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Maria Hölscheidt zum Thema: Keine frohe Botschaft ohne Kreuz

Auslegung der Lesungen vom 24. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr B

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Oft wählen wir den leichteren Weg. Konsequenzen lassen sich umgehen, aussitzen oder auf andere abwälzen. Doch nicht mit Jesus! Der Messias lässt keine Beschwichtigungen zu. Seine Nachfolge hat klare Regeln, erklärt Pastoralreferentin Maria Hölscheidt und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.

Jeder Abschnitt des Evangeliums hat eine Botschaft für die Zeit, in der er gehört wird. In den Texten des Markus spiegelt sich die Gemeinde, für die er schreibt: Sie hat die Zerstörung des Tempels vor Augen und erlebt sie als Zusammenbruch der jüdischen Welt. Sie war, wie wir heute, herausgefordert, die eigene Identität zu entwickeln: Wer sind wir heute? Was sind wir für die anderen? Wie erklären wir uns die historischen Ereignisse? Wer ist dieser Christus, den wir verkünden, der uns prägt?

Die Erzählung vom Bekenntnis des Petrus ist solch ein identitätsstiftendes Angebot. Die Szene ist auch ein Modell des Handelns Jesu. Jesus ist mit den Jüngern wie so oft auf dem Weg. Man spricht, denkt nach, diskutiert vielleicht, organisiert den Alltag und die Verkündigung. Es geschieht viel, Hoffnungen werden geweckt, Massen bewegt. Die Fragen: „Für wen hält man mich? Für wen hältst du mich?“, die Jesus stellt, fordern seine Jüngerinnen und Jünger heraus: Was hören sie von anderen? Womit stimmen sie überein? Was denken sie eigentlich selber? Welchen Vorstellungen folgen sie? Sind wir noch auf der gleichen Spur?

Fragen von Liebenden

Die Lesungen vom 24. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B) zum Hören finden Sie hier.

Wer bin ich für dich? Diese Frage wird oft gestellt, wenn es um die Beziehung geht. Auch Partnerinnen und Partner oder Liebende fragen sich: Wie nennst du mich? Was bedeutet das? Verstehst du mich wirklich? Finde ich mich in deiner Sicht auf mich wieder? Oder gibt es Erwartungen und Bilder, die ich nicht erfüllen will oder kann?

Petrus kann scheinbar aus sich heraus zu Jesus sagen: Du bist der Messias! Du wirst unsere und meine Rettung sein. Ein tiefes Verständnis, das Jesus durch ihn erfährt! Und er gibt mit Petrus auch uns heute den Hinweis, dass es Gottes Geschenk ist, in der Tiefe sein Wirken zu erfahren und es benennen zu können.

Jesus lässt Beschwichtigungen nicht zu

Aber als Jesus die Seite der Widerstände und öffentlichen Gegenwehr anspricht, und die bevorstehende Gewalt und sein Ende benennt, kommt Petrus nicht mit: „Unzumutbar!“, reagiert er. „Sag doch sowas nicht, wer wird denn gleich den Teufel an die Wand malen?“, würden wir heute vielleicht sagen.

Beschwichtigungen aber lässt Jesus nicht zu. In seiner Nachfolge gibt es keinen Ausweg aus den Gegebenheiten! Er spricht freimütig über die zu erwartenden Konsequenzen. Über die Begrenzung, das Sinnlose, die Qual und darüber, dass der Sinn im Dahinter und Darüberhinaus zu finden sei.

Frohe Botschaft ohne Kreuz?

Die Autorin
Maria Hölscheidt ist Pastoralreferentin in der Kirchengemeinde St. Amandus in Datteln.
Maria Hölscheidt ist Pastoralreferentin in der Kirchengemeinde St. Amandus in Datteln.

Eine schwere Lektion. Damals für Petrus und die Jünger, dann auch für die Gemeinde nach Ostern und wohl auch für uns heute. Wir kommen nicht gern in Schwierigkeiten. Konsequenzen lassen sich auch umgehen, aussitzen oder auf andere abschieben. Ist die Frohe Botschaft nicht besser ohne das Kreuz zu vermitteln? Steht uns die Herrlichkeit und Größe Gottes nicht besser, oder sogar zu? Haben wir mit Jesus nicht die Rettung?

Jesus sagt: „Geht hinter mir her!“ Er ist das Modell: Gebt Gott die Ehre, bringt Gottes Wirken auf die Erde, seid als seine Kinder erkennbar! Dazu befähige ich euch, auf diesem Weg findet ihr das Leben, das ihr sucht! Aber rechnet nicht mit viel Effekt, mit viel Applaus oder einer Autobahn ins Himmelreich. Besteht auch die Anfragen, die Widerstände im Außen und in eurem Innern. Gebt dem Frieden, der Gerechtigkeit, der Wahrhaftigkeit und der Liebe den Vorrang! Vor allem! Aus eurem Bekenntnis zu Jesus wird dann kein Gutschein für Glück oder ein Freifahrtsschein in der Arche, sondern ein festes Seil der Verbundenheit, an dem wir aus den Fluten unseres Lebens gezogen werden.

Der Weg Jesu braucht Verbündete

Petrus hat als Fischer gelernt, ein Seil fest zu halten oder einen Anker zu setzen, und als Jünger durfte er erleben, dass Jesus nach ihm greift, als er sinkend nach ihm ruft. Heute bleibt mir manchmal kein anderes Bekenntnis als dieses „Herr, rette mich!“, aber vielleicht ist das ein kleiner Strang im Bekenntnis zum Messias? Vielleicht ist es gut, dass Jesus uns heute erneut nach dem Beziehungsstatus fragt, uns anregt, diese Verbindung in der Tiefe anzufragen und zu beantworten. Für jede und jeden einzeln, aber auch als Gemeinde - für den weiteren Kurs.

Wo stehen wir heute mit unserer „Konfession“ – nach innen und außen? Verbunden durch Christus sind immer wieder Konsequenzen zu erwarten und erforderlich. Der Weg Jesu braucht Verbündete. Auch wir werden um des Evangeliums willen etwas verlieren. Aber nie das neue Leben als Gottes Kinder.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 24. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B) finden Sie hier.

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