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Jan-Christoph Horn über die Feiermüdigkeit am Ende der Osterzeit

Auslegung der Lesungen vom 7. Ostersonntag (A)

50 Tage lang feiern wir Christen Ostern. Pastoralreferent Jan-Christoph Horn aus Münster beobachtet bei sich am Ende der Osterzeit eine gewisse Feriermüdigkeit. Worum es in den Lesungstexten dieses Sonntags geht, erklärt er hier.

50 Tage lang feiern wir Christen Ostern. Pastoralreferent Jan-Christoph Horn aus Münster beobachtet bei sich am Ende der Osterzeit eine gewisse Feriermüdigkeit. Worum es in den Lesungstexten dieses Sonntags geht, erklärt er hier.

Nun dauert die Osterzeit schon sechs Wochen, und so langsam macht sich eine gewisse Feiermüdigkeit breit, finden Sie nicht auch? In der Vorbereitung von Gottesdiensten stellt sich mir zum Beispiel das Problem, österliche Lieder zu finden, die nicht schon tausendmal in der letzten Zeit gesungen wurden und die auch nicht zu sehr das „Heute geschah …“ besingen. Na, Sorgen hat man als Christ!

Statt noch in österlicher Festtagsfreude zu verweilen, schauen wir wohl mit Christi Himmelfahrt und der schönen Tradition der Pfingstnovene nach vorn, auf Pfingsten. Denn das Leben kommt von vorn. Das mögen sich auch die Jünger gedacht haben, als sie vom Ölberg, dem Ort der Himmelfahrt Jesu, nach Jerusalem zurückkehrten. Die vergangenen Ereignisse waren sicherlich noch nicht „verdaut“, aber die Reaktion ist doch nur allzu menschlich: sich mit vertrauten Menschen gemeinsam an einen Ort begeben, „einmütig“, wie es in der Lesung aus der Apostelgeschichte heißt.

 Alles geklärt, nichts verstanden?

Und doch ist nicht alles gut. Die Verstörung sitzt noch tief. Wir verbinden den Gang in das Obergemach deswegen auch mit einer Art „Einschluss“, aus der sie erst die Geistsendung befreien wird.

Wie ist es mit uns? Mir geht es so: Mit der Auferstehung Jesu an Ostern, seiner Himmelfahrt und der Geistsendung an Pfingsten ist – aus der Sicht Gottes – alles erklärt. Aber für mich noch lange nicht verstanden.

„Freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt“


Das Evangelium des 7. Ostersonntags zum Hören.

Damit bin ich nicht alleine. Schon von den vergangenen Sonntagen kennen wir den Duktus des ersten Petrusbriefs, die österliche Glaubenserfahrung der ersten Generation mit der realen Lebenssituation der jungen Kirche in zweiter Generation überein zu bekommen. Was wir lesen, ist eine mitunter paradoxe Botschaft, die im heutigen ersten Lesungsvers besonders markant daherkommt: „Freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt.“

Dem erzählenden Duktus aus der Apostelgeschichte steht ein gedankenschwerer, depressiv klingender Text entgegen. Oder besser: Er steht ihm zur Seite. Denn ich lese die Perikope weniger als abstrakten Lehrtext, sondern als ein zweites Zeugnis aus der Urkirche, neben der Apostelgeschichte.

Am Ende der Osterzeit

Das ist auch für uns heute gut. Denn ich ahne, dass auch unter uns manche eher mit dem einen, zukunftsorientiert-hoffnungsvollen, manche eher mit dem anderen, reflexiv-tröstenden Bibeltext in ihrer je spezifischen Lebenssituation etwas anzufangen wissen. Das Leben ist ein Wechselspiel dieser Befindlichkeiten. So geht es mir zumindest.

Da stehe ich also am Ende der Osterzeit und weiß auch nicht so recht, wie ich aus ihr hinausgehe: freudig, hoffnungsvoll, nachdenklich, wissend, bestärkt, motiviert, mit größerer Innerlichkeit, berührt, tastend, gesegnet. Was ist es bei Ihnen?

Solidarität mit unserer menschlichen Realität

Das Evangelium des heutigen Sonntags ist treffend damit beschrieben, dass es dieser Empfindung nicht noch etwas hinzufügt, sondern sie aufgreift. In den letzten Wochen haben wir Lehrworte Jesu an seine Jünger gehört, in deren Nachfolgegemeinschaft wir stehen. Nun aber wendet sich Jesus nicht mehr an uns. Er wendet sich an seinen göttlichen Vater und übergibt die Achtsamkeit auf uns dem Herrn. Das heutige Evangelium ist ein Übergabe-Gebet.

Der Autor
Jan-Christoph Horn ist Pastoralreferent in St. Mauritz Münster und Mitarbeiter der Fachstelle Pastoralberatung im Bischöflichen Generalvikariat Münster. | Foto: Privat
Jan-Christoph Horn ist Pastoralreferent in St. Mauritz Münster und Mitarbeiter der Fachstelle Pastoralberatung im Bischöflichen Generalvikariat Münster. | Foto: Privat

„Für sie bitte ich, denn sie gehören dir“ ist ein Wort, das mir nahegeht. Jesus macht deutlich, dass seine gesamte Sendung der Verbundenheit zwischen Gott und mir dient. Nicht allgemein, sondern konkret. Denn „nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast.“ Ich spüre Jesu Solidarität mit unserer menschlichen Realität, wenn er sagt: „Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt.“ Mein Gott, wie tief verneigt sich Jesus vor dem, was uns Tag für Tag in dieser Welt passiert, geschenkt wird, angetan wird! Aber nichts davon ist vergeblich, vertan, hinfällig.

Jesus war Realist und Visionär

„In ihnen bin ich verherrlicht.“ Bitte? Ja, Jesus war Realist, er weiß um die Verlogenheit, Sündhaftigkeit und Schnelllebigkeit menschlicher Existenz. Aber Jesus war auch Visionär. Er sieht in allem die Würde, die nicht verloren gehen kann – auch wenn wir uns ins Obergemach verkriechen oder Leid zu ertragen haben.

Das steht als Evangelium am Ende der Osterzeit, aus der ich hinausgehe, ohne damit fertig zu sein, die Kunde vom auferstandenen Jesus mit meinem Leben vollends übereins bekommen zu können. Aber auch damit, dass Jesus mich gar nicht so erwartet. Die Zusage, seinen Geist zu spüren und seine Bitte an den Vater, mir nahe zu sein, begleiten mich aus der Osterzeit hinaus. In das Leben. Das besteht nun nicht darin, alles geklärt und verstanden zu haben, sondern „Gott und Jesus Christus zu erkennen“.

Na, dann schauen wir mal. – Warum auch nicht?

Sämtliche Texte der Lesungen und des Evangeliums vom 7. Ostersonntag (Lesejahr A) finden Sie hier.

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