„Hätten Sie Platz für Jesus?“, fragt Melanie Schreiber aus Garrel

Auslegung der Lesungen vom 23. Sonntag im Jahreskreis (C)

Merkwürdig: Im Evangelium dieses Sonntags zählt Jesus auf, wer nicht zu ihm gehören kann. Was bedeutet das für uns? Melanie Schreiber, Pastoralreferentin in Garrel, stellt in ihrer Schriftauslegung die entscheidende Frage: Welchen Stellenwert hat mein Glaube in meinem Leben?

Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein.“ Dieses Gebet aus Kindertagen ist sicher vielen bekannt und vertraut. Niemand soll in meinem Herzen wohnen als Jesus allein – nicht einmal Vater und Mutter, nicht einmal ich selbst? In der Realität ist es häufig so, dass viele Dinge in unserem Herzen wohnen, wie der Computer, die Freunde, die Feinde, die Arbeit, der Garten, der Haushalt, der Sport. Bleibt da noch ein Plätzchen in meinem Herzen frei für Jesus?

Im Evangelium stellt Jesus radikale Forderungen im Hinblick auf die Nachfolge: „Wenn jemand nicht sein Leben gering achtet, kann er nicht mein Jünger sein, wenn jemand nicht sein Kreuz trägt, kann er nicht mein Jünger sein, wenn jemand nicht auf sein Besitz verzichtet, kann er nicht mein Jünger sein.“ Alles Dinge, die für uns Menschen von zentraler Bedeutung sind: Macht, Familie, Ansehen, Besitz.

Was wichtig ist, braucht Zeit

Die Lesungen vom 23. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) zum Hören finden Sie hier.

Letztlich geht es darum zu fragen, welchen Stellenwert mein Glaube hat, meine Beziehung zu Jesus Christus. Was bin ich bereit, dafür zu tun, einzusetzen und aufzugeben? Was ist mir Jesus Christus wert? Würde ich für ihn alles stehen und liegen lassen, durch Dick und Dünn gehen, alle Anstrengung auf mich nehmen, um bei ihm zu sein? Zeit ist ein wichtiger Faktor für Wertschätzung. Wieviel Zeit nehme ich mir für Jesus Christus pro Tag? Eine Stunde, eine halbe Stunde, zehn Minuten? Für das, was mir wichtig ist, nehme ich mir Zeit, oder?

Mir ist dieser Satz aus der ersten Lesung sehr nahe: „Welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen, oder wer begreift, was der Herr will?“ Vielleicht bin ich willig, alle Anstrengung auf mich zu nehmen, um den Herrn zu lieben, aber kann ich auch dann noch standhaft sein, wenn meine Interessen durchkreuzt werden? Kann ich Gottes Plan für mich erkennen? Letztlich vertraue ich darauf, dass der Weg, den er mich führt, ein guter ist und zu gelungenem Leben führt, auch wenn ich es jetzt noch nicht verstehen kann.

Ein vorgezeichneter Weg

Die Autorin
Melanie Schreiber.
Melanie Schreiber ist Pastoralreferentin in St. Johannes Baptist Garrel. | Foto: privat

Der Weg Jesu führt nach Golgota, ans Kreuz. Wer mit ihm gehen will, muss die Bedingungen kennen, darüber lässt uns Jesus nicht in Unkenntnis. Nachfolge braucht Konsequenzen. Jesus verlangt nicht von allen das Gleiche, aber auch von niemanden das Unmögliche. Er ruft jeden von uns auf seinen eigenen Weg der Nachfolge.

Damals wurden aus resignierten Jüngern überzeugte Bekenner, aus ängstlichen Anhängern mutige Prediger, aus einfachen Fischern unermüdliche Missionare. Seit über 2000 Jahren gibt es Menschen, die vom lebendigen Jesus gepackt sind, die von ihm Kraft bekommen haben, österlich zu leben – unkompliziert und einfach wie Franz und Klara von Assisi; mit einem feinen Gespür für die Armen und Kranken ihrer Zeit, überzeugend und konsequent wie Edith Stein und Alfred Delp. Viele Menschen, die uns zeigen, wie lebendig Jesus in ihnen wirkt, und dass seine Worte und Taten alles andere als tot sind.

Warum mein Job mich glücklich macht

Ich darf in meiner Arbeit so viele Menschen erleben, die trotz ihres Leides Dankbarkeit und Zuversicht ausstrahlen, die trotz ihrer Schmerzen das Lachen und ihre Herzlichkeit nicht verlernt haben; die im Blick auf das Kreuz, im Mitfeiern der Gottesdienste und im stillen Gebet die Gegenwart Jesu spüren und mit ihm die dunklen Stunden bestehen und so Nachfolge leben und ihr ein Gesicht geben.

Schließlich geschieht es auch immer wieder in mir, weil ich den lebendigen Jesus erfahre, wenn er mich im Gottesdienst anspricht, tröstet oder provoziert, wenn er mich in meinen Schwestern und Brüdern anschaut und um ein gutes Wort oder ein stilles Zuhören bittet. Dann weiß ich, dass dies mein Weg der Nachfolge ist. Es lohnt sich, jeden Tag aufs Neue ihm zu folgen und so alles auf diese, seine Karte zu setzen.

Das Beste, was passieren kann

Gott lädt uns dazu ein. Immer und in Freiheit. Wenn wir Gott und die Menschen lieben sollen, weil sie es uns wert sind, dann nicht aus Zwang oder Gewohnheit oder weil es uns Christen gut zu Gesicht steht, sondern aus Freiheit. Gott will, dass wir ihn lieben, weil es das Beste ist, was uns passieren kann.

Nicht etwa, um seine Macht und Herrlichkeit zu vergrößern, denn das können wir gar nicht. Gott ist und bleibt immer der unbegreiflich große und allmächtige Gott. Aus Liebe zu uns will Gott, dass wir ihn lieben, sagt der heilige Franz von Sales. Dann kann ich auch getrost beten: „Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein.“

Sämtliche Texte der Lesungen vom 23. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) finden Sie hier.,