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Jan-Christoph Horn verrät, was ihn morgens aufstehen lässt

Auslegung der Lesungen vom 6. Ostersonntag (A)

Ist ihre „Osterliebe“ noch frisch? Wir feiern Ostern, das Leben, die Hoffnung. Wir feiern eine Kraft. Was es mit dieser Kraft auf sich hat, darum geht es in den Schrifttexten dieses Ostersonntags, die Pastoralreferent Jan-Christoph Horn aus Münster auslegt.

Ist ihre „Osterliebe“ noch frisch? Wir feiern Ostern, das Leben, die Hoffnung. Wir feiern eine Kraft. Was es mit dieser Kraft auf sich hat, darum geht es in den Schrifttexten dieses Ostersonntags, die Pastoralreferent Jan-Christoph Horn aus Münster auslegt.

Es ist Ostern. Halleluja! Haben Sie das heute schon gesagt, gehört, gespürt, gelebt? Das Fest ist so übersprudelnd vor Lebendigkeit und Glück, dass wir es über einen langen Zeitraum von Wochen nicht nur immer wieder, sondern fortwährend feiern.

Je weiter sich aber der kalendarische Ostertag entfernt, desto mehr schiebt sich anderes dazwischen. An gesellschaftlichen Ereignissen, an privaten Erlebnissen. Wissen Sie noch, was Sie am Ostertag um 15.30 Uhr gemacht haben? Ist ihre „Osterliebe“ noch frisch wie am ersten Tag?

Wir feiern Ostern. In Christus, durch ihn und mit ihm. Wir feiern das Leben. Wir feiern die Hoffnung. Wir feiern eine Kraft. Was es mit dieser Kraft auf sich hat, darum geht es in den Schrifttexten dieses Ostersonntags.

Rat aus der urchristlichen Leitzentrale

Die Apostelgeschichte berichtet von dieser zunächst noch namenlosen Kraft, die Philippus gegeben ist. Wunder werden gewirkt, was Erstaunen und Freude hervorruft. Die urchristliche Leitzentrale, die Apostel in Jerusalem, eilt herbei und gibt der Kraft einen Namen: Es ist der Heilige Geist Gottes, den Jesus den Seinen zugesagt hat.

Das Evangelium zm Hören.

Jesus Christus spricht im heutigen Evangelium von diesem Geist. Die Perikope ist wie eine dichte Firmkatechese. Das zentrale Attribut des Geistes ist „Beistand“, seine Hauptfunktion „Wahrheit geben“. Beides führt Jesus ein wenig aus, wobei das in der für das Johannes-Evangelium typischen hohen theologischen Sprache geschieht (für dessen Verständnis sich mancher Bibelleser wohl den Geist wünscht, von dem hier die Rede ist).

Unsere Kraft ist nicht unsere Kraft

Einfach, aber nicht vereinfacht gesagt, sagt Jesus: Der Geist ist Beistand, weil er die Verbindung zwischen Jesus und den Seinen hält. Und der Geist ermöglicht Wahrheit, weil er auf den und auf das verweist, was hinter allem steht, den Gott des Lichts und das Gebot des Lebens.

Es ist für unser postmodernes Selbst-Verständnis ein wenig unbequem, den von Jesus grundgelegten Gedanken zu Ende zu denken: Die Kraft, die uns gegeben ist, ist nicht unsere Kraft. Sie ist gegeben, sie kommt hinzu. Zwar nicht im Widerspruch oder als „Verbesserung“ unserer eigenen Kraft, aber als Verstärkung, die einen Unterschied macht.

Wenn wir Gottes Geist nicht in uns Raum lassen, haben wir zwar Geist, aber nicht in Gottes Namen und nicht im Geist Jesu. Das klingt hart, das klingt auch ernst. Aber es steht dort eben so.

Rede und Antwort

Für mich bedeutet das: Österliches Leben ist nicht trivial. Der erste Petrusbrief ruft das in Erinnerung. Das geflügelte Wort „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“ bekommt weitergelesen eine oft nicht mitgesehene Bedeutung – und, ehrlich gesagt, auch ich unterschlage sie gern, weil der Vers nur für sich so schön erbaulich klingt.

Wie geht der Text aber weiter? Wir sollen Rede und Antwort stehen, nicht um uns des Glaubens zu brüsten und unabhängig von den Folgen, die das haben wird.

Da stehen wir also mitten in der Osterzeit und merken, dass wir nicht nur etwas nachfeiern, sondern dass uns diese Zeit auf ihre Weise herausfordert. Die Osterzeit ist die Zeit, in der wir uns dazu verhalten müssen, was wir eigentlich aus der Osterbotschaft machen.

Das wichtigere Fest

Wie konsequent sind Sie, bin ich, in der Aneignung der Perspektive Gottes? Wie eingeübt bin ich in eine Haltung, die an die Auferstehungsmöglichkeit in jeder Lebenssituation glaubt, die von der Liebe Gottes zu jedem von uns als freisetzende Liebe spricht und die eine Kraft bei uns weiß, die unseren Geist heiligt und vollkommen macht? Angesichts unserer Lebensrealität, angesichts aller Schrecken dieser Welt, der beängstigenden Ungerechtigkeit und dem unermesslichen Leid, das uns die Natur und wir einander antun?

Der Autor
Jan-Christoph Horn ist Pastoralreferent in St. Mauritz Münster und Mitarbeiter der Fachstelle Pastoralberatung im Bischöflichen Generalvikariat MünsteJan-Christoph Horn ist Pastoralreferent in St. Mauritz Münster und Mitarbeiter der Fachstelle Pastoralberatung im Bischöflichen Generalvikariat Münster. | Foto: Privat

Für viele ist Weihnachten das schönste christliche Fest. Jesus wird geboren, Gott begegnet uns „inweltlich“ und wirkt sein Heil in der Schöpfung, ruft uns zur Mitarbeit auf. Gut! Aber Ostern bleibt das wichtigere Fest. Ostern ist für mich die Bedingung der Möglichkeit, überhaupt morgens aufzustehen, den nächsten Atemzug zu nehmen und einen positiven, aufbauenden Gedanken zu finden.

Mit der Auferstehung Jesu überlistet Gott sich selber. Dadurch kann ich mir einen Abstand zur Welt verschaffen, deren Brutalität und Absurdität ansonsten nicht auszuhalten wäre. Denn an Ostern passiert das zwar Vorgezeichnete, aber doch Unerwartete. Und auf Pfingsten zu wird uns vor Augen gestellt, dass wir mit Gottes Geist eine bleibende Kraft haben, die uns aus dem zu Erwartenden herauszuholen vermag. Tag für Tag in diesen Wochen realisiere ich das mehr.

Sämtliche Texte der Lesungen und des Evangeliums vom 6. Ostersonntag (Lesejahr A) finden Sie hier.

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