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Pfarrer Stefan Jürgens über lange Suche und spontane Entscheidungen

Auslegung der Lesungen vom 3. Sonntag im Jahreskreis (B)

Es ging ganz schnell. Jesus kommt vorbei, ruft vier Leuten zu: „Folgt mir nach“ - und sie lassen alles liegen und stehen. Kein Überlegen, kein Nachfragen. „Ich könnte das nicht“, sagt Pfarrer Stefan Jürgens aus Münster. Und doch fasziniert ihn dieses Evangelium.

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Es ging alles ganz schnell. Jesus kommt vorbei, ruft vier Leuten zu: „Folgt mir nach“ - und schon lassen sie alles liegen und stehen. Kein Überlegen, kein Nachfragen. „Ich könnte das nicht“, sagt Pfarrer Stefan Jürgens aus Münster. Und doch fasziniert ihn dieses Evangelium.

Jesus braucht Menschen. Er schreibt seine Botschaft nicht in dicke Bücher und füllt mit seinem Evangelium keine Bibliotheken. Vielmehr schreibt er seine Botschaft in die Herzen von Menschen. Das Evangelium erzählt, wie Jesus das Reich Gottes zu verkünden beginnt: „Die Zeit (wörtlich kairos, Zeitpunkt) ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium.“

Das Evangelium vom 3. Sonntag im Jahreskreis (B) zum Hören und Sehen auf unserem Youtube-Kanal.

Mit dieser vorbildlich kurzen Predigt fasst er seine ganze Botschaft zusammen: Gott ist nahe, hier und jetzt, er ist Gegenwart. Sein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit ist mit Jesus angebrochen. Gleich darauf, fast im selben Atemzug, beruft Jesus seine ersten Jünger. Seine Botschaft und seine Nachfolger gehören zusammen. Eine tiefe Einheit bilden Botschaft und Botschafter, das Evangelium und die Evangelisten, Jesus und die Jünger.

Prompte Berufung

Ein Wort aus dieser Perikope hat es mir besonders angetan. Es ist das Wort „sofort“. Jesus beruft Simon und Andreas: „Kommt her, folgt mir nach.“ Und dann heißt es: „Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten Jesus.“ Und dann, bei Jakobus und Johannes: „Sofort rief er sie ... und sie folgten Jesus nach.“ Können Sie sich das vorstellen? Da kommt einer und findet sofort Zuspruch. Da ruft einer, und findet sofort Antwort. Jesus muss unglaublich faszinierend gewesen sein. Junge Leute lassen alles zurück und folgen ihm. Ohne nachzufragen und scheinbar auch ohne zu überlegen. Ganz ehrlich: Ich könnte das nicht!

Wenn Menschen einer Sache sofort und augenblicklich zustimmen, dann braucht es zwei Voraussetzungen. Zwei Dinge müssen gegeben sein, damit wir ohne zu zögern handeln. Das Erste ist die Bereitschaft: Wir müssen innerlich offen sein, sehnsüchtig und auf der Suche.

Das Zweite ist die Faszination: Etwas oder jemand muss uns spontan ansprechen. Simon und Andreas, Jakobus und Johannes waren sicher schon lange auf der Suche, nur deshalb konnten sie Jesus folgen; er muss für sie das Ziel einer großen Sehnsucht gewesen sein, die Antwort auf alle ihre Fragen.

Früher genügte es, bei „Kirchen“ mitzumachen

Als die Kirche noch Volkskirche war, konnte man in den Glauben wie selbstverständlich hineinwachsen. Man erbte mit der Kultur auch das Christentum, zumindest dessen Rituale. Oft genügte es, irgendwie bei „Kirchens“ mitzumachen, ohne weiter darüber nachzudenken. Heute haben sich Kultur und Glaube voneinander entfernt.

Dann hat es der Glaube einerseits schwerer, weil er nicht mehr kulturgestützt ist. Andererseits können Christen jetzt offensiver zeigen, welche Kraft sie aus ihrer Beziehung zu Jesus Christus schöpfen. Glauben ist dann keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern eine Berufung; keine Sache der Notwendigkeit, sondern der Freiheit. Zur Freiheit aber gehört Entschiedenheit: Machte man früher einfach mit, so muss man sich heute bewusst entscheiden.

Erst die Haltung, dann das Verhalten

Der AutorStefan Jürgens
Stefan Jürgens ist Pfarrer der Gemeinde Heilig Kreuz in Münster. | Foto: Markus Nolte

„Kehrt um, und glaubt an das Evangelium“: Mit diesem Wort fordert Jesus zur Entscheidung heraus. „Kehrt um“, das klingt zunächst nach Bekehrung, nach dem moralischen Zeigefinger, nach einem Appell zur Änderung des Verhaltens. Im griechischen Urtext steht „metanoiete“, was so viel heißt wie „denkt größer“. Größer denken von Gott; so von ihm denken, ihm so vertrauen, wie Jesus es getan hat, darin besteht die Herausforderung. Jesus geht es offenbar zunächst um unseren Halt, unsere Haltung – und erst dann um unser Verhalten, wenn er uns herausfordert zu Umkehr und Entscheidung. Größer denken!

Den Jüngern damals fiel die Entscheidung offensichtlich leicht. Weil sie die innere Bereitschaft mitbrachten. Sie waren auf der Suche, sehnten sich nach einem erfüllten Leben. Sie hatten offenbar längst ihre Fragen. Und als Jesus dann kam, waren sie fasziniert und konnten ihm folgen, ganz schnell, sofort und augenblicklich.

Fasziniert von Jesus?

Wie ist das bei mir? Bin ich von Jesus fasziniert, angerührt, persönlich angesprochen, vielleicht in Frage gestellt oder wenigstens auf der Suche? Der Prophet Jona (erste Lesung) hatte seine ganz eigene Geschichte mit Gott. Seine Berufungsgeschichte ist geprägt von Begeisterung und Flucht, von Vertrauen und Hader. Gott selbst sorgt dafür, dass sein wankelmütiger Prophet wieder auf den Weg kommt und das Richtige sagt und tut.

Bei der zweiten Lesung beachte man den Konjunktiv: Es geht nicht darum, Leib und Leben, Welt und Eigentum gering zu achten, sondern darum, sie auf Gott hin zu relativieren. Denn wer zuerst die Sache des Herrn im Blick behält, lebt in wirklicher Freiheit. Mit dieser Freiheit kann ich Gott an die erste Stelle setzen, mich von Jesus faszinieren lassen und ihm entschieden folgen. Sofort.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 3. Sonntag im Jahreskreis (B) finden Sie hier.

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