Pater Daniel Hörnemann aus Gerleve über richtige Dankbarkeit

Auslegung der Lesungen vom 28. Sonntag im Jahreskreis (C)

„Undank ist der Welten Lohn“: Von dieser enttäuschenden Erfahrungen berichtet das Evangelium dieses Sonntags. Pater Daniel Hörnemann aus der Abtei Gerleve erläutert, warum Dank mehr als nur Höflichkeit ist.

Mitbringsel sind häufig die armen Verwandten von Geschenken. Eine solche Gabe kann eine freundliche Aufmerksamkeit sein oder ein angeblich geschuldetes Präsent: Wenn man schon eingeladen wird, kann man doch nicht „ohne“ dastehen und muss daher etwas mitbringen. Selbst wenn der Gastgeber bereits alles hat und seine Einladung keine Entschädigung braucht. Pflichtschuldigkeiten sind das Gegenteil von frei geschenkten schönen Dingen, die zum Ausdruck bringen: „Ich mag dich.“

Der General Naaman in der ersten Lesung möchte sich nicht für eine ihm gewährte Gastfreundschaft, sondern für die Wiedererlangung seiner Gesundheit mit einem Geschenk bedanken. Doch der Prophet Elischa verwehrt es ihm. Für das unbezahlbare Gut der Gesundheit gibt es kein Gegengeschenk. Die Heilung geschah gratis und war nicht das Werk des Propheten, sondern das seines Gottes.

Ein eigenartiges Mitbringsel

Die Lesungen vom 28. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) zum Hören finden Sie hier.

Daraufhin hat der Syrer eine andere Idee. Zwei Maultiere sollen mit soviel Erde aus der Jordangegend beladen werden, wie sie tragen können. Wozu dieses Mitbringsel? Naaman wollte in seiner Heimat einen Altar für den Gott Israels errichten. Fortan wollte er nur noch dem wahren und einzigen Herrn dienen. Er hatte die Entdeckung seines Lebens gemacht und wollte nun unablässig damit leben. Mit der Erde nimmt er die Erinnerung an den Ort der Heilung und Anbetung mit.

Im Evangelium werden zehn Aussätzige geheilt, die bis dato zu den Ärmsten der Armen gehörten und ausgesetzt am Rande der Gesellschaft leben mussten. Doch nur ein Einziger von ihnen kehrt zum Heiler zurück. Ausgerechnet ein Fremdling wird zum Beispiel für den Glauben. Die eigenen Leute erweisen sich als undankbar, lediglich der Ausländer zeigt seine Dankbarkeit. An eine Gegengabe ist bei ihm nicht zu denken. Er kann nicht wie der reiche Naaman Geschenke offerieren, aber sein Gotteslob beweist, wie dankerfüllt er ist. An ihm als Einzigem ist das Wunder in Gänze geschehen. Die eigentliche Heilung berührt nicht nur den Körper, sondern geht zutiefst über in Herz und Seele.

„Wo sind die Übrigen?“

Der Autor
Pater Daniel Hörnemann.
Pater Daniel Hörnemann OSB ist Mönch der Benediktinerabtei Gerleve bei Billerbeck und Theologischer Berater von "Kirche+Leben". | Foto: Markus Nolte

Der Samariter gelangt zur Einsicht und zum Glauben, er preist den Geber von Leben und Gesundheit. Jesus hilft ihm auf den Weg zurück ins Leben: „Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich heil gemacht.“ Und die übrigen? Neun andere meinen, es nicht nötig zu haben, umzukehren und zu danken. Es fällt über sie jedoch kein bitterböses Wort der Enttäuschung. Jesus schaut ihnen wohl betrübt nach und stellt die traurige Frage: „Wo sind die Übrigen?“

Schon die Psalmen beklagten: Die Menschen „essen Gottes Brot, doch seinen Namen rufen sie nicht an“ (Ps 53,5). Es geht um weit mehr als um angelernte Höflichkeitsfloskeln, wozu manche Eltern ihre Kinder anhalten „Hast du dich auch artig bedankt?“ Der dankbare Samariter wie der dankbare Syrer traten mit Gott in Verbindung, dem Schöpfer und Erhalter der Welt, und erkannten sein Wirken für sie an. Nur wer denkt, kommt zum wirklichen Danken und dazu, jemanden in seinen Gedanken zu halten.

In seiner Regel mahnt der heilige Benedikt die Mönche, vor dem Vergessen Gottes davonzulaufen, um an das Ziel der Gegenrichtung zu gelangen: zur Dankbarkeit, zur Gotteserinnerung. Wer sich bedankt, drückt damit seine Anerkennung aus, er hat die Geste des anderen wahrgenommen, würdigt sie – und sei es mit den einfachen fünf Buchstaben „Danke“.

Ist Undank der Welten Lohn?

Jedes Danke, das von Herzen kommt, verbessert die Atmosphäre in beiden Richtungen, beim Dankenden wie beim Schenkenden. Dankbarkeit stiftet Beziehung und Verbundenheit. Sie ist Haltung und Ausdruck dafür, eine Gabe zu respektieren und damit den Geber selbst. Der menschliche Dank wird als Antwort auf die Erfahrung einer göttlichen Tat der Rettung, Heilung, Erhörung oder Befreiung formuliert. Der enttäuschende Satz „Undank ist der Welten Lohn“ lässt sich widerlegen durch Menschen, die anders handeln und eine Kultur der Dankbarkeit praktizieren.

Unser Dank an Gott ist immer nur die schwache Resonanz fehlbarer Menschen, die auf sein unverbrüchliches Ja bauen: „Wenn wir untreu sind, bleibt er doch treu“ (zweite Lesung). Den, der allein das wirkliche Leben geben kann, sollten wir nicht unbeachtet und ohne Dank stehen lassen. Auch wenn ein Großteil der Bevölkerung kein Gottesbewusstsein und keine religiöse Bindung mehr hat. Es kommt nicht darauf an, ob „man“ geht, sondern ob ich diese Beziehung für wichtig halte und pflege.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 28. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) finden Sie hier.