Pater Daniel Hörnemann: Freude auf Kommando?

Auslegung der Lesungen vom 3. Adventssonntag (Lesejahr B)

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"Noch einmal sage ich euch: Freut euch!" Das ist der Kernsatz des dritten Adventssonntag. Aber geht das - Freude auf Kommando? Pater Daniel Hörnemann, Benediktiner der Abtei Gerleve, erläutert in seiner Schriftauslegung, worum es geht.

Der Dritte Advent heißt traditionell „Gaudete – Freut euch!“ Üblicherweise hören wir in der Liturgie diese Aufforderung zur Freude. Vielleicht können wir sie aber schon gar nicht mehr hören. So vieles wurde im ausgehenden Jahr unmöglich gemacht, wie viele schöne Ereignisse konnten gar nicht oder nur eingeschränkt stattfinden. Was soll uns da der Imperativ des Dritten Advents?

Vielleicht geht es uns eher wie dem alten Scrooge in der bekannten  Erzählung von Charles Dickens „A Christmas Carol“ oder zu deutsch „Ein  Weihnachtsmärchen“ von 1843. „Fröhliche Weihnachten, Onkel, Gott segne  dich!“ rief die heitere Stimme von Scrooges Neffen. „Pah“, sagte Scrooge , „dummes Zeug! Fröhliche Weihnachten? Was für ein Recht und welchen Grund hast du, fröhlich zu sein? Du bist arm genug.“ Worauf der Neffe erwiedert: „Was für ein Recht hast du, so finster zu sein? Was für einen Grund, mürrisch zu sein? Du bist reich genug.“

Unbändige Weihnachtsfreude

Die Lesungen vom 3. Adventssonntag (Lesejahr B) zum Hören finden Sie hier.

Es brauchte einen langen Weg der Wandlung, bis der verhärmte alte Mann zu einem Menschen wurde, dem man nachsagte, er wisse Weihnachten recht zu feiern, wenn das überhaupt je ein Mensch wisse. Er ist nach einem harten Lernprozess ans Ziel gekommen, einer unbändigen Weihnachtsfreude.

Durch die Texte des Dritten Advents zieht sich der Faden der Freude. Das Tagesgebet nennt das Hauptanliegen: „Mache unser Herz bereit für das Geschenk der Erlösung, damit Weihnachten für uns alle ein Tag der Freude und der Zuversicht werde.“ Das ist es wohl, dort geschieht es: Weihnachten wird nicht im Außen, sondern im Innen. Das Herz ist der Ort des Geschehens, oder es geschieht nichts. Das Schlussgebet endet mit einer Bitte in derselben Richtung: „Mache uns bereit für das kommende Fest“. Der ganze Advent dient der Vorbereitung daraufhin.

Das Magnificat des Jesaja

Jesaja kann voller Selbstbewusstsein und Gottesbewusstsein sagen: „Der Geist des Herrn ruht auf mir, er hat mich gesandt“ (Jes 61,1). Diese Worte hat später Jesus, die menschgewordene Gute Nachricht Gottes, auf sich selbst bezogen und bewahrheitet. Von ihm hat er die Lebensaufgabe bekommen, die Botschaft der Freude, von Heilung und Befreiung, in diese Welt zu tragen.

Der Prophet Jesaja spricht in seinem alttestamentlichen Magnificat von seiner Freude über den Herrn, die er den Menschen nahebringen will. Er will sich „innig“, von Herzen im Herrn freuen. Denn dieser Gott hat den Menschen seine hingebende Zuneigung erwiesen. Vor allem den Bedürftigen, denen mit Herzverletzungen, den Eingekerkerten und äußerlich wie innerlich Gefangenen.

Aussicht im Dunkel

Der Autor
Pater Daniel Hörnemann
Pater Daniel Hörnemann OSB ist Mönch der Benediktinerabtei Gerleve bei Billerbeck und Theologischer Berater von "Kirche+Leben". | Foto: Markus Nolte

Darauf warten die Menschen doch bereits so lange! Blühende Landschaften wurden ihnen schon häufig versprochen, die Verwirklichung der Versprechungen blieb meist aus. Kein Wunder, dass sie verzagen und ihre Stimmung sinkt. Jesaja stellt in das Dunkel ihrer Gegenwart die Aussicht auf eine Zeit, in der Gott das Gesäte wachsen lässt.

Der Abschnitt aus dem Ersten Thessalonicherbrief beginnt mit einem Rundumschlag „Freut euch zu jeder Zeit!“ Paulus weist hin auf den eigentlichen Anlass zur Freude, auf den Herrn, dessen Nähe die Menschen erfreuen will. Echte Freude und wirklichen Frieden können wir nicht machen. Sie stellen sich nicht auf Kommando ein. So haben viele Menschen ihre Schwierigkeiten mit terminlich geplanter Freude, etwa im Karneval, aber genauso mit den Aufrufen zur Freude in der Kirche oder in der Bibel wie diesem Satz „Freut euch zu jeder Zeit!“

Zeuge für das Licht

Der kommende Jesus hat seine Vorläufer. Der letzte der Propheten, Johannes der Täufer, freute sich bereits vor seiner Geburt über die Begegnung mit diesem Jesus, ebenfalls noch im Mutterleib: Als seine Mutter Elisabeth den Gruß Marias hört, hüpfte das Kind in ihrem Leib (Lk 1,41). Er wurde zur Stimme, die in der Wüste ruft: „Ebnet den Weg für den Herrn!“ (Joh 1,23).

Johannes weist unmissverständlich auf den hin, der größer ist als er. Seine eigene Größe besteht im Wissen und Eingeständnis dessen, was er nicht ist. Die Aufgabe des Täufers Johannes ist die eines Zeugen für das Licht, eines Vorboten Jesu.

In Dickens‘ Geschichte wollte Scrooge dem Weihnachtsgeist das Löschhorn aufdrücken und konnte doch sein Leuchten nicht verdecken. Wir haben die Wahl zwischen den Typen des Charles Dickens: sind wir wie der eisige alte Scrooge und bleiben in der Verhärtung stecken, oder wie der aufgetaute Scrooge, dessen Weihnachtsfreude alle ansteckte, denen er begegnete?

Sämtliche Texte der Lesungen vom 3. Adventssonntag (Lesejahr B) finden Sie hier.

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