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Pater Christian Brüning über das Königtum Gottes

Auslegung der Lesungen vom Christkönigssonntag / Lesejahr B

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Hat das Königtum Gottes Bestand? Können wir es herbeibeten oder ist es längst im Werden? Diese Fragen stellt sich Pater Christian Brüning und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.

Dass wir in der Gemengelage unserer Welt und der Kirche das Christkönigsfest feiern, mag manch einem Zeitgenossen aberwitzig vorkommen. Vielleicht kann da ein Blick auf das Psalmenbeten, speziell von Psalm 145 helfen.

Psalm 145 ist einer der jüngsten Psalmen, entstanden in einer Zeit, als es ein israelitisches Königreich schon lange nicht mehr gab. Dennoch besingt der Psalm das Königtum Gottes. Er besteht aus einem Rahmen (1-2/21) und fünf Strophen. Die ersten beiden (3-6/7-9) besingen Gottes Königtum, wie es sich in Bezug auf seine gesamte Schöpfung manifestiert. In den letzten beiden (14-16/17-20) wird Gottes Königtum besungen, wie es sich in Bezug auf jedes einzelne Geschöpf zeigt.

Liebende Herrschaft überall

Die Lesungen vom 33. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B) zum Hören finden Sie hier.

Im Unterschied zu allen menschlichen Königen hat Gott als König sowohl einen Blick für das Ganze seiner Herrschaft wie auch für jedes Teil. In der Mitte des Psalms stehen als Zentrum die Verse 10 bis 13. Sie heben den universalen Charakter von Gottes Königtum hervor. Es gibt kaum einen Psalm, der so umfassend von der Zuständigkeit und Mächtigkeit Gottes redet. Kein einziges Werk, nicht der kleinste Winkel der Schöpfung ist seiner liebenden Herrschaft entzogen.

Liest man Psalm 145 Vers für Vers, kann man seine Schönheit bestaunen. Mit Kunstfertigkeit und Liebe fürs Detail wird Gottes Königtum besungen. Aber gleichzeitig schleicht sich die Frage ein: Ist er nicht ein völlig weltfremder Psalm? Schon zu seiner Entstehungszeit widersprach die alltägliche Realität eines gläubigen Israeliten beinahe jedem Vers dieses Psalms. Wo ließ sich denn Gottes Königtum greifen? Psalm 145 ist ein Psalm, der mindestens auf zwei Ebenen gelesen und gebetet werden will. Zum einen möchte er nämlich mit aller Intensität das Königtum Gottes herbeibeten. Er nennt deshalb Gott so oft König und preist seine liebevolle Fürsorge, damit Gott es endlich wahr macht.

Kann ein Auschwitz-Überlebender beten?

Der jüdische Schriftsteller und Holocaust-Überlebende Eli Wiesel (1928-2016) antwortete einmal auf die Frage, wie ein Mensch, ein Jude, nach Auschwitz noch beten könne, es gäbe grundsätzlich die zwei Möglichkeiten:

Entweder sich gegen Gott aufzulehnen und zu sagen: „Herr des Weltalls, ich weiß es und Du weißt es auch, dass jetzt die Stunde des Gebetes ist ..., aber ich will es nicht wissen. Es ist mir bewusst, dass ich beten muss, beten müsste, aber ich werde es nicht tun, hörst Du mich, Herr des Weltalls?“ Dann würde seine Weigerung zu beten wieder zum Gebet, sein Nein zu Gott würde zu einem Ja.

Die andere Möglichkeit wäre: „Wir harren in unseren Gebeten aus und zwingen Gott, seinen Attributen zu entsprechen.“ Man nennt ihn mit anderen Worten so oft gerecht und barmherzig, bis er es am Ende wird. Diese zweite Möglichkeit sucht Psalm 145 zu realisieren.

Königtum Gottes in unserer Lebenswelt

Der Autor
Christian Brüning OSB
Pater Christian Brüning OSB ist Mönch der Benediktinerabtei Gerleve. | Foto: Abtei Gerleve

Auf der zweiten Ebene will Psalm 145 das Königtum Gottes nicht nur herbeibeten, sondern es schon in unserer Lebenswelt entdecken. Er ist geradezu eine Anleitung dazu; das jedoch in einer Art, die keine Übersetzung einfangen kann. Psalm 145 ist ein sogenannter alphabetischer Psalm; Vers 1 beginnt mit dem ersten Buchstaben, Vers 2 mit dem zweiten und so weiter. Diese Stilform ist oft als fantasielos bewertet worden, aber in Psalm 145 wird damit Theologie getrieben.

Nimmt man nämlich die Herzstrophe, die Strophe im Zentrum des Psalms, dann ergeben die Anfangsbuchstaben dieser Verse die Anrufung Malki, „mein König“, – allerdings nur, wenn man sie rückwärts liest. Der Psalm möchte damit deutlich machen: Gottes Königtum, das wir in unserer alltäglichen Welt so schrecklich vermissen, das wir mit aller Intensität herbeibeten, ist längst im Werden, wir sehen es nur nicht, weil unsere Augen gehalten sind. Erst im Rückblick werden wir erkennen können: Doch, sogar im dicks­ten Elend war er schon da, mein und unser König!

Sein Reich hat Bestand

Schaut man auf die zentralen Aussagen der Lesungen, so ist der rote Faden schnell ersichtlich. Die Erste Lesung spricht von dem kommenden Menschensohn, dem „Herrschaft, Würde und Königtum gegeben“ werden. „Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft. Sein Reich geht niemals unter.“ Die Zweite Lesung spricht von Jesus Christus, dem treuen Zeugen, dem Erstgeborenen der Toten, dem Herrscher über die Könige der Erde. Im Evangelium fragt schließlich Pilatus Jesus: „Bist Du der König der Juden?“ Und ein weiteres Mal: „Also bist Du doch ein König?“ Worauf hin Jesus antwortet: „Du sagst es, ich bin ein König.“

Sämtliche Texte der Lesungen vom Christkönigssonntag (Lesejahr B) finden Sie hier.

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