Niklas Belting aus Oelde über Zuspätkommen, verschlossene Türen - und das, was wirklich zählt

Auslegung der Lesungen vom 21. Sonntag im Jahreskreis (C)

Da reden alle von einer einladenden Kirche, und Jesus spricht im Evangelium dieses Sonntags von einer engen Tür und einem unwilligen Türhüter. Was daran frohe Botschaft sein soll, erklärt Kaplan Niklas Belting aus Oelde.

Zu spät!“ Das könnte man als Überschrift über das Evangelium vom heutigen Sonntag setzen. Jesus berichtet in einem Gleichnis von der Endzeit. Das ist ein Schreckensszenario. Die Tür ist verschlossen, kein Drängen und ehrliches Bitten bringt noch etwas, die Tür ist und bleibt zu.

Die Lesungen vom 21. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) zum Hören finden Sie hier.

Eine Vision, die mich sehr an das erinnert, was ich Gott sei Dank nie erlebt habe, aber Generationen von Gläubigen vor uns im Innersten bewegt und getroffen hat: Die Angst vor der Hölle, die Angst davor, von Gott zurückgewiesen zu werden und auf ewig unglücklich zu sein.

Warum erzählt Jesus das so? Warum macht er uns an diesem Sonntag so eine Angst? Kann es bei Gott, den wir barmherzig und gütig nennen, wirklich ein „Zu spät“ geben?

Peinlich, peinlich

Vielleicht hilft es, wenn wir uns dem Ganzen aus der alltäglichen Perspektive nähern. Zu spät kommen, das kann manchmal sehr unangenehm sein. Ich hab es zu einer Versammlung nicht pünktlich geschafft und muss mich, unter den Blicken aller anderen, in den Raum schleichen, obwohl ich doch gar nicht auffallen will. Und einige Blicke drücken ganz deutlich aus, dass das doch nicht geht, zu spät kommen. Man kann doch wohl seine Zeit besser einteilen!

Solche ausgesprochenen und unausgesprochenen Vorwürfe sind mir auf jeden Fall, sehr peinlich. Zu spät kommen, das kann aber auch richtig existentiell sein. Nach Jahren bemerkt ein Vater oder eine Mutter, dass sich die Beziehung zu den Kindern verschlechtert, oder noch schlimmer, gar nicht mehr vorhanden ist. Weil eben nie wirklich Zeit war, der Job war wichtiger, und abends kam man halt öfter zu spät, und hat dann die Kinder nicht mehr gesehen.

Manchmal lässt sich nichts mehr kitten

Ich glaube, dass das vorkommen kann. Und dass dieses „Zu spät“ sehr weh tut. Zu spät – das Gefühl bekommt man manchesmal, wenn man auf den Klimawandel schaut. Immer neue Schreckensmeldungen, die Angst machen und manchmal verzweifeln lassen.

Es gibt dieses „Zu spät“, dass uns spüren lässt, dass da etwas vorbei ist, dass sich da etwas nicht so leicht oder überhaupt nicht mehr kitten lässt. Obwohl man sich doch so bemüht hat! Genau wie die Leute im Evangelium, die doch mit dem Herrn des Hauses gegessen haben. Aber manchmal ist es zu spät, man hat sich zu wenig bemüht.

Eine Erfahrung wie die Hölle

Der Autor
Niklas Belting
Niklas Belting ist Kaplan in St. Johannes Oelde. | Foto: privat

Diese Erfahrungen tun weh, und ich glaube, dass das tatsächlich wie die Hölle sein kann, wenn man vor verpassten Erfahrungen und Erlebnissen steht. Will Jesus uns also heute am Sonntag in eine depressive Stimmung stürzen?

Nein! Das glaube ich nicht.Aber so wie die, die im Evangelium draußen vor der Tür stehen, doch noch etwas von dem mitbekommen, was drinnen im Haus passiert, so können wir unseren Blick schärfen für das, was wir verpassen, wenn wir zu spät kommen.

Zeit für das, was wirklich wichtig ist

Wo kann ich mir mal wirklich Zeit nehmen für Menschen, die mir wichtig sind? Wo nehme ich mir mal wirklich Zeit für Gott? Zudem: Was kann ich auch einfach mal lassen, um Zeit für mich zu haben? Dieses Evangelium kann wirklich eine frohe Botschaft sein, weil es meinen Blick schärfen kann für das Wesentliche und mich rausreißt aus dem Druck, immer was leisten zu müssen.

Jesus will, dass wir uns für das wirklich Wichtige Zeit nehmen. Wir müssen nicht alles gleichzeitig tun und nicht allen gefallen. In diesem Sinn: Nehmen wir uns Zeit für das Wichtige, für unsere Lieben, für uns selbst und für Gott, in der kommenden Woche mal ganz bewusst!

Sämtliche Texte der Lesungen vom 21. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) finden Sie hier.