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Pater Elmar Salmann OSB: Es könnte alles so einfach sein

Auslegung der Lesungen vom Christkönigssonntag (Lesejahr A)

An diesem Sonntag endet das Kirchenjahr mit dem Hochfest Christkönig. Auch die Lesungen dieses Tages widmen sich dem Ende, nicht zuletzt das Evangelium, in dem Jesus die große Ent-Scheidung im Weltgericht thematisiert: Was ihr dem Geringsten tut, habt ihr mir getan; was ihr ihm nicht getan habt, habt ihr mir nicht getan. Pater Elmar Salmann OSB von der Abtei Gerleve, macht sich in seiner Auslegung Gedanken über diese ernsten Texte.

Schon als Kind schreckte ich vor dem Szenario des Weltgerichts zurück, wie es sich auf den ungezählten Wandgemälden des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit findet, besonders eindrücklich bei Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle. Alles war mir unheimlich, die Endgültigkeit der Scheidung, der imperiale Gestus des Richters, das ewige Feuer der Verdammung – dagegen verblasste jede himmlische Herrlichkeit. Die Hölle ist schon bei Dante plastischer, dramatischer, es ist ein heilig-unheiliger Terror – und so hat es auf viele Gemüter bis 1960 gewirkt.

Besonders verstörend fand ich, dass niemand wusste, was er sich eingehandelt hatte und wie er an diese Wegscheide gekommen war. Es sind lauter anonyme Christen und Ungläubige – und auch die Gegenwart Christi bleibt verborgen: ein in jedem unscheinbaren und bedürftigen Menschen sich versteckender Gott trifft auf lauter unwissende Menschen, die mehr als erstaunt sind, Ihn überall und nirgends angetroffen oder verpasst zu haben, ohne es zu erkennen.

Bestürzende Vorstellung

Die Lesungen vom Christkönigssonntag (Lesejahr A) zum Hören finden Sie hier.

Und noch etwas bestürzte mich: Jeder Mensch kann in jedem Augenblick mein Nächster und eine Spur Gottes werden, ja, jeder Moment soll in dieser Hinsicht als Gelegenheit und Ort der Gottbegegnung „wahrgenommen” werden – wer wäre dieser Anonymität und grenzenlosen Ausdehnung des göttlichen Bereichs gewachsen? Man müsste immer wach sein, auf dem Pos­ten – und dabei nichts sehen, erfahren … Dann auf einmal erscheint ein Hirtenkönig und Richter in Herrlichkeit und schreitet zur Endabrechnung, urteilt endgültig über Ahnungslose. Ist das nicht alles zu viel?

So hörte ich schaudernd diesen Text, der von der Hohen Kanzel gern donnernd ausgelegt wurde. Die apokalyptische Bildsprache legt einen solchen Eindruck allzu nahe. Aber Abwehrängste und ihre Projektionen haben, so sei es gegen heutige populäre Stimmungen gesagt, nicht einfach recht. Vielleicht ist alles viel elementarer – eben einfacher, ohne simpel zu werden. Da kommen uns die Lesungen zu Hilfe.

Lautere Hirten, verblendete Herrscher

Das bewegende Bild des fürsorglichen Hirten, der wie Gott einem jeden Schaf gerecht wird, dessen Wesen darin besteht, barmherzig zu sein. Der dadurch beim selben Propheten schon zum Richter über alle jene Hirten wird, die sich um nichts kümmern, die Herde ausbeuten, auf ihrem Recht bestehen. Die Lauterkeit dieses Hirten-Gottes überführt die verblendeten Herrscher, große wie kleine, ihrer Verkehrtheit, ihrer Verfehlungen, wo sie gefehlt haben.

Dann ist da bei Paulus die Macht göttlichen Lebens, die dem Tod widersteht, mehr noch: ihn durchsteht, durchlebt, umwandelt in unerhörte Gegenwart. Der Gott Christi erscheint hier als Anwalt und Macht erneuerten Lebens. Seitdem kann alles Spur Gottes werden, selbst die Todesnot – und der unscheinbarste Mitmensch, ja sogar das eigene Leben.

Abwehrängste und Verschwörungstheorien

Der Autor
Pater Elmar Salmann OSB
Pater Elmar Salmann war lange Jahre Theologieprofessor in Rom. Er lebt als Mönch in der Benediktinerabtei Gerleve. | Foto: P. Bartholomäus Denz.

Es könnte alles so einfach sein, wenn wir nicht so kompliziert und voller Komplexe wären. Den Barmherzigen wird vom lebendigen und barmherzigen Gott Barmherzigkeit zugesagt und zuteil. Genau das ist sein Wesen, seine Art der Herrschaft, seines Königtums. Freilich ist solche Zuneigung nicht billig, sie kostet einiges, und unter den Bedingungen der Abwehr­ängste und Verschwörungstheorien, denen die Menschen oft unterliegen, sogar den guten Ruf und das Leben.

Da wird der eschatologische Richter selbst einem allzu menschlichen Gerichtsurteil unterworfen, ihm widerfährt die Ohnmacht der Verwerfung und Strafe, des Todes und der Gottesferne: Seine Herrlichkeit zeigt sich gerade in solcher Schmach, in der Identifikation mit den Letzten, den Verworfenen.

Der Herr ist das Lamm

Der Hirt ist in der biblischen Bildsprache eben auch das Lamm, der Herr ein Knecht, der Richter kennt die Lage der Verurteilten, der König ist nicht hochfahrend, sondern demütig; er erweist sich in der barmherzigen Anerkennung eines jeden Menschen. Vor diesem Hintergrund könnte man unsere Urszene noch einmal anders lesen: als endgültigen Triumph des lebendigen Gottes und seines Gesandten über unsere geheime Angst und Gewalt und die überraschende Entdeckung, wie viel an Aufmerksamkeit und Zuwendung jeder Mensch in seinem Leben verwirklicht hat, weit mehr als er es sich hätte träumen lassen.

Sämtliche Texte der Lesungen vom Christkönigssonntag (Lesejahr A) finden Sie hier.

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