Pater Daniel Hörnemann über Badewannen, Beziehungen und eine Falle

Auslegung der Lesungen vom 27. Sonntag im Jahreskreis (B)

Keiner soll alleine leben. Davon erzählt die Schöpfungsgeschichte - von Adam und Eva, dem Prototypen des perfekten Paars. Was aber, wenn es nicht hinhaut, ein Leben lang? Die Pharisäer stellen Jesus mit dieser Frage eine Falle. Pater Daniel führt wieder heraus.

Was hat eine Badewanne mit einer Ehe zu tun? Eine blöde Frage. Zunächst einmal gar nichts! Und doch: In einem unserer Nachrichtenmagazine war eine Nobelwanne vor längerer Zeit ganzseitig abgebildet, ein gediegenes Geschöpf deutscher Wertarbeit. Dazu der Firmenname und der eine Satz: „Die hält länger als manche Ehe!“ Eine eher peinliche Entgleisung der Werbeleute?

Das Evangelium vom 27. Sonntag im Jahreskreis (B) zum Hören und Sehen auf unserem Youtube-Kanal.

Nein, die Aussage stimmt. Die Statistik gibt der Werbung recht: Die Lebensdauer einer guten deutschen Badewanne ist länger zu bemessen als die mancher Ehe! Über kurz oder lang geht etwa die Hälfte der Ehen wieder auseinander. Und dieses Scheiden tut weh – jede Trennung verursacht Schmerzen, vor allem wenn Kinder da sind.

„Bis der Tod euch scheidet“ – der Beziehungstod tritt oft lange vor dem biologischen Tod ein. Die Ehe ist eben kein Status quo, der sich nach der Heirat nicht mehr ändert. Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen einer Badewanne und einer Ehe. Das Hilfsmittel zur Körperpflege ist ein starres Produkt, die Ehe jedoch bleibt nur lebendig, wenn sich die beiden Partner weiter entwickeln. Wenn es gut geht, gehen sie eine äußerst dichte Beziehung ein, werden, biblisch ausgedrückt, „ein Fleisch“.

Die Falle

Eine solch wertvolle Beziehung braucht Schutz. Auf die Fangfrage: „Darf man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen?“ antwortet Jesus mit einer Gegenfrage. Er schlägt sie mit ihren eigenen Waffen. Er fragt die schriftkundigen Pharisäer, ob sie denn nicht richtig gelesen hätten, dass bereits im allerersten Buch der Bibel die Rede davon ist, dass Gott Mann und Frau erschuf und sie die tiefstmögliche Bindung miteinander eingingen. Siebenmal heißt es im ersten Schöpfungsbericht: „Und Gott sah, dass es gut war“; im zweiten Schöpfungsbericht sagt Gott auf einmal: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.“

Die Geschichte von Adam und Eva, von Jedermann und Jederfrau, erzählt, dass dem Menschen zwar die gesamte Schöpfung zur Verfügung steht, doch was nutzt ihm dieses Paradies, wenn er darin allein ist und es mit niemandem teilen kann? Er empfindet sich hilflos und sucht nach einer ihm „entsprechenden Hilfe“, nach der gleichwertigen, eigenständigen Partnerin.

Adams „Rippe“ – oft missgedeutet

Der Autor
Pater Daniel Hörnemann OSBPater Daniel Hörnemann OSB ist Subprior der Benediktinerabtei Gerleve bei Billerbeck und Theologischer Berater von "Kirche+Leben". | Foto: Markus Nolte

Das oft missdeutete Motiv der Erschaffung der Frau aus der „Rippe“ weist auf die tiefinnerliche Verbindung zwischen den Partnern hin. Die Urgeschichte erzählt weiter, dass der Mann nicht aus seiner Machtstellung heraus von der Frau Besitz ergriff, bildhaft wird vielmehr geschildert, wie Gott einen tiefen Schlaf, eine Ohnmacht über ihn kommen ließ, die Frau aus dem Innersten des Mannes heraus erschuf und sie ihm dann zuführte. Hier wird deutlich, dass jede Partnerschaft ein Gottesgeschenk ist.

Der Ausruf des Mannes zeigt die Erfüllung seiner lang gehegten Sehnsucht: „Das endlich ist Stoff von meinem Stoff.“ Der Mensch ist auf Gemeinschaft aus. Wenn er sie findet, ist sie wie ein Stück vom Paradies, vom Reich Gottes.

Ja – solange es gut geht

Die Werte „Treue“, „Vertrauen“, „Verantwortung“, „Verlässlichkeit“ stehen nach wie vor hoch im Kurs. Doch was steckt hinter einer häufigen Bindungsunwilligkeit oder Bindungsschwäche? Mangelnder Wille zur Treue oder purer Egoismus? Vielleicht ist es eher so, dass viele Menschen sich selbst misstrauen und ihrer eigenen Fähigkeit zur Treue. Wo echte Liebe besteht, will sie Zukunft. Der Mensch will eine glückliche Beziehung mit Zukunft, nicht eine bloße Lebensabschnittsgemeinschaft, in der das Ja-Wort nur gilt, solange es gut geht. Erst wenn Phasen überwunden wurden, in denen es nicht gut ging, in denen es kritisch und schwierig war, erweist sich eine Beziehung als gut und tragfähig. Langjährige Paare sind ermutigende Zeugen dafür, dass Ehe auf Dauer gelingen kann.

Jesus spricht deutlich von den beiden Möglichkeiten in einer Beziehung: von Anfang und Abbruch. Was am meisten scheidend wirkt, ist die Unfähigkeit zum Gespräch. Die meisten Ehen schweigen sich tot. Dabei lebt der Mensch vom Gespräch, von der Zuwendung und Vertrauen. Jesus wollte den Menschen keine unmenschliche Last aufbürden. Er hat sich immer denen zugewandt, deren Lebenspläne fehlschlugen.
Zugleich ließ Jesus nicht ab vom Ideal, vom hohen Wert der gelingenden Lebensgemeinschaft: „Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ Die menschliche Beziehung wird mit diesem Satz zum Werk Gottes erklärt. Im Glaubensverständnis heißt das: Unsere Treue gründet in der Treue Gottes. Sie steht unter seinem Segen. Gott hört nie auf, mit uns neu anzufangen.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 27. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B) finden Sie hier.