeit dieser Frau aus. Sie gibt sich nicht damit zufrieden, abgewiesen zu werden. Das macht mir Mut! Es zeigt mir, dass es sich lohnt, dran zu bleiben und nicht gleich aufzugeben.

Die Textstelle zeigt noch etwas anderes: In meiner Beziehung zu anderen darf ich nicht an äußeren Grenzen haltmachen. Diese Frau gehört einem anderen Volk an als Jesus. Dennoch hilft er ihr. Er macht es nicht davon abhängig, wer sie ist oder woher sie kommt, sondern sieht auf ihren Glauben. So können wir es auch bei Jesaja erfahren. Gott will das Heil für alle Menschen, unabhängig davon, wo sie herkommen oder leben. Alle, „die sich dem Herrn angeschlossen haben, die ihm dienen und seinen Namen lieben“, die führt er zum Heil. Es ist zu lesen: es „wird ein Haus des Gebetes für alle Völker geben“. Auf derselben Linie sagt Paulus: Gott will sich „aller erbarmen“.

Eine wunderbare Vorstellung! Eine Welt, die nicht nach Herkunft unterscheidet, sondern die alle gleichbehandelt, die sich unter Gottes schützende Hand begeben.

Viele haben keine Chance

Die Autorin
Kerstin Stegemann
Kerstin Stegemann ist Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster.

Leider zeigt sich die Realität oft anders. Ob jemand ein auskömmliches Leben führen kann, hängt maßgeblich davon ab, wo jemand unter welchen Bedingungen geboren wurde. Viele haben gar nicht die Chance, sich ein Leben zu erarbeiten, wie sie es sich wünschen, weil sie beispielsweise aufgrund von Herkunft oder Geschlecht diskriminiert werden. Dies ist nicht die Welt, wie sie in der Textstelle beschrieben wird, dies ist nicht Gottes Plan für unsere Welt.

Als Christinnen und Christen tragen wir eine Verantwortung, die weit über unser eigenes Leben hinausgeht. Ich gehöre zur Christlichen Arbeiterjugend (CAJ), darum zitiere ich hier gern den Gründer unserer Bewegung, Kardinal Cardijn: „Jeder Mensch ist mehr wert als alles Gold der Welt, weil er oder sie Sohn oder Tochter Gottes ist.“ Für mich war das immer ein sehr leitender Satz. Jeder Mensch hat Würde und verdient es geliebt zu werden. Dazu braucht es keine Vorleis­tung, keinen Verdienst. Einfach weil wir Töchter und Söhne Gottes sind, werden wir geliebt und haben unsere Würde.

Alle sind von Gott gewolllt

Das ist die Sicht, die ich auf meine Nächsten haben will. Unabhängig vom Alter, Geschlecht, Herkunft oder sozialem Status: Ich versuche, alle Menschen um mich herum als von Gott gewollt und geliebt zu betrachten. Das ist gar nicht immer leicht, und natürlich ärgere ich mich auch mal über den einen oder die andere. Aber zentral ist dabei die Haltung: Ich versuche den anderen zu respektieren, meinem Gegenüber Wertschätzung entgegenzubringen und immer im Hinterkopf zu bedenken, was diese Person vielleicht leitet und bewegt.

Es ist wie am Anfang beschrieben: Im Kleinen fällt mir das manchmal leicht, aber wenn es um die großen Dinge geht, muss ich ganz schön etwas dafür tun, dass mir das gelingt. Als Christin sehe ich hier aber meinen Auftrag: Gemeinsam mit vielen weiteren an der Verwirklichung des Reiches Gottes auf Erden mitzuwirken. Und das selbst dann, wenn es mal unbequem wird.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 20. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A) finden Sie hier.

 

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