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Pfarrer Stefan Jürgens über den Auferstandenen und neue Ufer

Auslegung der Lesungen vom 3. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr A)

Jesus, der Auferstandene, begegnet seinen Jüngern am See. Soweit ist die Geschichte vertraut. Aber warum springst Petrus nackt ins Wasser? Warum fangen sie genau 153 Fische? Pfarrer Stefan Jürgens aus Ahaus gibt Antworten in seiner Schriftauslegung.

Jesus, der Auferstandene, begegnet seinen Jüngern am See. Soweit ist die Geschichte vertraut. Aber warum springst Petrus nackt ins Wasser? Warum fangen sie genau 153 Fische? Pfarrer Stefan Jürgens aus Ahaus gibt Antworten in seiner Schriftauslegung.

Eine Geschichte wie im Nebel ist das, voller Symbole und Sinnbilder, die sich erst langsam erschließen. Sicher ist der Text kein Jesus-Protokoll, sondern eher eine Oster-Theologie. Jesus ist auferstanden, aber Petrus und seine Apostelkollegen gehen wieder fischen. Zuerst habe ich gedacht: Haben seine Jünger nichts Besseres zu tun, als ihrem Erstberuf nachzugehen? Dann aber ist mir aufgegangen: Wenn ich um meine Berufung ringe, dann gehe ich an den Ort zurück, wo alles begonnen hat. Das ist eine Art Liebeskummer: Die Jünger gehen zurück an den Ort ihrer Berufung, ihre Sehnsucht nach Jesus treibt sie dorthin.

„Aber in dieser Nacht fingen sie nichts“, ist ein Wort voller symbolischer Tiefe. Jeder Fischer weiß von Berufs wegen, dass man nachts die Netze auswerfen muss. Aber nun hat der Ostermorgen die ganze Welt verändert, im Dunkel des Todes ist kein Fang mehr zu machen. Ohne die Hoffnung von Ostern bleiben unsere Lebens-Netze leer.

Mit Klamotten kann man nicht schwimmen

Die Lesungen vom 3. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr A) zum Hören finden Sie hier.

„Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer.“ Der Morgen und das Ufer stehen für den Anbruch des neuen Lebens jenseits von Zeit und Raum. „Werft das Netz auf der rechten Seite aus“ bedeutet: Macht es so wie ich, verlasst euch nicht nur auf euch selbst! „Es ist der Herr!“, sagt Johannes, der Lieblingsjünger. Die Liebe verwandelt alles, an der Liebe erkennt Johannes seinen Herrn.

Woraufhin Petrus sein Obergewand anzieht und in den See springt. Das ist seltsam, denn mit angelegten Klamotten kann man nicht schwimmen. Die Reaktion des Petrus erinnert an die Symbolgestalten Adam und Eva. Als sie gegen Gottes Gebot verstoßen, merken sie, dass sie nackt sind, und verstecken sich hinterm Feigenblatt; Petrus legt sein Gewand an, weil er Jesus verleugnet hat. Seit Ostern aber sind alle Sünden vergeben.

Warum 153 Fische?

Das Netz „war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt.“ Was bedeutet diese Zahl? Es gibt mehrere Möglichkeiten. Interessant ist folgende Zahlensymbolik: Die Zahl des Alten Testaments ist die Zehn, denken wir etwa an die Zehn Gebote. Die Zahl des Neuen Testaments ist die Sieben, weil in ihr Gott (drei) und Welt (vier) zusammenkommen. Zehn plus sieben ist siebzehn. Addiert man nacheinander alle Zahlen von eins bis siebzehn, so ergibt das hundertdreiundfünfzig. Und der Sinn? Mit dem auferstandenen Jesus haben wir den „Fang“ unseres Lebens gemacht!

Noch besser finde ich folgendes Zahlenspiel: Die Zwölf steht sowohl für das Volk Israel (Söhne Jakobs) als auch für die Kirche (Apostel). Die Drei steht für Gott. Zwölf mal zwölf ist hundertvierundvierzig, drei mal drei ist neun. Hundertvierundvierzig plus neun ist hundertdreiundfünfzig. Wo Gott und Mensch zusammenwirken, da ist die Fülle des Lebens!

Der große Fang unseres Lebens

Pfarrer Stefan Jürgens.
Stefan Jürgens ist Pfarrer in St. Mariä Himmelfahrt, Ahaus und Alstätte. | Foto: Christof Haverkamp

 „Und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.“ Das Netz steht für die Gemeinde des Auferstandenen. Dieses Netz zerreißt nicht, so voll es auch sein mag. Weil Jesus unter uns ist, können wir halten, was er verspricht. „Kommt her und esst!“, sagt er. Die Jünger kommen mit ihrem Fischfang nach Hause, aber das Abendessen ist schon fertig. Jesus speist uns nicht mit dem ab, was wir selbst erarbeitet haben, er lädt vielmehr ein! Sein Erkennungszeichen, das österliche Mahl, ist und bleibt für immer ein Geschenk. Eine sehr tiefe und symbolreiche Ostergeschichte. Jesus ist auferstanden, sein Ruf ergeht an alle, die Netze reißen nicht. Bei ihm ist die Fülle des Lebens. Er nimmt uns an, wie wir sind, auch mit unserer Schuld. Wenn wir auf sein Wort hin handeln, gelingt das Leben, dann haben wir unseren großen „Fang“ gemacht.

Jesus erwartet uns an neuen Ufern, wenn der Morgen der Ewigkeit angebrochen sein wird, auch wenn unsere Netze und Herzen und Hände dann leer sein sollten. Der Alltag wird nach wie vor eine mühsame Arbeit für uns sein; wir sind jedoch nicht zum Erfolg verdammt, sondern zum Leben befreit.

Texte von Sehnsucht und Gnade

Die erste Lesung ist eine Osterpredigt, die Lukas, der Autor der Apostelgeschichte, Petrus in den Mund legt. Uns Heutigen erscheint die unmittelbare Auslegung mancher Psalmworte auf Jesus hin naiv, aber dem Gläubigen erschließt sie sich dennoch: In Jesus ist alles erfüllt!

Die zweite Lesung macht mir deutlich: Auch ich bin dazu berufen, an den Gott und Vater Jesu Christi zu glauben, ihm zu vertrauen, ihn wie Jesus als meinen Vater anzusprechen. So sprechen alle Texte dieses Sonntags von Sehnsucht und Liebe, von Geschenk und Gnade. Und von einem Leben in Fülle, das ich nur dankbar annehmen kann.

 

Sämtliche Texte der Lesungen vom 3. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr A) finden Sie hier.

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