Jens König-Upmeyer aus Havixbeck über eine Talentshow für sich selbst

Auslegung der Lesungen vom 26. Sonntag im Jahreskreis (C)

Reiche Leute kommen im Evangelium dieses Sonntags nicht gut weg. Im Gegenteil. Und doch ist die Geschichte, die Jesus erzählt, auch für nicht so betuchte Menschen wichtig, wie Jens König-Upmeyer aus Havixbeck zeigt.

Wie schön ist es, bei schönem Wetter im Garten zu sitzen! Der Wind rauscht durch die Blätter des großen Kirschbaums, der mir Schatten spendet. Einige Sonnenstrahlen fallen auf mein Gesicht, ich kann die Augen schließen und entspannen. Ich kann abschalten, die Füße hochlegen und einfach faulenzen.

Diese Zeiten genieße ich sehr. Ich schaffe es, aufzutanken und neue Energie zu sammeln. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich oder Sie haben etwas anderes, bei dem Sie abschalten können und einfach einen lauen Lenz machen können.

In der ersten Lesung hören wir, dass dies noch exzessiver geht. Es werden die Wohlhabenden angeklagt, die auf ihren Betten aus Elfenbein liegen und es sich gut gehen lassen. Faulenzer, die sich nur um sich selbst drehen, die nur sich selbst im Blick haben.

Die Lesungen vom 26. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) zum Hören finden Sie hier.

Raus aus der Komfortzone

Ihnen wird vorgeworfen, dass sie sich auf ihrem Reichtum ausruhen und sich nur um sich selbst kümmern. Der Autor hat für diese Menschen eine klare Antwort: „Das Fest der Faulenzer ist nun vorbei.“ Wenn ich mir diese Menschen vorstelle, komme ich schnell auf den Gedanken, warum sie das machen. Was treibt sie dazu an, so zu handeln? Machen sie das, weil es sich so einfacher lebt? Oder machen sie das, weil ihnen ein Sinn im Leben fehlt, dem sie nachgehen können? Ein Ziel, das sie antreibt, aktiv zu werden und sie aus ihrer Komfortzone holt.

Ich denke, das ist leichter gesagt als getan. Es gibt so viele Medien, Plattformen und materielle Dinge, mit denen man sich super beschäftigen und ablenken kann. Wie schnell verfliegt die Zeit, wenn ich im Internet stöbere und in den sozialen Netzwerken schaue, was meine Freunde den Tag über erleben. Wenn man dann abends zurückblickt, merkt man, dass man nicht so viel geschafft hat, wie man sich vorgenommen hat. Das kann ermüdend sein und so weit führen, dass ich mir selbst fremd werde.

Die Fragen eines jungen Mannes

Ich habe einen jungen Mann kennengelernt, der genau das erlebt hat. Von außen betrachtet, macht er den Eindruck von einer Einfachheit, wie man das Leben führen kann. Er verbreitet gute Stimmung und schafft es, seiner Umgebung ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern.

In einem Gespräch machte er dann aber klar, dass er ratlos ist. Er stellt sich die Fragen nach dem Sinn des Lebens. Nach dem Sinn, warum er in der Welt ist. Das sind herausfordernde Fragen, die man nicht mal eben beantworten kann.

Er verlässt seinen Alltag

Dessen ist sich der junge Mann bewusst. In seiner Leichtigkeit hat er sich einen einfachen Plan zurechtgelegt. Er erzählt, wie er sich eine mehrwöchige Auszeit nehmen möchte. Er will abschalten, sich auf sich selbst besinnen, sich darüber klar werden, wer er ist und was ihn ausmacht. Ich merke, wie dieser Gedanke in ihm Energie freisetzt. Dieser Energieschub animiert ihn dazu, sich auf den Weg zu machen.

Er verlässt seinen Alltag und wagt sich aus seiner Komfortzone heraus, um sich selbst und dem Sinn des Lebens auf die Spur zu kommen. Wozu bin ich berufen? Was ist mein Auftrag im Leben? Zwei Fragen, denen wir uns klar werden müssen, wenn es dann in der zweiten Lesung heißt: „Erfülle deinen Auftrag rein und ohne Tadel“.

Die Geschichte des jungen Mannes zeigt, dass es nicht so einfach ist, seinen Auftrag zu erfüllen. Denn ich muss mir erst einmal selbst darüber klar werden, was dieser Auftrag ist, was meine Berufung ist und wer ich bin. Ich finde es wichtig, sich Zeit für diese Fragen zu nehmen. Denn so kann ich mein Handeln und Tun hinterfragen und mir klar werden, ob es gut und gerecht ist.

Wer bin ich wirklich?

Jens König-UpmeyerJens König-Upmeyer ist Pastoralreferent in den Gemeinden St. Dionysius und St. Georg Havixbeck. | Foto: privat

Wenn ich mir meiner Talente und Ressourcen bewusst werde, kann ich schauen, wie ich sie einsetze, wie ich meinen Auftrag erfüllen kann. Bin ich wie der reiche Mann aus dem Evangelium? Der es sich gut gehen lässt und sich nicht um den armen Lazarus kümmert? Der reiche Mann, der sein Leben in vollen Zügen genießt, seine Ressourcen nur für sich nutzt und erst dann ins Nachdenken kommt, als alles zu spät ist?

Oder bin ich jemand anderes, der sich seiner Talente und Ressourcen bewusst ist und sie auch für andere einsetzt? Ich glaube, es ist wichtig, sich darüber klar zu werden, wer ich wirklich bin.

Es geht darum, dass ich mich nicht nur um mich selbst kümmere, sondern mir darüber bewusst werde, welche Talente Gott mir gegeben hat und wie ich sie in seinem Sinne einsetzen kann. Hierfür nehme ich mir gerne meine Auszeit unter dem Kirschbaum und frage mich: „Wozu bin ich berufen?“

Sämtliche Texte der Lesungen vom 25. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) finden Sie hier.