Heute schon Gott gefunden?

Auslegung der Lesungen vom 24. Sonntag im Jahreskreis (C)

Was das Goldene Kalb im Alten Testament und das verlorene Schaf im Evangelium mit einem alleinerziehenden Vater zu tun hat, erklärt Jens König-Upmeyer aus Havixbeck in seiner Auslegung der Schrifttexte dieses Sonntags.

Vor kurzem habe ich einen Menschen getroffen, der mich zutiefst beeindruckt. Er ist Vater von zwei Kindern. Jeden Tag kümmert er sich liebevoll um seine Kinder. Er bringt sie zum Kindergarten und zur Schule und holt sie später auch wieder ab. Er kümmert sich, dass sie immer gut versorgt sind. Sodass sie immer etwas zu essen und zu trinken haben. Er kümmert sich darum, dass sie spielen und Freunde treffen können. Einfach so, dass die beiden Kind sein können. Für den Vater sind diese Dinge ganz selbstverständlich.

Dies ist mit Sicherheit für viele Menschen ganz selbstverständlich. Ich ziehe meinen Hut davor. Denn dieser Vater macht das alles allein. Er ist alleinerziehend. Er hat das Sorgerecht für seine Kinder und lebt in Scheidung. Jede Woche bekommt er Briefe, die mit der Scheidung zu tun haben. Jeder Brief wirft neue Probleme auf. Dinge, um die er sich kümmern muss, die nervenaufreibend sind und ihm schlaflose Nächte bereiten.

Tägliche Stolpersteine

Die Lesungen vom 24. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) zum Hören finden Sie hier.

Da er sich um die Erziehung der Kinder kümmert, kann er nur mit einer halben Stelle arbeiten. So werden auch die Rechnungen, die Miete und die Einkäufe für Lebensmittel zu einer Herausforderung. Dass dieser Zustand auch auf die Gesundheit geht, kann man sich wahrscheinlich vorstellen. Gefühlt wird ihm jeden Tag ein neuer weiterer Stolperstein in den Weg geräumt. Herausforderungen und Pro­b­­leme, die nicht nur ins Stolpern bringen, sondern richtig umhauen können.

Das Besondere an diesem Vater ist, dass er sich nicht umhauen lässt. Er geht all diese Dinge zuversichtlich an. Er steckt seinen Kopf nicht in den Sand, sondern er führt sein Leben aktiv. Klar, ihn nehmen die Situationen mit, dennoch lässt er sich nicht unterkriegen. Er trägt eine Überzeugung in sich. Er hat einen tiefen Glauben, der ihm jeden Tag Halt und Stärke gibt. Er hat das gefunden, wonach viele Menschen suchen: einen Sinn im Leben, einen Glauben an Gott, den nichts so schnell umhaut. Eine Beziehung, aus der er Kraft für sich und seine Kinder schöpfen kann.  

Gott will sich finden lassen

Der Autor
Jens König-Upmeyer.
Jens König-Upmeyer ist Pastoralreferent in den Gemeinden St. Dionysius und St. Georg Havixbeck. | Foto: privat

Ich bin fasziniert von diesem allein­erziehenden Vater. Er macht mir einmal mehr klar, wie gut es sein kann, sich auf die Suche nach Gott in meinem Alltag zu begeben. Davon berichten die Lesungen dieses Sonntags: Das Volk Israel ist aus Ägypten gezogen und möchte dies feiern und danke sagen. Dazu gießen die Israeliten ein Kalb aus Metall und wollen es anbeten. Sie sind überglücklich darüber, dass sie aus der Sklaverei befreit sind, und verlieren doch schnell den aus dem Blick, dem sie das zu verdanken haben.

Sie sind von ihrem Glaubensweg abgekommen. Gott ist darüber nicht sehr erfreut. Dennoch lässt er sich das Unheil reuen, das er seinem Volk angedroht hatte. Die erste Lesung zeigt uns einen Gott, der sich einlässt auf die Menschen. Auch dann, wenn wir ihn aus aus dem Blick verlieren.

Gott will sich von uns finden lassen. Von jedem Einzelnen auf ganz unterschiedliche Weise. Das zeigt uns das Evangelium dieses Sonntags. Wir lesen vom verlorenen Schaf und dass sich der Hirt auf den Weg macht, dieses eine Schaf zu suchen und zu finden und dabei die anderen 99 zurücklässt. Dies kostet im Verhältnis viel mehr Mühe und Zeit. Doch die Freude darüber, dieses verlorene Schaf zu finden und zurückzubringen, ist riesig.

Ein Gott, dem jeder wichtig ist

Das Evangelium zeigt einen Gott, dem jede und jeder Einzelne wichtig ist. Es zeigt uns, dass wir uns immer wieder auf die Suche machen können, Verlorenes zu finden und ihn zu finden. In unserem Alltag. Da wo wir unterwegs sind. Wo wir auf andere Menschen treffen. Da, wo wir vor Herausforderungen stehen.

Ich bin mir sicher, dass wir Gott finden. So wie der alleinerziehende Vater. Wie er es schafft, aus seinem Glauben heraus, jeden Tag aufs neue zu meistern. Seinen Halt nicht verliert und es so auch seinen Kindern ermöglicht, Kind zu sein.

Was Kraft und Halt gibt

Er ist ein Vorbild für mich. Ich bin überzeugt davon, dass es viele Menschen wie ihn gibt. Die jeden Tag vor Herausforderungen stehen. Menschen, die diese angehen, da sie Glaubenserfahrungen gemacht haben, die Kraft, Halt und Zuversicht geben. Menschen die mit ihrem Tun und Handeln beeindrucken und auf ihre Weise zeigen, wie sie ihren Glauben leben.

Das beeindruckt mich immer wieder. Daher gehe ich besonders in der kommenden Woche der Frage nach: „Heute schon Gott gefunden?“

Sämtliche Texte der Lesungen vom 24. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) finden Sie hier.