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Kaplan Jan Aleff aus Geldern: Hinten wird die Ente fett

Auslegung der Lesungen vom 28. Sonntag im Jahreskreis (A)

Merkwürdige Geschichte: Jesus erzählt von einer Hochzeit, zu der keiner kommen will. Und dann werden Wilfremde eingeladen, von den Hecken und Zäunen. Was es damit auf sich hat, erklärt Jan Aleff, Kaplan in Geldern, in seiner Auslegung der Schriftlesungen dieses Sonntags.

So viel ist sicher: Am Ende wird gefeiert! Aber wie traurig war es in den vergangenen Monaten für viele Brautleute, über ihr Fest nachzudenken: Manche waren gezwungen, die Feier zu verschieben; andere mussten neu überlegen, wen sie überhaupt zur Feier einladen können. Das sind unangenehme Fragen: Dürfen die Partner der Freunde noch dazukommen? Wie gehen wir Gästen um, die zu Risikogruppen in dieser Pandemie gehören? Wollen wir feiern, ohne tanzen zu können? Geht das?

Wer sich entschied, das Fest in diesen Monaten zu feiern, hat sicher schöne Stunden erlebt. Aber manche ursprünglich geladenen Gäste mussten wohl zuhause bleiben. Unglücklich der Gastgeber, der Leute ausschließen muss!

So gar nicht Corona-konform

Die Lesungen vom 28. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A) zum Hören finden Sie hier.

In den Sonntagslesungen geht es um große Feiern am Ende der Zeiten. Da gibt es keine Teilnehmerbegrenzung. Das ist so gar nicht Corona-konform: Jeder ist willkommen. Am Ende, da ist sich der Prophet Jesaja sicher, wird es auf dem Zion für alle Völker ein Festmahl geben – ein Gelage mit den feinsten, fetten Speisen und reinen Weinen. Was für eine Verheißung!

Auch im Evangelium wird deutlich: Hinten wird die Ente fett. Am Ende spielt es keine Rolle, wie viele kommen, auch nicht, aus welchem Volk sie sind; das Christentum ist nicht exklusiv. Das himmlische Festmahl steht allen offen. Alle sollen fröhlich sein.

Von nix kommt nix

Jesus offenbart sich den Pharisäern im Gleichnis als Sohn des lebendigen Gottes. Er lädt ein zur Freude darüber, dass Gott den Menschen gleichgeworden ist und allen Menschen Rettung verheißt. Allein – die Pharisäer folgen dieser Einladung nicht. Sie können Jesus nicht als Messias erkennen. Seine Botschaft ist zu unbequem, ist ihrem Lebensstil gefährlich. Diese Gäste wollen nicht kommen.

Im Gleichnis lädt der König also viele andere zur Hochzeit seines Sohnes. Jesus hat unter den Menschen gewohnt und jeder Mensch darf, wenn er will, dabei sein. An jeder Straßenkreuzung können wir die Einladung erhalten. Aber von nix kommt nix: Es ist die Haltung, die darüber entscheidet, ob ich teilnehme oder nicht. Erkenne ich die Hoheit des Gastgebers an? Der unziemlich Gekleidete kann nur schweigen, als er vom König gefragt wird, warum er kein gutes Gewand trägt. Er hat die Schönheit dieser Hochzeit nicht verstanden, die Gnade nicht erkannt, eingeladen zu sein.

Es gibt viele Gründe, die Einladung abzulehnen

Jan Aleff
Jan Aleff ist Kaplan in St. Maria Magdalena in Geldern.

Relevant ist, ob ich glaube, dass Jesus der Christus ist, der Sohn des lebendigen Gottes. Und ob meinem Glauben Taten folgen. Das kann heute eine Menge bedeuten. Zum Beispiel: Wie stehe ich zur Flüchtlingshilfe – will ich teilen? Was ist mein Beitrag zum Umweltschutz; was mache ich, um Corona am Töten zu hindern? Da öffnen sich auch Fragen im privaten Umfeld. Das Christentum ist kein Wellness-Ressort. Es gibt heute entsprechend viele Gründe, die Einladung auszuschlagen und Christus, der Kirche, dem Glauben den Rücken zu kehren.

Dieses Evangelium verweist jedoch darauf, dass es am Ende eine Rolle spielt, wie ich mein Leben verbracht habe. Wenn ich meine Verantwortung als Christ in der Welt annehme, dann ziehe ich Christus an wie das Taufkleid und besitze Festkleidung für das ewige Hochzeitsmahl.

Ich habe es in der Hand

Es geht nicht um Perfektion, bestimmt nicht – alle sind willkommen. Aber schließlich sollte ich mündig Rechenschaft ablegen über mein Tun. Sonst müsste ich stumm mit den Schultern zucken und würde aus dem Saal geworfen. Bei aller Barmherzigkeit des Gastgebers: Ich entscheide mit meiner Haltung über die Teilnahme an der Feier. Die frohe Botschaft lautet: Die Einladung gilt. Ich habe es in der Hand!

Zudem gibt es Unterstützung: Wer sich zum himmlischen Fest aufmacht, schafft es, manche Umwege dieser Tage zu erdulden. Vielleicht auch Umwege unserer Kirche. Paulus schreibt an die Gemeinde in Philippi entsprechend: Durch Jesus Christus wird der Allmächtige euch alles, was nötig ist, aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit schenken. Man bedenke: Paulus saß im Knast, als er an die Philipper schrieb.

Am Ende wird gefeiert!

Wer Jesus folgt, gewinnt die Kraft, Durststrecken und Entbehrungen zu überstehen. Darauf können wir vertrauen. Glaube, Liebe, Hoffnung und es wird ein Fest! Wenn wir Jesus groß sein lassen, haben wir Anteil an der Ewigkeit und können mit dem Propheten jubeln: Der Herr hat den Tod für immer verschlungen und er wird die Tränen von jedem Gesicht abwischen. Am Ende wird gefeiert! Was für eine Verheißung – davon sollten wir erzählen!

Sämtliche Texte der Lesungen vom 28. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A) finden Sie hier.

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